Die Erde zu schützen, sollte jedermanns Anliegen sein. Daran erinnert heute der weltweite „Earth Day“. Die LZ stellt zwei Initiativen vor, die sich in Leipzig an dem Aktionstag beteiligen… Das Bundesverwaltungsgericht verhandelt einen Eilantrag des NABU zum Ausbau der Autobahn A143 und in Lindenau können Anlieger während einer Bürgersprechstunde Ideen zur Umgestaltung ihres Spielplatzes einbringen.
Wir woll’n doch nur spiel’n
Mitgeplant statt laut gelacht: In Leipzig-Altlindenau soll der Spielplatz an der Kreuzung Henricistraße und Demmeringstraße umfassend neugestaltet werden. Anlass ist der altersbedingte Zustand der Anlage, bei dem bereits mehrere Spielgeräte und Elemente zurückgebaut werden mussten.
Bevor jedoch etwas gebaut wird, worüber Eltern und Kinder zur Einweihung die Köpfe schütteln, sind sie heute im Rahmen einer offenen Planungsrunde eingeladen, das Areal zu besuchen, zu analysieren und eigene Vorstellungen in den Gestaltungsprozess einzubringen. Zwischen 15:30 und 17:30 Uhr gibt es eine Art Bürgersprechstunde, bei der die Möglichkeit besteht, mit den beteiligten Planerinnen ins Gespräch zu kommen. Unterstützt wird die Beteiligungsveranstaltung durch das Leipziger Kinder- und Jugendbüro des Kinderschutzbund Leipzig e.V. Im Fokus der künftigen Umgestaltung steht der große Spielbereich.
Dabei soll unter anderem geprüft werden, wie die bestehende Rutsche integriert werden kann. Bewährtes soll schließlich erhalten bleiben. Geplant ist außerdem, jahrhundertealte Klassiker wie Schaukeln wieder zu errichten und Sitzgelegenheiten zu schaffen. Das Streetballfeld bleibt erhalten. Der Spielplatz ist gut mit den Straßenbahnlinien 7, 8 und 15 erreichbar. Die Buslinien 74, 130 und 131 halten jeweils an der Haltestelle Lindenauer Markt in unmittelbarer Nähe.
Eine für alle
Es gibt sie nur ein einziges Mal. Und sie weist Besonderheiten auf: die Erde. Zum einen leben wir Menschen auf ihr, was aus unserer Sicht schon faszinierend und bewahrenswert sein sollte. Aber – das macht die Sache komplexer – wir sind auf ihr nicht allein. So sehr wir uns von anderen Wesen abzuheben meinen: Wir sind Teil eines Ganzen, und das Sterben und Scheitern anderer Arten betrifft uns immer selbst und direkt.
Daran zu erinnern, hat sich der internationale Earth Day zur Aufgabe gemacht. Dessen Wurzeln reichen bis ins Jahr 1969 zurück, als zunächst John McConnell einen „Tag der Erde“ zur Tagundnachtgleiche am 21. März vorschlug, um Frieden und den Schutz des Planeten zu fördern. Unabhängig davon rief der US-Senator Gaylord Nelson 1970 einen Umwelttag am 22. April ins Leben, der insbesondere in den USA große Resonanz fand. Dieses Datum setzte sich international durch, sodass der Earth Day heute jedes Jahr am 22. April begangen wird.
Schätzungen zufolge beteiligten sich 1990 erstmals weltweit rund 200 Millionen Menschen an dem Aktionstag. Zehn Jahre später erreichte er nach Organisatorenangaben rund 5000 Umweltorganisationen in 183 Ländern und mehrere hundert Millionen Menschen weltweit. In Leipzig machen heute zwei Aktionen auf den Tag aufmerksam und wollen den Blick der Öffentlichkeit auf den Schutz von Umwelt und Klima richten.
Im Rahmen der bundesweiten Klima-Kunstaktion „Blue17Circles“ entstehen zeitgleich in 17 Großstädten große blaue Kreise aus Schuhen. Das Projekt wird gemeinsam mit dem Medienkünstler Nicola Pragera von der Umweltorganisation Blue Demonstration e.V. umgesetzt und bezieht Schulen sowie Universitäten aus ganz Deutschland ein, darunter auch die hiesige Wolfgang-Mutzeck-Schule.
Die Installationen aus blauen, getragenen Schuhen stehen symbolisch für die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Frank Schlottmann, Vorsitzender von Blue Demonstration e.V., betont, dass die Aktion das Engagement junger Menschen sichtbar mache und verschiedene Orte mit einer Idee verbinde. Schülerinnen und Schüler bemalen die gesammelten Schuhe, die nach dem Aktionstag an weiteren Stellen ausgestellt werden und den Gedanken des eigentlichen Aktionstages über das Datum hinaus in Schulen und im öffentlichen Raum aufrechterhalten, wie Schlottmann auf LZ-Nachfrage erläutert.
Ebenfalls informieren heute die lokalen „Omas for Future“ über Umwelt- und Klimaschutz. Zwischen 16 und 17 Uhr sind Mitglieder der Initiative gemeinsam mit den „Opas for Future“ am Augustusplatz präsent, und zwar an den Ampeln zwischen dem Radisson Blu Hotel Leipzig und dem Motel One Leipzig-Post. Dort wollen sie mit Transparenten auf den Aktionstag aufmerksam machen, mit Passanten ins Gespräch kommen und praktische Hinweise für umweltbewusstes Handeln im Alltag geben.

NABU-Klage gegen A143
Das Bundesverwaltungsgericht neben dem seit Montag wieder sprudelnden Springbrunnen auf der Fritz-von Harck-Anlage verhandelt heute einen Eilantrag des Naturschutzbundes NABU, die Bauarbeiten an der Autobahn A 143 mit sofortiger Wirkung stoppen zu lassen. Hintergrund sind nach Angaben des Verbandes ungenehmigte und damit rechtswidrige Bauausführungen durch die DEGES GmbH als Vorhabenträger an dem als Westumfahrung bekannt gewordenen Bereich linksseits von Halle.
Konkret geht es um einen im Bau befindlichen Landschaftstunnel. Laut NABU weichen die aktuellen Arbeiten erheblich vom planfestgestellten und gerichtlich bestätigten Bauplan ab. Dieser sieht einen einröhrigen Tunnel mit Gegenverkehr ohne Mittelwand vor. Tatsächlich werde jedoch ein zweiröhriger Tunnel mit Mittelwand errichtet. Die dafür erforderlichen Änderungen seien ohne Genehmigung vorgenommen worden. Der Verband sieht darin nicht nur einen Verstoß gegen den Planfeststellungsbeschluss, sondern auch gegen europäisches Naturschutzrecht.
Durch die abweichende Bauweise käme es zu erhöhten Schadstoffeinträgen in das angrenzende FFH-Gebiet „Porphyrkuppenlandschaft“ nordwestlich von Halle. Dort könnten empfindliche und nach EU-Recht streng geschützte Lebensräume erheblich beeinträchtigt werden. Gerade diese Belastungen sollten laut ursprünglicher Planung durch die genehmigte Tunnelvariante vermieden werden.
Als FFH-Gebiet werden Schutzgebiete bezeichnet, die im Rahmen der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesen wurden. Ziel dieser Gebiete ist es, bestimmte Tier- und Pflanzenarten sowie deren Lebensräume europaweit zu erhalten. Nachdem das Fernstraßen-Bundesamt einen Antrag auf Baustopp abgelehnt hatte, sieht der NABU nun das Gericht in der Pflicht.
Der Streit um den Tunnelbau an der Autobahn A 143 dreht sich also, einfach erklärt, um die Frage, wie Abgase gelenkt werden. Die ursprünglich genehmigte Lösung sah vor, die Schadstoffe gezielt zu sammeln und kontrolliert abzuleiten. Dabei sollte verhindert werden, dass empfindliche Lebensräume zusätzlich mit Stickstoff belastet werden.
Nach Darstellung des NABU verändert jedoch die jetzt gebaute zweiröhrige Variante die Luftströmung im Tunnel grundlegend. Abgase würden anders verteilt und weniger gezielt abgeführt werden. Dadurch erhöhe sich die Wahrscheinlichkeit, dass mehr Schadstoffe direkt an den Tunnelöffnungen austreten. Gerade dort grenzen besonders schutzwürdige Flächen an die Trasse.
Schon geringe zusätzliche Einträge können diese sensiblen Ökosysteme langfristig verändern.
Ob und wie stark dieser Effekt tatsächlich ist, müsste allerdings durch neue Fachgutachten belegt werden. Ziel des Eilantrags sei es nach Auskunft des NABU, die Bauarbeiten zu stoppen und sowohl die Einhaltung geltenden Rechts als auch das Vertrauen in den Rechtsstaat zu sichern.
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