Mehr als 2.000 Menschen waren am Samstag dem Aufruf des neuen Bündnisses #unkürzbar Leipzig zu einer Demonstration gefolgt. Sie machten sich stark gegen Kürzungen und Sozialabbau. Die Kollision mit einer Straßenbahn verletzte am Roßplatz eine Fußgängerin schwer. Und: Enttäuschte Gesichter bei den RB-Fußballerinnen und den SC DHfK-Handballern nach vermeidbaren Punktverlusten. Die LZ fasst zusammen, was am Wochenende, 28./29. März 2026, in Leipzig, Sachsen und darüber hinaus wichtig war.

„Unkürzbar“-Demo gegen Attacken auf den Sozialstaat

Das neu gegründete Bündnis #unkürzbar Leipzig hatte für den Samstag in der Innenstadt zu einer ersten Demonstration aufgerufen. Initiiert worden war der neue Zusammenschluss vom DGB Leipzig-Nordsachsen, dem Aktionsnetzwerks „Leipzig nimmt Platz“, dem Projektbüro linXXnet und der Partei Die Linke Leipzig sowie Bündnis 90/ Die Grünen Kreisverband Leipzig. Das Bündnis will sich für soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz stark machen und gegen Kürzungen, Sozialabbau und Hass eintreten.

Nach eigenen Angaben haben sich über 2.000 Menschen an der samstäglichen Demo beteiligt. Diese hatte zunächst mit einer Kundgebung auf dem Augustusplatz begonnen und setzte sich als Demonstrationszug durch die City und über den Goerdelerring fort. Die Organisatoren zeigten sich von der hohen Beteiligung in ihrem Ansinnen bestätigt.

„Unsere erste Unkürzbar-Demo war ein voller Erfolg“, freute sich Petra Sejdi vom Kreisverband der Grünen. „Trotz Kälte waren bis zu 2.500 Menschen auf der Straße für eine soziale und gerechte Gesellschaft und gegen soziale Kürzungen. Unser breites Bündnis hat gezeigt: wir sind UNKÜRZBAR und wir halten zusammen gegen die unsoziale Politik der Bundesregierung.“

„Diese Demonstration zeigt, dass es vielen Menschen nicht egal ist, wenn die Kürzungsaxt an den Sozialstaat, die Kultur und den Klimaschutz gelegt wird, wenn Beschäftigtenrechte zur Disposition gestellt werden“, erklärte auch Irena Rudolph-Kokot vom Aktionsnetzwerk Leipzig nimmt Platz. „In den Reden wurde klar benannt, dass die geplanten Maßnahmen den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft und damit die Demokratie gefährden. Wir haben außerdem, auch durch die musikalische Untermalung von Fiatelle und Flaiz, gezeigt, wie vielfältig unser Bündnis ist.“

Seniorin von Straßenbahn erfasst und verletzt

Durch eine Unaufmerksamkeit beim Überqueren der Straße, ist eine 71-jährige Rentnerin schwer verletzt worden. Wie die Polizeidirektion gestern mitteilte, hatte die Frau am Freitagnachmittag bei grüner Ampel zunächst die südliche Fahrbahn des Roßplatzes in Richtung Universitätsstraße bis zur Mittelinsel überquert. Dann aber geschah das Unglück: Die Fußgängerin setzte ihren Weg über die Straße fort, obwohl die Ampel bereits auf Rot gesprungen war.

Dadurch kam es zum Zusammenstoß mit einer einfahrenden Straßenbahn der Linie 9. Bei dieser Kollision zog sich die Seniorin schwere Verletzungen zu und musste stationär in ein Krankenhaus gebracht werden. In der Straßenbahn selbst kam niemand zu Schaden. Nun ermittelt der Verkehrsunfalldienst.

Unfall am Roßplatz am 27. März. 2026. Foto: Tilly Domian
Unfall am Roßplatz am 27. März. 2026. Foto: Tilly Domian

RB-Frauen ernten in Jena nur einen Punkt

So wirklich happy war am Ende keines der beiden Teams. Das magere 1:1 (0:1) am Freitagabend im Jenaer Ernst-Abbe-Sportfeld brachte weder die Zeiss-Frauen noch die Rasenballerinnen entscheiden voran. In der Bundesliga-Tabelle kleben die Thüringerinnen weiterhin auf dem letzten Platz fest, während der Fahrstuhl für RBL in Richtung oberes Mittelfeld trotz inzwischen sieben Spielen ohne Niederlage noch nicht so richtig Tempo aufnehmen will.

Dabei sah es für die Gäste vom Cottaweg vielversprechend aus. Unterstützt von – nach eigenen Angaben – 611 Auswärtsfans, übernahm das Team von Trainer Jonas Stephan direkt die Initiative. Auf einen Pfostentreffer von Marleen Schimmer (17. Minute) folgte wenig später die 0:1-Führung durch Lisa Baum (22.). Die 19-Jährige hatte auf der rechten Angriffsseite zwei Jenaerinnen ausgetanzt und von der Strafraumgrenze aus ins kurze Eck getroffen.

In der zweiten Hälfte hatte zunächst Emilia Kiaer Asgeirsdottir den zweiten RBL-Treffer auf dem Fuß (62.), doch Jenas Torfrau Jasmin Janning klärte mit einem starken Reflex. Kurz darauf gerieten die Gastgeberinnen sogar in Unterzahl. Felicia Sträßer hatte sich innerhalb von nur vier Minuten zwei Verwarnungen eingefangen und musste folgerichtig mit Gelb-Rot vom Platz. Ein Sieg der RB-Frauen schien nun reine Formsache. Doch denkste!

Aus einer scheinbar ungefährlichen Freistoßsituation erzielt der FC Carl Zeiss plötzlich den 1:1-Ausgleich (81.). Aus etwa 35 Metern Entfernung hatte sich Isabella Jaron für eine direkte Ausführung entschieden und RB-Torfrau Elvira Herzog völlig auf dem falschen Fuß erwischt. Trotz achtminütiger Nachspielzeit und einigen verheißungsvollen Aktionen, fand das Team aus Leipzig keine zählbare Antwort mehr.

Immerhin: Eine Sorge ist den RBL-Frauen durch ihr Remis in Jena sowie die heutige Niederlage des Tabellenvorletzten SGS Essen in Bremen zumindest genommen: Vier Spieltage vor dem Saisonende ist der Klassenerhalt bereits in trockene Tücher gebracht.

SC DHfK-Handballer verspielen Führung gegen Eisenach

Auch am Sonntagnachmittag wurden die Punkte geteilt. Diesmal allerdings beim Handball. Der Ostklassiker SC DHfK Leipzig gegen den ThSV Eisenach endete nach einem intensiven Spiel 29:29-Unentschieden. 6.000 Handballfans, davon viele aus Thüringen, bildeten die lautstarke Kulisse zum Duell der traditionell „ziemlich besten Feinde“. Die Gäste waren es auch, die nach der Schlusssirene am heftigsten jubelten. Denn eigentlich hatte bereits alles nach einem Leipziger Sieg ausgesehen.

Lediglich einmal – in der Anfangsphase des Spiels – lagen die Gastgeber für wenige Sekunden in Rückstand. Ansonsten hatten die Grün-Weißen in einer engen Partie die Nase meist ein kleines Stück vorn, führten zur Halbzeit mit 15:13. Im zweiten Durchgang zogen sie sogar auf vier Tore davon (18:14), wurden von den kampfstarken Eisenachern dennoch wieder einkassiert (22:22). Als das Bundesliga-Spiel auf die Zielgerade einbog, hatten sich die Männer von Coach Frank Carstens knapp dreieinhalb Minuten vor Ultimo dennoch wieder einen optimistischen 29:26-Vorsprung erarbeitet.

Doch dann wollte ihnen einfach kein Tor mehr gelingen. Folgerichtig knabberte der ThSV ein um den anderen Treffer vom Rückstand ab und nahm schließlich beim 29:29 doch noch einen Punkt aus der Leipziger Arena mit. Für den SC DHfK, der im harten Kampf um den Klassenerhalt einen Sieg dringend gebraucht hätte, bleibt zumindest der Trost, den letzten Tabellenplatz an Wetzlar abgegeben zu haben. Doch zum rettenden Ufer fehlen aktuell noch zwei Punkte. Beste Nachricht des Tages war für die Leipziger die Vertragsverlängerung von Nationalspieler Franz Semper, der ligenunabhängig bis zum Jahr 2030 unterschrieb.

Worüber die LZ am Wochenende berichtet hat:

Die Einsatzakte Straßenbahn

Ich wäre dann Oberbürgermeisterin für alle 632.000 Leipzigerinnen und Leipziger: Interview mit Skadi Jennicke

Der Stadtrat tagte: Oberbürgermeister Jung soll sich beim Freistaat für „Spätis“ einsetzen

Der Stadtrat tagte: Die Liniennummer 89 bleibt auch 2027 im LVB-Netz erhalten

Der Stadtrat tagte: Wie auch der Leipziger Bürgerhaushalt Opfer der katastrophalen Finanzsituation wurde

Kommentar: Huxleys Nachricht aus einer Welt in der es diese „grünen Ideologien“ noch nicht gab

Schreibwettbewerb zum Thema „Pressefreiheit“: Sieger gekürt, die LZ veröffentlicht die besten Geschichten

22 Touren in Leipzig, die man gemacht haben muss: Mit Prisca Lachmann auf 22 besonderen Wegen

Aufgewacht: Ein Leben als junger schwuler Mann im Leipzig der späten DDR-Zeit

Was am Wochenende außerdem wichtig war:

Bereits zum zweiten Mal ist am Samstag ein Buckelwal an der Ostseeküste gestrandet. Nachdem er zunächst auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand festhing und am Freitag befreit werden konnte, lief er bereits einen Tag später in der Wismarbucht erneut auf Grund. Ansteigendes Wasser ermöglichte ihm hier ein Entkommen, doch bleibt die Sorge um mögliche weitere Strandungen sowie um seinen Gesundheitszustand.

In allen 50 Bundesstaaten der USA sind am „No Kings“-Aktionstag insgesamt mehrere Millionen Menschen auf die Straße gegangen. Sie demonstrierten gegen die autoritären Allmachtsfantasien von Präsident Donald Trump. Auf einer der größten Demos, in St. Paul (Minnesota), spielte Bruce Springsteen einen Protestsong.

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) warnt vor großen Arbeitsplatzverlusten durch Künstliche Intelligenz (KI). Er rief die Menschen dazu auf, sich zusammenzuraufen und die Zukunft neu zu gestalten, neue Lösungen zu finden, wie man von der KI profitieren könne. Denn aufhalten lasse sich die Entwicklung der KI nicht mehr. Um die Folgen der drohenden Jobverluste abfedern zu können, brachte Wildberger überraschend ein bedingungsloses Grundeinkommen ins Spiel.

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