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Lok-Präsident Thomas Löwe: „Ob 2020 überhaupt noch mal gespielt wird?“

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    Mit Geistertickets will der 1. FC Lok das Corona-bedingte Finanzloch zuschütten. Über 27.000 Tickets wurden bei der Aktion „Macht die Bude voll“ in den ersten 48 Stunden schon verkauft. Lok-Präsident Thomas Löwe sorgt sich derweil um die Zukunft des Fußballs im Jahr 2020 und freut sich über die unkonventionelle Zusammenarbeit in der Initiative „Teamsport Sachsen“ zur deutlicheren Meinungsvertretung gegenüber der sächsischen Politik in Krisenzeiten.

    Herr Löwe, über 27.000 Tickets sind bei der Aktion „Macht die Bude voll“ schon rausgegangen. Mehr Zuschauer hat das Plache-Stadion zuletzt 1956 beim Spiel Rotation und SC Lok gegen Lausanne Sport gesehen. Überrascht?

    Mich freut, dass die Aktion der Geistertickets gegen den unsichtbaren Gegner bisher so viel Resonanz erzeugt hat und sich die Menschen in dieser Zeit, in der es fast nur negative Meldungen gibt, mit uns auf eine kleine Zeitreise begeben. Das macht mich stolz auf unseren Verein und die Fans. Der Start der Aktion ist sensationell verlaufen. Es geht für uns darum, Lok zu stabilisieren und möglichst unbeschadet durch die Krise zu führen. Dafür wird in verschiedenen Bereichen gearbeitet.

    Möglichst unbeschadet durch die Krise klingt ob der zu erwartenden Einnahmenverluste gar nicht negativ. Geht es nicht eigentlich ums nackte Überleben?

    Ja, das ist natürlich so. Für andere Vereine, gerade in höheren Ligen, ist das neu. Wir kennen das bei Lok und die Lok-Fans auch. Sie waren immer da, wenn es darum ging, den Verein weiterzuentwickeln und zu erhalten. Ich stand heute auf dem Kunstrasenplatz. Den hätten wir gar nicht bauen können, wenn die Fans nicht bereit gewesen wären, ihren großen Beitrag zu leisten. Es geht – mal wieder – um den Erhalt der Probstheidaer Fußballtradition.

    Die Aktion „Macht die Bude voll“ ist das eine, welche Maßnahmen hat Lok außerdem zur finanziellen Stabilisierung in Angriff genommen?

    Wir haben Kurzarbeitgeld beantragt und werden Stundungen beim Finanzamt, den Krankenkassen und der Berufsgenossenschaft beantragen. Besonders bitter für mich, da wir seit 2015 wahnsinnig viel Herzblut und Geld in unsere Vision 2020 gesteckt haben und auf einem super Weg gewesen sind, die Ziele zu erreichen. Das Virus hat uns nun voll ausgebremst. Wir haben uns auf die erhöhte Zuschauerresonanz in der Saisonendphase gefreut und hätten finanziell sicher gut ausgesehen. Die spielfreie Zeit verändert alles.

    Wann denken Sie wird es wieder Fußball im Plache-Stadion geben?

    Ich hatte immer gehofft, dass es am 19. April weitergehen könnte, aber bei den Hiobsbotschaften, die uns täglich von den Virologen erreichen, bin ich mir gar nicht sicher ob 2020 überhaupt noch mal gespielt werden kann.

    Kein Fußball mehr in diesem Jahr? Dann kann der Verein ja gleich in den Dornröschenschlaf gehen…

    Nein, wir werden keinen entlassen, wenn Sie das meinen. Wir haben auch Verantwortung für unsere Mitarbeiter. Wir beantragen alles, was notwendig ist, um diese zu halten. Ich kann ihnen schon jetzt nur danken, dass sie der Kurzarbeiterregelung sofort zugestimmt haben. Sie haben alle das Kurzarbeitergeld angenommen, auch alle Fußballer. Diese erhalten nicht Kurzarbeitergeld null, sondern etwas mehr, denn sie müssen sich ja fithalten.

    Für mich als Unternehmer war es neu, diese Antragsformulare zu sehen und auszufüllen. Der Geschäftsführer der Spielbetriebs-GmbH, Martin Mieth, Geschäftsstellen-Mitarbeiterin Yvonne Berus und Schatzmeister Bernd Lang haben sich in den letzten Tagen ganz intensiv damit beschäftigt.

    Bei Lok war und ist vieles im Schwebezustand. Die Lizenz für die 3. Liga wurde noch am 2. März beantragt, Verhandlungen mit dem Investor sollten zum Abschluss gebracht, ein neuer Trainer präsentiert und Vertragsverhandlungen mit Spielern aufgenommen werden. Wie geht es damit nun weiter?

    Wir wollen natürlich unseren erfolgreichen Weg fortzusetzen. Wir wissen nur noch nicht, wann man uns lässt. Bevor man nicht verlässlich weiß, wann und wie es weitergeht, werden wir keine Vertragsverhandlungen führen. Ich denke, dem Fußball steht eine Zäsur bevor. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses Gehaltsniveau in den Ligen nach der Krise noch so hoch sein wird. Es werden viele Unternehmen, die im Sport investieren, dies in Zukunft nicht mehr so können.

    Jeder Unternehmer hat jetzt mit seiner eigenen Firma zu tun. Diese machen ja gerade keine Gewinne und müssen sich um ihre eigene Belegschaft kümmern. Die Frage ist auch: Wann geht es im Mannschaftssport wieder weiter? Wann darf man Zuschauer wieder ins Stadion lassen? Wann kriegen Sponsoren auch wieder die Gegenleistung zu ihrem Geld.

    Zurzeit müssen wir erst mal gucken, dass die Menschen in Deutschland vernünftig werden und diese Phase nicht mit Freizeit verwechselt wird. Es ist eine ernste Situation.

    Diese Woche wurde bekannt, dass sich Lok mit anderen Vereinen in der Initiative „Teamsport Sachsen“ organisiert hat. Was ist das Ziel dieser Vereinigung?

    Die Idee ist, dass man als Vereinsverbund gemeinsam auf die Landesregierung zugeht und sich nicht jeder Verein einzeln einen Termin holt. Wir wollen dies in geballter Form tun. Bereits vor ein paar Tagen gab es eine Telefonkonferenz mit allen Vereinen, auch am heutigen Freitag fand eine zur Abstimmung des weiteren Vorgehens statt. Es ist ein gutes Miteinander, in dem es keine Rolle spielt, welche Vereine zusammenarbeiten.

    Man hilft sich und wir sind schon wirklich eine sehr sehr gute Gemeinschaft. Der Geschäftsführer der Handball-Abteilung des SC DHfK Karsten Günther hat diese Initiative gestartet. Er hat sich mit allen Topclubs in Sachsen in Verbindung gesetzt und sehr viel Zeit investiert. Danke dafür schon einmal.

    Die Klubs leben damit die Solidarität vor, die derzeit von vielen Seiten eingefordert wird …

    Mittlerweile schaut man schon bundesweit auf diese Initiative, weil sich Vereine in anderen Bundesländern auch organisieren wollen. Wir hatten auch schon einen Termin in der Staatskanzlei in Dresden. Diese prüft unser Anliegen und richtete eine AG Sport ein. Ich wünsche mir, dass alle Vereine in Sachsen durch die Krise kommen und der Staat die Vereine so unterstützt, dass sie ihr Engagement für unsere Gesellschaft fortsetzen können.

    Außerdem wünsche ich mir, dass wir uns bald wieder im BPS sportlich duellieren können und wir alle Lok-Fans wieder gesund und munter im Plache-Stadion antreffen.

    Hier gibt’s die Geister-Tickets:
    https://www.lok-fanshop.com/Besondere-Anlaesse/…

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