HC Leipzig vs. Oldenburg 35:26 – „Eine Menge Wut im Bauch“

Gerade einmal zwei Wochen war es her, dass sich die Handballerinnen des HC Leipzig mit einer desaströsen zweiten Halbzeit faktisch selbst aus dem DHB-Pokal kegelten. Lachender Sieger damals war der VfL Oldenburg, der am Samstag erneut in Leipzig auf der Platte stand - diesmal allerdings ging es um Bundesligapunkte. "Wir haben uns gesagt, das passiert nie wieder, dass wir nach der Halbzeit so einbrechen", verriet Saskia Lang. Der Schwur hielt.

Zwei, drei Minuten benötige der HCL, um vor 2.081 Zuschauern richtig im Spiel anzukommen. Angetrieben von Geburtstagskind Karolina Kudlacz (30 Jahre), war das anfängliche 0:2 schnell in eine 3:2-Führung (6.) verwandelt. Bis Mitte der ersten Halbzeit konnten die Gäste den Anschluss halten, auch wenn sie zu keinem Zeitpunkt der Partie mehr in Führung zu gehen vermochten.

Doch mit dem Oldenburger Anschlusstreffer zum 7:6 (16.) begann die stärkste Phase des HC Leipzig. Zehn ganze Minuten lang ließen sich Torfrau Katja Schülke und ihre Defensivabteilung nicht mehr überlisten. Angriff um Angriff nahm der HCL den Oldenburgern ab und schenkte im Gegenzug ordentlich ein. Sechs Tore am Stück erhöhten die Führung auf 13:6 (23.).

Es lief sportlich also erfreulich für die Gastgeberinnen. Zusätzlichen Grund zur Freude hatte nun auch Saskia Lang, die nach ihrer, bei der Europameisterschaft erlittenen, Verletzung endlich wieder aktiv ins Geschehen eingreifen durfte. Mit dem Treffer zum 14:7 (26.) meldete sie sich offiziell zurück. „Mir ist ein großer Stein vom Herzen gefallen, dass es endlich wieder losgeht“, gab die 28-Jährige hinterher zu Protokoll.

Als beim Stand von 15:10 die Seiten gewechselt wurden, waren die Fans in der Arena gespannt, wie sich der HCL diesmal in Hälfte zwei aus der Affäre ziehen würde. Die Antwort lautete: souverän. Herztropfen und Baldrian-Tee blieben unberührt, Leipzig hatte den Gegner im Griff. Zehn Minuten nach Wiederbeginn markierte Helena Hertlein mit ihrem 24:14 die erstmalige Zehn-Tore-Führung der Partie.

Anne Hubinger hat das Tor fest im Blick. Foto: Jan Kaefer

Anne Hubinger hat das Tor fest im Blick. Foto: Jan Kaefer

Kein Zittern, kein Einbrechen. Der HCL hielt das Level hoch und Oldenburg auf sicherer Distanz. Und weil es so schön war, durfte eine weitere Langzeitverletzte endlich wieder durch die Arena wirbeln. Kaya Diehl schritt in der 50. Minute direkt von der Bank zum Siebenmeterpunkt und klinkte die Kugel cool zum 29:18 ins Netz. „Ich glaube, ich kann mit solchen Situationen ganz gut umgehen. Deswegen habe ich da auch nicht lange überlegt“, ließ sie diesen Moment im L-IZ-Interview Revue passieren.

„Ich habe mich gefreut, hier wieder auflaufen zu dürfen. Die blöde Zeit der Verletzung ist endlich vorbei, ich habe hart trainiert und viel dafür gearbeitet“, zeigte sich auch die 22-jährige Rechtsaußen erleichtert über ihre Rückkehr ins Team. Eine Erklärung dafür, warum es an diesem Nachmittag so gut lief für ihren HCL hatte sie ebenfalls parat: „Wir hatten eine Menge Wut im Bauch, hatten etwas gutzumachen. Und wenn wir hier mit neun Toren Unterschied rausgehen zeigt das, was eigentlich in uns steckt.“

Sahnehäubchen des Tages war zudem die Nachricht, dass Tabellenführer Thüringer HC in Buxtehude die erste Saisonniederlage einstecken musste. Geht da nach oben noch etwas für den HC Leipzig? „Na klar!“, ist Saskia Lang überzeugt. „Wir wollen natürlich oben angreifen, denn es gibt immer noch eine Chance. Thüringen ist zwar jetzt ganz oben, aber wir haben oft genug bewiesen, dass die nicht unschlagbar sind und haben sie am Mittwoch auch ziemlich ins Zittern gebracht.“

Ins Zittern sollte der HCL am Sonntag in Koblenz tunlichst nicht kommen. Gegen den Tabellen-Vorletzten ist ein Sieg absolute Pflicht. Die Partie in der Stadt, wo Mosel und Rhein zusammentreffen, beginnt um 19:30 Uhr.

Endlich wieder dabei (Teil 2)! Kaya Diehl (li.) freut sich mit Helena Hertlein über den klaren Erfolg. Foto: Jan Kaefer

Endlich wieder dabei (Teil 2)! Kaya Diehl (li.) freut sich mit Helena Hertlein über den klaren Erfolg. Foto: Jan Kaefer

Die Statistik zum Spiel

HC Leipzig vs. VfL Oldenburg 35:26 (15:10)
1. Bundesliga, 11. Spieltag

HC Leipzig: Schülke, Roth – Mazzucco (3), A.Müller (8), Hertlein (1), Schulze (7/2), Kudlacz (8/2), Hubinger (1), Lang (3), Diehl (2/1), Reimer (2), Ioneac, Urbicht. Trainer: Norman Rentsch.
VfL Oldenburg: Wester, Renner – Schnack (2), A.Meyer (2), Deters (1), Birke (2), C.Müller (4/1), Wenzl (3), Salberg (1), Behrend, Geschke (9/3), Hartstock (2). Trainer: Leszek, Krowicki.

Schiedsrichter: Frederic Linker/ Sascha Schmidt. Zwei-Minuten-Strafen: HCL 3x (Mazzucco, Hertlein, Lang), Oldenburg 2x (Schnack, Wenzl). Siebenmeter: HCL 5/5 (Schulze 2/2, Kudlacz 2/2, Diehl 1/1), Oldenburg 4/4 (Geschke 3/3, C.Müller 1/1). Zuschauer: 2.081 in der Arena Leipzig.

HCL
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