Deutschland vs. Niederlande 5:6 n.P. – Nach emotionaler Aufholjagd im Halbfinale gescheitert

Der Titelverteidiger ist aus dem Rennen. In einem Nerven aufreibenden Halbfinale mussten sich die deutschen Hockey-Männer nach Penalty-Schießen den Niederländern geschlagen geben. Schnell lagen die Deutschen nach neun Minuten mit 0:3 zurück. Eine verpasste erste Halbzeit, die den Bundestrainer ärgerte. In der zweiten Halbzeit folgte eine fulminante Aufholjagd zum 4:4. Die Arena Leipzig erbebte unterm Torjubel der begeisterten Fans, und beim Ausgleich, 36 Sekunden vor Spielende, brachen alle Dämme.
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Timm Herzbruch (#14, D) zieht an Nicki Leijs (#11, NED) vorbei. Foto: Jan Kaefer

Timm Herzbruch (#14, D) zieht an Nicki Leijs (#11, NED) vorbei. Foto: Jan Kaefer

Ein Meer von Fahnen wogte auf den Rängen, dazu gesellten sich spitze Schreie, die auf zahlreiche weibliche Zuschauer schließen ließen. Schon zuvor setzte der Jubel zweimal zu früh ein. Eine vom Publikum erwartete Strafecke, die schon wie ein Treffer gefeiert wurde, gaben die Schiedsrichter nicht. Wenig später schlug der Ball knapp neben dem holländischen Kasten ins Fangnetz ein, wieder brandete Jubel auf. Berechtigt war dieser dann bei den Toren von Thilo Stralkowski, Alessio Ress und Alexander Otte.

Es folgte der Nervenkrieg Penalty-Schießen, während die Herren aus Österreich und dem Iran ungeduldig auf ihren Halbfinal-Einsatz warteten. Die Niederländer begannen. Sechs Sekunden hat in der Halle jeder Schütze Zeit, um vom äußeren Kreis aus auf den Torwart zuzulaufen und – im besten Falle – zu treffen. Für die Niederländer gelang dies Robert Tigges und Robbert van de Peppel, bei den Deutschen vergaben Moritz Fürste und Fabian Pehlke.

Alexander Otte (#9, D) war zweimal für Deutschland erfolgreich. Hier kann er von Teun Rohof (#12, NED) nicht am Schuss gehindert werden. Foto: Jan Kaefer

Alexander Otte (#9, D) war zweimal für Deutschland erfolgreich. Hier kann er von Teun Rohof (#12, NED) nicht am Schuss gehindert werden. Foto: Jan Kaefer

Dessen Kommilitonen von der Mannheim Business School hatten ihn mit eigens bemalten T-Shirts unterstützt. Sie hätten ihn lieber im Finale angefeuert als im Spiel um Platz 3, doch Bundestrainer Stefan Kermas machte nach der Partie das Beste aus der kurzen Niedergeschlagenheit: „Unser Passspiel in der ersten Halbzeit war erschreckend. Ich bin stolz auf die Aufholjagd. Insgesamt hat Holland verdient gewonnen. Jetzt sind wir uns und dem Publikum morgen einen Sieg schuldig. Eine Medaille würde uns versöhnen.“

Der starke Torwart der Niederländer, sagte gegenüber  L-IZ.de: „Wir haben individuell starke Spieler und haben eine Reise hinter uns, seit der Niederlage bei der letzten WM gegen Deutschland. Vier Jahre lang haben wir uns vorbereitet.“ so Laurens Goedegebuure zur Leistung seiner Mannschaft.

Thilo Stralkowksi (#26, D) findet die Lücke zwischen zwei Niederländern. Foto: Jan Kaefer

Thilo Stralkowksi (#26, D) findet die Lücke zwischen zwei Niederländern. Foto: Jan Kaefer

Auch für die Gegner hatte er ein paar warme Worte übrig: „Deutschland ist und bleibt eine der stärksten Mannschaften. Wir haben heute stark  verteidigt, trotzdem sind sie noch einmal zurück gekommen. Letztlich war es dann eine Lotterie. Aus der Videoanalyse wusste ich dann, was die Schützen versuchen würden.“

Somit spielen die deutschen Herren am Sonntag um 11:30 Uhr gegen den Iran um Platz 3. Danach können sie sich in Ruhe das Frauen-Finale ihrer deutschen Kolleginnen gegen die Niederländerinnen anschauen. Nach einem souveränen 7:0 gegen Österreich und einer hochkonzentrierten Leistung, sind die Chancen auf den erneuten Titelgewinn gegeben. Doch auch in der weiblichen Konkurrenz sind die Nachbarn aus den Niederlanden ein Mitfavoriten auf den Pokal.

In der zweiten Halbzeit kehrte die Leidenschaft ins deutsche Spiel zurück, wie hier Alessio Ress (#7, D) unter Beweis stellte. Foto: Jan Kaefer

In der zweiten Halbzeit kehrte die Leidenschaft ins deutsche Spiel zurück, wie hier Alessio Ress (#7, D) unter Beweis stellte. Foto: Jan Kaefer

Die deutsche Kapitänin Katharina Otte setzt im Endspiel auch auf die Unterstützung von den Tribünen: „Die Stimmung in der Halle ist überragend, so etwas hat noch Keine von uns erlebt. Es macht richtig Spaß und ist auf jeden Fall leistungsfördernd. Gegen Österreich wussten wir schon, dass wir die bessere Mannschaft sind, aber wir mussten auch von Anfang an zeigen, wer Chef auf dem Feld ist.“ Dazu sei das konsequente Pressing bis an den gegnerischen Schusskreis wichtig gewesen.

Mit der Finalteilnahme hat der Deutsche Hockey Bund also eine Medaille sicher – und vielleicht kommt ja durch die Männer noch eine Bronze-Plakette hinzu. Ab 13 Uhr steigt das Finale der Frauen sicher wieder vor euphorischer Kulisse, denn die Arena ist für den Sonntag schon längst ausverkauft.

Alle Informationen, Statistiken und Berichte zur WM gibt es unter: www.hockeywm2015.de

Auch Kapitän Tobias Hauke (#13, D) übernahm beim Penalty-Schießen die Verantwortung. Foto: Jan Kaefer

Auch Kapitän Tobias Hauke (#13, D) übernahm beim Penalty-Schießen die Verantwortung. Foto: Jan Kaefer

Riesige Freude über den Einzug ins Finale bei Kapitän Robert Tigges (#10, NED) und seinen Niederländern. Foto: Jan Kaefer

Riesige Freude über den Einzug ins Finale bei Kapitän Robert Tigges (#10, NED) und seinen Niederländern. Foto: Jan Kaefer

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