Interview mit Thomas Löwe, Präsident des 1. FC Lokomotive Leipzig

Lok schickt E-Jugend lieber nach Gladbach als zu RB Leipzig: „Auf Schalke läuft auch nicht der BVB ein“

Für alle LeserGroße Aufregung um den 1. FC Lok. Angeblich sollen Eltern von E-Jugendlichen (Jahrgänge 2006 und 2007) auf die Vereinsführung sauer sein, weil ihre Kinder bei einem Bundesliga-Heimspiel von RB Leipzig einlaufen dürfen. Die Mannschaft hatte dies als Geschenk zum Pokalsieg in Leipzig bekommen. Lok-Präsident Thomas Löwe kann die Aufregung nicht verstehen und erkläutert gegenüber L-IZ seine Sicht. Zu der auch das Verhalten des Fußballverbands und der Ersatz für die Jung-Kicker gehören.

Es war wohl eine E-Mail eines enttäuschten ehemaligen Elternteils aus der E2-Jugend-Mannschaft des 1. FC Lok, die den Verein deutschlandweit in die Schlagzeilen gebracht hat. In dieser soll der Vater der LVZ erklärt haben, dass Eltern sauer über das Verhalten des Vereins-Vorstands seien.

Dieser habe es der Mannschaft untersagt, bei einem Bundesliga-Heimspiel des Lokalrivalen RB Leipzig als Einlaufkinder aufzulaufen. Die Meldung ging binnen weniger Stunden viral, bis zu Sky, Sport1 oder welt.de. Der Tenor: Ein Vereinsvorstand verbietet Achtjährigen die Bundesliga aus kleinkarierten Gründen. Lok-Präsident Thomas Löwe sieht das anders.

Herr Löwe, die E-Jugend des 1. FC Lok sollte eigentlich bei einem Heimspiel von RB Leipzig Einlaufmannschaft sein, aber darf es nicht. Wieso nicht?

Für uns ist das eine Selbstverständlichkeit. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Kinder von 1860 mal bei Bayern auflaufen. In Leipzig wird da aber ein Theater veranstaltet. Wir sind nun mal Kontrahenten, wenn auch auf unterschiedlichem Niveau. Wir respektieren uns gegenseitig, aber mehr ist es nicht.

Man darf in dieser Stadt offenbar nicht mehr darauf aufmerksam machen, dass sich beide Vereinsphilosophien vollkommen unterscheiden. Wir haben 2.500 Mitglieder und die haben uns beauftragt, ihre Interessen zu vertreten. Ich bin mir sicher, dass mindestens 90 Prozent der Mitglieder auch so entschieden hätten.

Sind Sie überrascht von der deutschlandweiten Berichterstattung darüber?

Wir haben das ruhig und sachlich entschieden und uns um eine Alternative gekümmert. Dass das solche Ausmaße annimmt, ist eigentlich traurig. Ich habe mir erst vor Kurzem Fotos vom Einlaufen bei RB angesehen. Die Einlaufkinder klatschen dann das RB-Maskottchen ab.

Man stelle sich unsere Nachwuchsmannschaft dort vor. Dazu kommt, dass die Kinder dort nicht in Lok-Klamotten hätten auflaufen dürfen.

Wie lief die Kommunikation mit den Eltern ab?

Die Trainer haben den Eltern unsere Entscheidung mitgeteilt. Die Eltern sind an mich persönlich herangetreten und haben um ein Gespräch gebeten. Ich traf mich mit einem Vertreter zum Essen und wir haben unsere Positionen ausgetauscht. Daraufhin haben die Elternvertreter auch die Vereinsposition verstanden. Diese war ihnen bis dato nicht bekannt.

Ich bin auch noch mal zum Elternabend am vergangenen Dienstag und habe mit den Eltern geredet, ihnen erzählt, wie die Gründung von RB 2009 unseren Nachwuchs durcheinandergebracht hat. Uns haben zahlreiche Nachwuchsspieler verlassen, wir sind mit vielen Jugendmannschaften abgestiegen. Für mich wäre das ein Treppenwitz der Geschichte, wenn wir acht Jahre später eine Nachwuchsmannschaft von uns zu RB als Einlaufkinder schicken würden.

Das wird es jetzt und auch in Zukunft nicht geben. Ich habe den Eltern auch noch mal die Unterschiede zwischen den Vereinen erklärt, die ihnen so nicht klar waren. Letztendlich haben die Eltern unsere Lage verstanden und freuen sich nun auf die coole Reise nach Mönchengladbach.

Statt bei RB laufen die Kinder nun beim Bundesliga-Spiel zwischen Borussia Mönchengladbach und Bayer Leverkusen auf…

In Gladbach spielen wir dort das Vorspiel in unseren Farben. Wir werden einen Bus mieten für die Eltern, die mitkommen. Sie werden ihre Kinder dort einlaufen und spielen sehen und machen sich dort ein schönes Wochenende.

Wie beurteilen Sie das Geschenk des Fußballverbands? Erst so sind sie letztlich in die Bredouille gekommen.

Wer in Leipzig ein Kind bekommt oder hierherzieht, bekommt ein RB-Geschenk und jetzt geht es auch noch über den Verband, der zur Neutralität verpflichtet ist. Da sollen sich die Herren auch mal hinterfragen. Wir sind Lok und wir sind sehr, sehr stolz und man kann auch davon ausgehen, dass wir in Zukunft nicht jedes Geschenk annehmen, was uns gemacht wird.

Kommentar: Der Skandal ist wichtiger als die Geschichte

Thomas LöweInterviewEinlaufkinder
Print Friendly, PDF & Email
Leserbrief

Hinweise zum Leserbrief: Bitte beachten Sie, dass wir einen Leserbrief nur veröffentlichen, wenn dieser nicht anonym bei uns eintrifft. Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass eine Teilnahme an Verlosungen des L-IZ Leserclubs mit dem Leserbrief nicht möglich ist.

Ihr Name *

Ihre E-Mail-Adresse *

Betreff

Ihre Nachricht *

Bild/Datei hochladen

Wären Sie mit der Veröffentlichung als Leserbrief einverstanden? *

 
2 Kommentare

Kommentar schreiben



Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Wahlprüfsteine des ADFC Leipzig zur Bundestagswahl
Stimmen aus der Metro –Eine Untergrundfahrt mit tschechischer Literatur und Musik
Polizeibericht, 21. September: Fahrraddiebe gestellt, Komplexkontrolle am Willy-Brandt-Platz, Zündler unterwegs
Testlauf für künftige Wähler: Die U18-Wahl und ihre Ergebnisse in Leipzig
Abwasser reinigen, Umwelt schützen: Wasserwerke öffnen Klärwerk Rosental
Beliebter Kinderstar besucht die Leipziger Gruppe am Maus-Türöffner-Tag
Bundestagswahl: Wahlkreis 153 – Erststimme Pellmann
Klingt nach – China! Konfuzius-Institut-Tag im Musikpavillon
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr





Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Legida-Liveticker am 21.09.: Sie sind wieder da
Der Hass rund um Legida schaukelt sich weiter hoch. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle Leser Legida ist zurück in Leipzig und der Gegenprotest ist auch wieder da. Mehr als acht Monate nach dem scheinbaren Ende möchten die völkischen Nationalisten erneut über den Innenstadtring laufen. Das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ möchte das verhindern, ärgert sich jedoch über das Vorgehen der Versammlungsbehörde.
Verwaltungsvorlage zur ehemaligen „Skala“ in der Gottschedstraße empfiehlt Verkauf an Kultur-Investor
Spielstätte Gottschedstraße 16 - zuletzt als "Skala" vom Schauspiel Leipzig genutzt. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDas mit dem Erbbaurecht war ein schöner Traum. Aber es hat sich kein Investor für das Haus Gottschedstraße 16 gefunden, der es in Erbbaurecht hätte betreiben wollen. Nur sechs Kaufinteressenten haben sich bei der Stadt für die ehemalige Spielstätte von „Neuer Szene“ und „Skala“ beworben. Nun wird sie wohl verkauft, teilt die Verwaltung mit. Eine kulturelle Weiternutzung wird es wohl geben.
Nur ein Viertel der Bundeszuschüsse für Wohnraumförderung gibt Sachsen für sozialen Wohnungsbau weiter
Wohnungsbau in Gohlis. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für FreikäuferLächerlich nannten wir jüngst an dieser Stelle das sächsische Programm für sozialen Wohnungsbau. Nur einen kleinen Teilbetrag der Gelder, die der Bund für Wohnraumförderung an Sachsen überweist, wird überhaupt für das Programm für sozialen Wohnungsbau bereitgestellt. Der am Ende auch nicht wirklich sozial wird, weil trotzdem Mieten von 6,50 Euro je Quadratmeter dabei herauskommen. Man kann auch mit bürokratischen Finessen ein Programm torpedieren.
Leipziger Forscher suchen Wege, die Entwicklung von Demenz präventiv zu bekämpfen
Gesunde Ernährung gehört auch im Alter dazu. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserAm heutigen 21. September ist Weltalzheimertag. Und der erinnert daran, dass Demenzerkrankungen sich in unserer Gesellschaft immer mehr häufen. Was nicht nur daran liegt, dass immer mehr Menschen sehr alt werden. Ungünstige Ernährung, zu wenig Bewegung, mangelnde geistige Förderung, all das sind Risikofaktoren für Demenz im Alter. Und Leipziger Forscher suchen nach Wegen, diese neue „Zivilisationskrankheit“ zu bekämpfen.
Der Matthäikirchhof zwischen „zentralem Gedenkort“ und einer würdigen Erinnerung an die gesprengte Matthäikirche
Die Erinnerungsstele für die gesprengte Matthäikirche am Matthäikirchhof. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserKann er nun loslassen? Seinen großen Traum, selbst zu bestimmen, wo das Leipziger Freiheitsdenkmal nun stehen soll, durchzudrücken? So richtig klangen die jüngsten Äußerungen von OBM Burkhard Jung, die er wieder via LVZ in die Welt schickte, nicht so. „Für die Gestaltung des Matthäikirchhofs erhofft sich Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) einen großen Aufschlag. Optimal wäre aus Sicht des Stadtchefs ein zentraler Gedenkort an dieser Stelle“, hieß es dort am 16. September.
Wie der Neoliberalismus den Stadt-Land-Gegensatz in Europa anheizt
Die Besucher der Konferenz-Website empfängt ein kleines Memory. Screenshot: L-IZ

Screenshot: L-IZ

Für alle Leser Diese Konferenz wird erst nach der Bundestagswahl stattfinden, obwohl sie thematisch davor gehört. Denn sie thematisiert erstmals aus wissenschaftlicher Sicht, warum Deutschland und Europa politisch so in Schieflage geraten sind. Denn das Grundproblem ist das Auseinanderdriften der Regionen. Und die Verlierer dabei werden zur Schwungmasse der Nationalisten. Die Konferenz findet vom 27. bis 29. September in Leipzig statt.
Ein kleines, lebendiges Buch über die Rolle der Abschiede in unserem Leben
Georg Magirius (Hrsg.): Abschied. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserAbschieds-Bücher müssen nicht traurig sein. Sie müssen auch nicht immer dieselben rührseligen Geschichten enthalten. Und sie müssen auch nicht immer vom Tod und vom Sterben erzählen. Denn ein Menschenleben ist voller Abschiede. Und auf die meisten sind wir nicht vorbereitet. Auch jene Leute nicht, die immerfort anderen Menschen Abschiede zumuten wollen.
Der Stadrat tagt: DOK-Film Leipzig auf Probe gerettet + Audio
Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserDass es der Leipziger Dok-Filmwochen GmbH nicht gutgeht, dürfte sich in Leipzig mittlerweile herumgesprochen haben. Personelle Wechsel hatten wohl zu einer geminderten Einnahme auf Sponsoringseite geführt, doch die GmbH hat auch aufgrund fehlender Ausfinanzierung Schlagseite. So stark, dass das Gesamtfestival bereits in diesem Jahr zum 60. Jubiläum infrage steht. Die Stadt Leipzig jedoch ist selbst Gesellschafterin der GmbH, in fast letzter Sekunde einigte sich nun der Finanzausschuss des Leipziger Stadtrates auf eine Lösung. Und diese konnte nicht nur „mehr Geld“ lauten, will man nun sicherstellen, dass die DOK weitergeht.
Der Stadtrat tagt: Kein Rauchverbot bei der LVB und ein „Papierkorb-Konzept“
Baudezernentin Dorothee Dubrau. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle Leser Da wollte die Linksfraktion von der Stadtverwaltung doch wissen, wie nun Raucher und Nichtraucher zukünftig miteinander am menschlichen Sammelpunkt Straßenbahnhaltestelle umgehen werden. Verbote für Raucher? Vielleicht ein paar Inselchen? Wenigstens mehr Mülleimer? Baudezernentin Dorothee Dubrau hatte wenig Klärendes vorbereitet.
Die 2. September-Stadtratssitzung im Livestream, Videomitschnitt
Der Stadtrat im Livestream. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserIn der heutigen Sitzung werden sich die Stadträte u. a. mit dem Thema beschäftigen, ob es möglich ist, an Haltestellen des ÖPNV ein Rauchverbot auszusprechen. Auch wie man die Elektromobilität offensiver angehen kann, wie ein friedliches Zusammenleben in Grünau gewährleistet werden soll und die Leipziger Sparkasse wieder unter die Steuerung des Stadtrates zu stellen. Auch die Klage, die die Grünen-Fraktion beim Verwaltungsgericht über die fehlende Transparenz bei vielen Vorlagen des Oberbürgermeisters eingereicht hat, wird Diskussionsthema sein. Wie immer gibt es den Livestream und Berichte auf der L-IZ.de live ab 14 Uhr.
Der Stadtrat tagt: Keine Hausboote auf den Seen
Stadträtin Ute Elisabeth Gabelmann. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserDer Stadtrat hat mit großer Mehrheit einen Antrag der Freibeuter-Fraktion abgelehnt, wonach die rechtlichen Voraussetzungen für die Zulassung von Hausbooten zu prüfen gewesen wären. Die Fraktion bezeichnete dies als alternative Wohnform und Maßnahme gegen möglichen Wohnungsmangel. Die Stadtverwaltung stand dem Vorhaben ebenfalls ablehnend gegenüber.
Der Stadtrat tagt: Diskussion über Migration und Bildung + Audio
Sozialbürgermeister Thomas Fabian. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserWie sich BMW für junge Geflüchtete engagiert, welche Chancen, Herausforderungen und Probleme die Fraktionen im Themenkomplex Bildung und Migration sehen und was der Migrationsbeirat dazu sagt, war Inhalt einer bildungspolitischen Stunde im Stadtrat. Alle Beteiligten hoben dabei die überragende Bedeutung von Bildung hervor.
Der Stadtrat tagt: Straßenmusik in der Innenstadt bleibt bis 22 Uhr erlaubt
Abstimmung in der Leipziger Stadtverordnetenversammlung.

Foto: L-IZ Archiv

Für alle LeserStraßenmusiker nerven – zumindest nach 20 Uhr, zumindest nach Meinung eines Innenstadteinwohners. Dieser reichte eine Petition ein, wonach die Kunstform nach 20 Uhr verboten werden sollte. Bislang galt 22 Uhr als Grenze – und wird dies auch weiterhin tun. Der Stadtrat wies den Vorschlag einstimmig zurück.
Der Stadtrat tagt: Klage wegen Transparenz – Schlagabtausch zwischen Hobusch und Jung + Audio
OBM Burkhard Jung unter Druck. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserDer Start der heutigen Sitzung verlief durchaus amüsant bis spannend. Nach einer Debatte zwischen René Hobusch (Freibeuter/FDP) und Oberbürgermeister Burkhard Jung verlangte dieser eine Unterbrechung der Sitzung, um sich juristisch zu beraten. Dazu kam es, weil René Hobusch darauf bestanden hatte, noch heute über den Vorschlag des Beitritts aller Fraktionen zur Klage der Fraktion der Grünen gegen den OBM wegen Einhaltung von Transparenzregeln abzustimmen. Der OBM wies dies aus formalen Gründen zurück.
Migrantenbeirat kritisiert Medien für ihre fahrlässige Berichterstattung zum Scheitern des FIM
Ist vielleicht doch der Mensch das Maß aller Dinge? Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für FreikäuferDie Zahlen standen in einer Stadtratsvorlage zur sogenannten „Flüchtlingsintegrationsmaßnahme“ (FIM). Eine Maßnahme, die überall in der Bundesrepublik nicht funktioniert. Die Vorlage zeigte sogar einige Gründe dafür aus. Die LVZ aber fand es richtig, den nicht für 80 Cent jobbenden Flüchtlingen gleich mal schwänzen vorzuwerfen. Ein Vorwurf, den jetzt auch ganz offiziell der Leipziger Migrantenbeirat zurückweist.