Hunderte Menschen setzten am Donnerstagabend ein klares Zeichen für den Leipziger Sport. Unter dem Motto „Hoch sollst du weiter leben!“, bekundeten sie im Stadtteil Schleußig ihre Solidarität mit dem Leipziger Sport-Club 1901 (LSC). Initiiert durch Beschwerden eines Anwohners war der Traditionsverein vom Bauordnungsamt mit strengen Auflagen sanktioniert worden, die den Trainings- und Spielbetrieb in Schieflage bringen.
Als der Demonstrationszug in einer nicht enden wollenden Menschenschlange auf das Sportgelände des LSC 1901 an der Pistorisstraße einrückte, staunten einige Sportfreunde nicht schlecht: „Wow, das ist ja der Hammer!“ oder einfach „Wahnsinn!“, entfuhr es ihnen anerkennend. Mehrere hundert, wenn nicht sogar um die 1.000 Teilnehmende waren gemeinsam am Netto-Parkplatz gestartet und die Straße in Richtung Vereinsgelände entlangmarschiert.
Auf den zahlreichen mitgeführten Schildern war unter anderem zu lesen: „Sport frei statt Meckerei“,„Tore schießen geht nicht leise!“ oder „Mach Sport, nicht Stress!“. Auffällig war, dass der LSC dabei auf eine breite Unterstützung durch andere Sportvereine der Stadt und sogar des Umlandes zählen konnte, beispielsweise aus Leutzsch, Probstheida, Eutritzsch, Gohlis, Mölkau oder sogar Machern.

„Unsere Kinder sind durch das Hockeyspielen ganz oft beim LSC zu Gast, sei es zum Training oder bei Punktspielen“, erklärt Mireen vom dortigen Tresenwalder Hockeyclub. „Für Jugendmannschaften wird hier auch jedes Jahr die Lipsiade durchgeführt, das ist für uns immer ein wichtiges Event. Deshalb war es uns auch wichtig, aus Machern hierher zu kommen und den LSC zu unterstützen.“
Unter den Demonstrierenden war auch Grünen-Stadträtin Kristina Weyh anzutreffen. „Wir schätzen die jahrelange und erfolgreiche Arbeit im Jugendbereich des LSC“, sagte die Fraktionsvorsitzende gegenüber der LZ. „Dieser Traditionsverein hat hier am Ort in seiner Geschichte bisher noch niemanden gestört. Daher wäre es schön, wenn das Gemeinwohl über Einzelinteressen stehen kann und wir hier im Einvernehmen Lösungen fänden.“

Als Stadtverwaltung müsse nun nach Möglichkeiten gesucht werden, um einerseits in diesem Konflikt zu moderieren und andererseits auszuloten, „welche Möglichkeiten es gibt, die Vorschriften für den Verein auszulegen und endlich auch in Kooperationsgespräche zu gehen zwischen Verein und den Beschwerdeträgern“. Zudem bedürfe die Gesetzgebung in Sachen Lärmbelästigung – um die es im vorliegenden Fall ja geht – einer Überarbeitung. Dieses Spiel muss allerdings auf Bundesebene ausgetragen werden.
„Vielleicht ist es auch ein gesamtgesellschaftliches Problem“, vermutet LSC-Vorstandsmitglied Matthias Sieber. „Die Gesetzeslage gibt Rahmenbedingungen vor, die aber nicht immer zugunsten der Sportvereine sind. Das betrifft ja nicht nur unseren Verein, sondern es gibt viele Vereine in Leipzig, die sicherlich ähnliche Probleme haben. Da muss man vielleicht für die Zukunft umdenken“.

Die aktuellen Lärmschutzregelungen untersagen es dem Verein beispielsweise, nach 20 Uhr im Freien zu trainieren. Das sorgt bei den Fußball- und Hockeyteams des LSC nun für Engpässe, da bisher bis gegen 22 Uhr trainiert wurde und die Plätze bereits voll ausgelastet sind. Um diese Problem zu lösen, wurden inzwischen beim Amt die entsprechenden Genehmigungen beantragt. „Von der Stadt wird es jetzt hoffentlich einige Bescheide geben, damit wir unseren Trainingsbetrieb, so wie vorher wieder betreiben dürfen“, so Sieber. „Wir hoffen, dass das jetzt zeitnah glattgezogen wird.“

Dennoch sieht der LSC-Funktionär seinen Verein weiterhin mit Einschränkungen konfrontiert. „Wir sind ehrenamtlich tätig und können in dieser öffentlichen Anlage nicht alles kontrollieren, was hier passiert. Wenn sich also Bürger hier auf dem Gelände aufhalten und zum Beispiel Musik spielen, können wir das gar nicht händeln. Da müssten wir Ordnungsdienste einteilen, und das ist für einen Verein nicht zumutbar.“
Dass sich in dieser für den Verein belämmerten Situation gestern Abend so viele Menschen unterstützend auf den Weg gemacht haben, hat auch Matthias Sieber beeindruckt. „Wir sind überwältigt!“, gesteht der Vorstand. „Die Demonstration war heute nochmal ein Statement der Anwohner und der Sportler, dass das Gemeinwohl über Einzelinteressen stehen sollte. Der LSC setzt damit ein Zeichen auch über den Verein hinaus.“ Das sollte auf jeden Fall gelungen sein.
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