Diskussionen über Böller und Stadionsprecher, 71.000 Euro für Familienblock

Einen Tag nach dem unschönen Ende beim Duell gegen RB Leipzig II (0:1) meldet sich der 1. FC Lok zu Wort. Die Fans seien „positiv verrückt“ und nicht „kriminell“ heißt es in einer Club-Mitteilung zu den Vorfällen am Spielende. Aus dem Zuschauerbereich waren zwei Böller Richtung Linienrichter geflogen, einer traf auch Ex-Teammanager René Gruschka. Stadionsprecher Mirko Linke warf sich verbal den Krawallos entgegen und wurde trotzdem zur medialen Zielscheibe.

Wenn es in einem Fußballstadion knallt, Böller hochgehen, Leuchtraketen fliegen oder Rauchbomben die Sicht behindern, kramen Stadionsprecher in ihrer lauschig-warmen Sprecherkabine fernab vom tobenden Mob die DFB-Empfehlungen für Ansagen in kritischen Situationen und lesen dann mehr oder weniger emotionslos von ihrem Blatt ab: „Liebe Fußballfreunde. Wir wünschen uns einen fairen und sportlichen Verlauf. Wir freuen uns über ihre Begeisterung. Ihr Verhalten ist unsportlich und kann zum Spielabbruch führen.“ Wirkungslose Bürokratensätze.

Als in der Nachspielzeit beim Duell Lok Leipzig gegen RB Leipzig II binnen zwei Minuten zwei Böller im Innenraum des Stadions, direkt neben dem Schiedsrichter-Assistenten explodierten, Becher mit diversen Inhalten flogen, machte Lok-Stadionsprecher Mirko Linke etwas ganz anderes. Er schnappte sich sein Mikrofon, stellte sich vor den Block der Wurfwütigen und brüllte sich die eigene Wut über die Idioten im Block aus dem Leib. Von Vereinsseite bekam der seit 2004 als Stadionsprecher aktive Linke Lob dafür.

Zehn Minuten nach Spielende, als die Spieler ihre Runde durchs Stadion fast beendet hatten, griff er ein letztes Mal zum Mikrofon. „Es kommen wieder bessere Schiedsrichter, wir lassen den Kopf nicht hängen“ und verwies noch auf das kommende Auswärtsspiel beim FC Schönberg . Die Schiedsrichter waren da schon lange in der Kabine, die Emotionen abgeebbt.

Am Ende wurde das Fußballfest im Bruno-Plache-Stadion zur Nebensache. Foto: Jan Kaefer

Am Ende wurde das Fußballfest im Bruno-Plache-Stadion zur Nebensache. Foto: Jan Kaefer

Die LVZ jedoch brachte Linkes Spruch in direkten zeitlichen Zusammenhang mit seinem Wutausbruch vor dem Block der Krawallos und unterstellte ihm Zynismus. „Ich bin aus allen Wolken gefallen. Aus meiner Sicht und aus Sicht des Vereins habe ich richtig reagiert. Das ist auch nicht gerade einfach, sich in so einer Situation dort hin zu stellen. Der Dank dafür ist, dass ich nun als Buhmann da stehe“, so Linke.

Dass ein Stadionsprecher die Schiedsrichter thematisiert – Schiedsrichter-Assistent Hösel hatte mehrmals bei engen Abseitsentscheidungen die Fahne gehoben, ist hier den Emotionen geschuldet, dass aber das authentische Verhalten während der Spielunterbrechung mit den Worten nach dem Spiel zusammengebracht werden, vermittelt einen falschen Eindruck.

So wie die Schlussnote einen falschen Eindruck vom Aufeinandertreffen beider Teams vermittelte. Bis zur 89. Minute war es auf den Rängen und dem Platz fair zugegangen, Schmähgesänge aus der untersten Schublade blieben aus. Über 5.600 Fans waren bei bestem Fußballwetter ins Plache-Stadion gekommen. Nach dem Spiel dominierten die Böllerwürfe trotzdem die Gespräche und auch die Gemüter der Fans. Montagvormittag meldete sich der 1. FC Lok zu Wort.

„Wie kann jemand, der sich als Fan bezeichnet, Feuerwerkskörper und Gegenstände in den Innenraum werfen? Gezielt wurde auf den Linienrichter und Betreuer René Gruschka schließlich leicht am Kopf verletzt. […] Viele andere Fans und ehrenamtliche Helfer waren gestern im Stadion und fieberten ebenfalls bis zum Schlusspfiff mit. Keiner von ihnen wäre auch nur auf die Idee gekommen, einen Böller ins Stadion zu bringen. Was soll das? Der 1. FC Lok pflegt engen Kontakt zu allen Fangruppen und hat stets ein offenes Ohr. Aber hier wurden gleich mehrere rote Linien übertreten.“

Der durch einen Knaller verletzte René Gruschka wird auf der Bank des 1. FC Lok behandelt. Foto: Jan Kaefer

Der durch einen Knaller verletzte René Gruschka wird auf der Bank des 1. FC Lok behandelt. Foto: Jan Kaefer

Wie schon am Sonntag berichtet, sind aber Teile der Lok-Fans nicht mit der Sicherheitspolitik des Vereins einverstanden. Nachdem nur Dauerkarteninhaber beziehungsweise Vereinsmitglieder für das Auswärtsspiel beim SV Babelsberg Karten erhalten sollten, stand vor allem Sicherheitsbeauftragter Martin Mieth in der Kritik. Die gestrige Situation stellt die Entscheidung der Vereinsgremien noch mal in ein anderes Licht, vor allem da aus der Ecke, aus der die Böller flogen, zuvor noch „Mieth muss weg“ skandiert wurde.

„Wir alle lieben unseren Verein und sind positiv verrückt. Feuerwerkskörper auf Menschen zu werfen, hat damit überhaupt nichts zu tun. Das ist kriminell! Selbstverständlich distanzieren sich Präsidium und Aufsichtsrat von solchen Aktionen und wissen alle Lok-Fans und -Mitglieder hinter sich“, heißt es weiter in der Mitteilung des Vereins. Am Montagabend trafen sich die Vereinsgremien, um über weitere Maßnahmen zu beraten. Entsprechende Informationen werden in den kommenden Tagen erwartet.

Die Lok-Fans scheinen die Böllerwürfe zum Anlass genommen zu haben, um das Projekt „Familienblock“ weiter zu pushen. In den 24 Stunden nach dem Spiel kamen weitere 11.000 Euro für das Crowdinvesting-Projekt zustande. Drei Stunden vor Ende der Aktion stand das Konto bei 71.000 Euro – gesammelt in 39 Tagen. Positiv verrückt eben.

 

RB LeipzigRegionalliga1. FC LokRandaleBöllerBecherwurf
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