Noch ist der Platz am Ende der Stuttgarter Allee in Leipzig Grünau, also vor oder hinter dem PEP-Center je nach Betrachtung, ziemlich grau und ohne Namen. Beides soll sich ab Juni ändern, so beschloss der Stadtrat Leipzig im September 2025 den Platz nach dem Architekten Horst Siegel zu benennen. Auch einiges an grau soll verschwinden, es wurde eine Bürgerbeteiligung gestartet um den Platz, pünktlich zum 50-jährigen Grünau-Jubiläum aufzuwerten.
Schaut man in dieses Internet, dann gibt es für diese Aktion zwei Aufrufe der Stadt Leipzig. Einer ruft auf zur temporären Umgestaltung des Platzes, über das Beteiligungsportal Sachsen, der andere zur Neugestaltung im Rahmen des Stadtplatzprogramms. Es ist aber anzunehmen, dass es nicht nur eine temporäre Lösung für das Jubiläum werden soll.
Das Amt für Stadtplanung hatte die Sache in die Hand genommen und zur Ideenfindung aufgerufen. Wir haben dazu mit Stefan Signer, dem zuständigen Mitarbeiter gesprochen. Herr Signer schilderte den mehrstufigen Prozess der Ideenfindung, von der Postkartenaktion über die online-Beteiligung bis hin zu den Workshops. Die Ideen-Workshops wurden in Gruppen durchgeführt, Seniorinnen und Senioren, Kinder und Jugendliche, Menschen mit Migrationshintergrund und offen alle Bürgerinnen und Bürger die in Grünau wohnen.

Am Abend des 24. März 2026 fand die finale Auswahlrunde für die Projekte statt. Am Ende sollten aus den etwa vierzig Vorschlägen vier ausgewählt werden, die gemeinsam mit den Grünauerinnen und Grünauern realisiert werden.
Es gibt selbstverständlich einen finanziellen Aspekt, für die Gestaltung stehen 6.500 € zur Verfügung. Auch Rahmenbedingungen sind festgelegt, eine lärmintensive Nutzung ist ausgeschlossen. Klassische Spielplatzgeräte dürfen nicht verwendet werden und die Rettungswege müssen freigehalten werden. Angebote die Begegnung fördern und Begrünung sind erwünscht und ganz wichtig: Das Ganze soll im „Selbstbau“ unter fachlicher Anleitung realisiert werden.
Finalrunde in der Völle
Es waren etwa 30 – 40 Grünauerinnen und Grünauer in der Völkerfreundschaft anwesend, die Altersmischung stimmte auch und nach erneuter Einstimmung und Erläuterung zum Wettbewerb und den Rahmenbedingungen wurden die Vorschläge der Workshops vorgestellt. Was auffiel war, dass es bei der Wahrnehmung des aktuellen Zustandes des Platzes viele Übereinstimmungen über die Gruppen hinweg gab. Auch bei den Vorschlägen waren einige dabei, die in den meisten Gruppen auftauchten, beispielsweise Sitzmöbel, Begrünung und Papierkörbe. Die Sitzmöbel, ob nun Bänke oder andere Lösungen, werden allerdings von den direkt anwohnenden Menschen kritisch gesehen, da diese weitere Lärmbelästigung befürchten.

Die vorgeschlagenen Lösungen waren teils allgemein formuliert, wie „Boulefeld“ oder „Sitzbänke“, zwei Gruppen stachen heraus. Es gab KI-generierte Vorschläge, wie die „Beschäftigungstafel“ aus der offenen Beteiligung und es gab die kreativen und liebevoll gebastelten Vorschläge aus der Gruppe der Kinder und Jugendlichen. Letztere nahmen einen ganzen Tisch im Raum ein und zeigten neben Pflanzenbank, Lümmelecke, popup-Café auch einen Zigarettenkippen-Automaten und eine Skulptur für den Brunnen, in Form eines Obelisken.

Wir haben zu den Vorschlägen der Kinder und Jugendlichen mit Laurine und Lorenz vom Projekt Future Spaces beim Heizhaus Leipzig gesprochen.
Die Diskussionen bei der Vorstellung der Projekte und der nachfolgenden Bewertung waren konstruktiv und durchaus kritisch. Obwohl viel Übereinstimmung bei den Bedürfnissen herrschte, waren durchaus konträre Ansätze bei der Durchführung zu hören. Wir fragten eine Grünauerin, die sich rege an der Diskussion beteiligte.

Sind Sie direkte Anwohnerin, oder nur oft auf dem Platz unterwegs?
Ich wohne im Umfeld, nicht direkt am Platz und auf dem Weg zur Straßenbahn beispielsweise ist diese Querung des Platzes mein Weg.
Was wären Ihre persönlich bevorzugten Ideen für die Gestaltung?
Meine Wünsche wären, dass der Platz Farbtupfer bekommen könnte oder müsste. Jetzt ist er wirklich ein bisschen grau und er hat sehr viele Bäume. Das ist super mit den Bäumen, deswegen bräuchte er nicht noch mehr Bäume, aber Blumen, die also diese Farbtupfer wären, das wäre etwas sehr Schönes.
Also Begrünung mit Blumen?
Ja, mit Blumen. Und da würde ich natürlich Blumen bevorzugen, die nicht so was Edles sind und die lange halten. Sagen wir zum Beispiel Studentenblumen, das sind nicht welche, die man ausbuddelt. Eine Rose wird vielleicht ausgebuddelt, muss man auch so sehen, aber die Studentenblumen sind dauerhaft am Blühen. Also so etwas würde ich mir wünschen und es gibt auch ein paar Bäume, drei Bäume, glaube ich, sind es direkt am Platz. Die haben so ein bisschen eine höhere Kante, mit der sie eingefasst sind. Dort könnte man also ohne weiteres Blumen reinpflanzen, dass es also ein bisschen freundlicher aussieht.
Vielen Dank.
Auch die Idee die Brunneneinfassung, auf der jetzt schon Menschen im Sommer sitzen, mit einer Holzverkleidung aufzuwerten fand Widerspruch. Das Holz würde ständig nass und der Beton reicht auch zu.
Was wird realisiert?
Am Ende einigten sich die Anwesenden auf vier Gestaltungsvorschläge, also Elemente aus den vier Gruppen.

Aus der Gruppe „offene Beteiligung“ war es die oben schon genannte Beschäftigungstafel für Kinder. Aus dem Ideen-Workshop der Seniorinnen und Senioren wird der Bouleplatz realisiert, eine weitere Begrünung war der Wunsch aller und die Sitzgelegenheiten mit Lehne am Brunnen oder anderswo waren ebenfalls Konsens.
Jetzt geht es also in die Realisierungsphase und es lagen auch schon Listen aus, in denen sich Menschen eintragen konnten, die beim „Selbstbau“ helfen wollen. Die Kinder und Jugendlichen vom „Future Space“ sind auf jeden Fall dabei.
Wir werden weiter berichten und auch am 1. Juni, zum 50-jährigen Jubiläum dabei sein.
Empfohlen auf LZ
So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:











Keine Kommentare bisher