„Der Nächste, bitte!“, möchte man fast sagen – wenn es nicht so ernst wäre. Ernst für Leipzigs Nacht- und Clubkultur, mal wieder. Erneut zeigt ein Club an, dass er Hilfe braucht: In der letzten Woche wandte sich das ost:end, seit 2019 auf dem Gelände des Tanklagers West an der Plautstraße verortet, via Social Media mit der Bitte um Unterstützung an die Öffentlichkeit.
65.000 Euro werden kurzfristig gebraucht, damit die letzten drei Jahre, die geprägt waren von „Interimskonzepte[n], sporadische[r] Vermietung, und ständige[r] Standortwechsel auf dem eigenen Gelände“ sich endlich auszahlen in der offiziellen Genehmigung als Club- und Kulturstandort.
Dass es bald soweit sein kann, dafür haben alle Beteiligten hart gearbeitet. Der komplette Auf- und Ausbau der Infrastruktur für Wasser und Strom sowie die kostenintensive Beseitigung von Mineralöl – ein Überbleibsel des ehemaligen Tanklagers auf dem Gelände – haben nicht nur die Kräfte, sondern auch die finanziellen Mittel ausgereizt. Hinzu kommen laufende Kosten, beispielsweise für Personal und behördliche Gutachten, die Rückzahlung eines Kredits und ein, so die Betreiber*innen, „absurder Genehmigungsprozess“. Der Vorteil immerhin: Die Initiator*innen haben das Gelände schon vor einiger Zeit gekauft; Angst vor Verdrängung besteht also nicht.
Was auf sie zukommen würde, um ihre Idee von einem Ort, „an dem sich Clubkultur, Kunst, Musik, Handwerk und Nachbarschaft begegnen“ zur Realität werden zu lassen, war in der Dimension kaum absehbar. „Bei allen Beratungen, Planungen und Voranfragen hätten wir uns nicht ausmalen können, dass uns der Prozess bis zur Genehmigung auch nur eines Clubgebäudes so auffrisst und langsam, aber stetig ausbluten lässt.“
Ähnlich erging es in den vergangenen zehn Jahren so einigen Clubprojekten in der Stadt. „Viele Spielstätten Leipzigs mussten in den letzten Jahren schließen, weil sie Bauprojekten, steigenden Kosten oder Konflikten mit der Nachbarschaft weichen mussten – das 4Rooms, das So&So, das IfZ oder das Mjut, um nur einige zu nennen.“
Mit dem Verkauf von Soli-Tickets soll dem ost:end, gerade jetzt auf der Zielgeraden, ein ähnliches Schicksal erspart bleiben. Denn klar ist: Wenn solche Freiräume erstmal verschwinden, sind sie kaum mehr zu reaktivieren.
Wer das ost:end unterstützen möchte, findet mehr Informationen zu der Aktion hier.
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