Die Gluthitze verbrennt viele Veranstaltungsideen. LZ zählt auf, was abgesagt wurde. In Machern widersetzt sich der Hockey-Club der Hitze und ausbleibenden Fördermitteln: Spatenstich für die neue Hockeyhalle! Neu ist auch die Karlbrücke, die nach 3-jähriger Bauzeit ihre Vorgängerin ersetzt. Einen kalten Schauer mit ernstem Hintergrund gibts in der einstigen Hinrichtungsstätte der DDR, die nur selten besichtigt werden kann.
Brücke auf der Industriestraße endlich fertig
Es ist geschafft. Nach mehr als dreijähriger Bauzeit wird heute die Karlbrücke wiedereröffnet. Sie führt über die Weiße Elster und verbindet als Teil der Industriestraße die Stadtteile Plagwitz und Schleußig. Der Ersatzneubau machte eine Vollsperrung erforderlich und war wegen des schlechten baulichen Zustandes der rund 34 Meter langen und 11 Meter breiten Querung nötig geworden.
Nach Einschätzung der Planer war eine Instandsetzung wegen der erheblichen Schäden und des starken Materialverschleißes wirtschaftlich nicht vertretbar. Hinzu kam, dass das bestehende dreifeldrige Ziegelgewölbe mit zwei Zwischenstützen und tiefen Gewölben im Überflutungsbereich den Anforderungen an einen wirksamen Hochwasserabfluss nicht mehr genügte. Deshalb entstand ein pfeilerloser Ersatzneubau in Form eines zweiteiligen Stahlbogens mit Beton-Fahrbahnplatte, sodass die Weiße Elster künftig ungehindert unter der Brücke hindurchfließen kann.
Während der Bauarbeiten blieb die Industriestraße für den Durchgangsverkehr gesperrt. Für Fußgänger und Radfahrer blieb die Querung während der gesamten Bauzeit Dank einer Behelfsbrücke möglich. Auch der öffentliche Nahverkehr war von den Bauarbeiten betroffen.

Hitze zwingt Veranstaltungen in die Knie
Die extreme Hitzewelle wirkt sich heute und am Wochenende auf zahlreiche Veranstaltungen in Leipzig und der Region aus. Bereits heute wird das ursprünglich im Lene-Voigt-Park geplante „Picknick gegen Einsamkeit“ in das Grüne Quartier (Heinrichstraße 9) verlegt und von 15 bis 16 Uhr als „Eis gegen Einsamkeit“ angeboten. Für Samstag gibt es zahlreiche Absagen oder Änderungen.
So entfällt das Gohliser Sommerfest und soll nach Angaben des Bürgervereins Gohlis in den Spätsommer verschoben werden. Ebenfalls abgesagt wurden das Abtnaundorfer Parkfest, der „Lauf & Schenke“-Benefizlauf im Clara-Zetkin-Park, die Festumzüge der Liebertwolkwitzer und Schkeuditzer Stadtfeste, das Oldtimer-Treffen in Grimma sowie das Sommerfest des Kleingartenvereins „Gesundheitspflege“. In die Liste der Absagen hat sich aktuell der für Sonnabend in Torgau geplante Christopher Street Day (CSD) eingereiht.
Auch die Jüdische Woche Leipzig ist von den Wetterprognosen betroffen. Das für Samstag an der Gedenkstätte am Ort der Großen Gemeindesynagoge (Gottschedstraße) geplante Konzert fällt aus, die Abschlussveranstaltung am Sonntag wird in das klimatisierte Museum der bildenden Künste verlegt.
Auswirkungen hat die Hitze auch auf den Sport. Der Leipziger Cup im Nachwuchsfußball wurde abgesagt. Ebenfalls wird zwischen dem 1. FC Lokomotive und dem VfB Zwenkau (geplantes Testspiel) kein Ball rollen, Termin einvernehmlich gestrichen. Darüber hinaus hat der Sächsische Fußball-Verband sämtliche Meisterschafts- und Pflichtspiele auf Landesebene im Junioren- und Juniorinnenbereich sowie den Landestalentetag für das Wochenende gestrichen.
Ebenfalls abgesagt wurde das für Samstag und Sonntag geplante 25. Dieter-Lehmann-Turnier in Bennewitz. Über einen Nachholtermin will der Verein später informieren. Für Sonntag wurden zudem das Windhunderennen in Borsdorf verschoben und das Kinderfest in Markranstädt auf September verlegt.
Das Sommerkonzert im Hof der Lützschenaer Auwaldstation am Sonntag hätte vielleicht sogar der kühlen Lage wegen stattfinden können. Aber nein – auch diese Veranstaltung muss ausfallen. Nicht der Hitze wegen, sondern weil der Eichenprozessionsspinner ein Verweilen auf dem Areal derzeit unmöglich macht.
Bahn rät vom Reisen ab
Angesichts der anhaltenden Hitzewelle warnt die Deutsche Bahn vor erheblichen Einschränkungen im Zugverkehr und empfiehlt Reisenden, auf nicht zwingend notwendige Fahrten zu verzichten. Erstmals reagiert der Konzern mit einer speziellen Hitze-Sonderkulanz: Fahrgäste, die ihr Ticket bis zum 23. Juni für eine Reise bis spätestens 30. Juni gebucht haben, können ihre Fahrt kostenfrei stornieren und erhalten den Ticketpreis erstattet. Die Deutsche Bahn rät allen Kundinnen und Kunden, die ihre Reise entbehrlich machen können, von dieser Regelung Gebrauch zu machen.
Anders als bei bisherigen Kulanzangeboten besteht jedoch keine Möglichkeit, das Ticket zu einem späteren Zeitpunkt zu nutzen. Wer die Reise verschieben möchte, muss zunächst sein Ticket stornieren und anschließend eine neue Fahrkarte erwerben. Alle wichtigen Informationen zur Hitze-Aktion der Bahn gibt es hier online: https://www.bahn.de/service/fahrplaene/aktuell
Machern trotzt Geiz (und Hitze)
Die sind wirklich heiß auf ihre neue Hockeyhalle! Auf Nachfrage bestätigte der Tresenwalder Hockeyclub e.V. die Beibehaltung des Termins zum feierlichen ersten Spatenstich am Sonntag um 15 Uhr im Sportpark (Gartenallee 8). Die Fertigstellung der Halle mit internationalen Turniermaßen ist für Oktober 2026 vorgesehen.
Nachdem der Freistaat Sachsen eine Förderung abgelehnt hatte, finanziert der Verein aus Machern den rund eine Million Euro teuren Neubau vollständig aus Eigenmitteln und internen Darlehen. Mit der neuen Halle sollen sich die Trainingsbedingungen für die Spielerinnen und Spieler des THC deutlich verbessern und die kontinuierliche Entwicklung des Leistungssports am Standort Machern langfristig gesichert werden.
Ebenfalls am Sonntag, bereits um 14 Uhr, bestreitet die 1. Herrenmannschaft des THC ihr letztes Punktspiel gegen den Leipziger SC. Nach Angaben des Vereins könnte das Team im Anschluss mit hoher Wahrscheinlichkeit den Aufstieg in die Regionalliga feiern. Zu beiden Veranstaltungen sind interessierte Besucher eingeladen.
Einstige Hinrichtungsstätte kann besichtigt werden
Es ist einer der dunkelsten Orte der DDR-Justizgeschichte und bleibt die meiste Zeit des Jahres hinter verschlossenen Türen verborgen: Heute jedoch kann die ehemalige zentrale Hinrichtungsstätte der DDR in der Leipziger Alfred-Kästner-Straße von 16 bis 20 Uhr im Rahmen von fachkundlichen Führungen besichtigt werden. Besucher können die original erhaltenen Räume betreten, in denen zwischen 1960 und 1981 nach bisherigen Erkenntnissen 64 Todesurteile vollstreckt wurden. Anlass für die Öffnung ist der 45. Jahrestag der letzten bekannten Hinrichtung in der DDR. Am 26. Juni 1981 endete an diesem Ort die jahrhundertelange Geschichte der Todesstrafe auf deutschem Boden.
Um 10.10 Uhr wurde der ehemalige Stasi-Offizier Dr. Werner Teske durch einen sogenannten „unerwarteten Nahschuss in das Hinterhaupt“ hingerichtet. Erst sechs Jahre später, im Dezember 1987, strich die DDR die Todesstrafe aus ihrem Strafgesetzbuch. Teske galt zunächst als Musterfunktionär der DDR. Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler arbeitete für den Auslandsgeheimdienst der Staatssicherheit. Doch persönliche Krisen, Alkoholprobleme und die Unzufriedenheit mit seiner beruflichen Entwicklung brachten ihn ins Wanken. Er spielte mit dem Gedanken, in den Westen zu fliehen, setzte diesen Plan jedoch nie um. Zwar entwendete er geheime Unterlagen, nahm jedoch keinen Kontakt zu westlichen Geheimdiensten auf. Dennoch verurteilte ihn ein Geheimprozess des Obersten Gerichts der DDR wegen Spionage und vorbereiteter Fahnenflucht zum Tode.
Historiker werten das Verfahren heute als politischen Justizmord. Nach seiner Rehabilitierung im Jahr 1993 wurden auch die Verantwortlichen strafrechtlich belangt. Das Berliner Landgericht verurteilte 1998 den Vorsitzenden Militärrichter des 1. Militärstrafsenats des Obersten Gerichts der DDR, Karl-Heinz Knoche, wegen Totschlags und Rechtsbeugung zu vier Jahren Freiheitsstrafe. Der damalige Militäroberstaatsanwalt Heinz Kadgien erhielt wegen Beihilfe zum Totschlag und Rechtsbeugung ebenfalls vier Jahre Freiheitsstrafe. Das Gericht stellte fest, dass die Todesstrafe selbst nach dem damaligen DDR-Recht nicht zulässig gewesen sei.
Da Teske seine Flucht- und Verratspläne nie verwirklichte, wäre allenfalls nach damaliger Rechtsprechung eine Freiheitsstrafe von bis zu zwölf Jahren angemessen gewesen. Die Richter werteten das Todesurteil als ein „willkürliches Töten unter dem Deckmantel eines justizförmigen Verfahrens“. Das Bürgerkomitee Leipzig setzt sich seit Jahren dafür ein, die ehemalige Hinrichtungsstätte dauerhaft als Justizgeschichtlichen Erinnerungsort mit einer Ausstellung zur Todesstrafe in der DDR zu erhalten.
Eine Anmeldung zu den nacheinander stattfindenden Führungen ist nicht notwendig. Der Eintritt versteht sich als Beitrag zurt Erhaltung der Gedenkstätte und beträgt 7,50 EURO, ermäßigt 6 Euro.
Empfohlen auf LZ
So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:














Keine Kommentare bisher