Es sind noch knapp über 300 Kalendertage bis zum ersten Wahlgang der Wahl zur Oberbürgermeisterin oder zum Oberbürgermeister der Stadt Leipzig und das Bewerberfeld füllt sich langsam. Am 12. April 2026 fand die Aufstellungsversammlung der Partei Volt statt. Der Leipziger Unternehmer Falk Fiebig zieht nun für Volt in den Wahlkampf, wir trafen uns am 20. April zum Gespräch per Zoom.

Falk Fiebig (52) wurde in Wermsdorf (Sachsen) geboren, hat in Dresden und Leipzig studiert, lebt seit 1994 in Leipzig und ist Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmensverbundes.

Herr Fiebig, Sie ziehen in den Wahlkampf um das Amt des Oberbürgermeisters von Leipzig. Warum tun Sie sich das an?

Die Frage ist eigentlich schnell beantwortet. Es sind meine Kinder und unsere nächste Generation. Die sind jetzt so alt, wie ich es war, als ich kurz nach der Wende ins Arbeitsleben gestartet bin. Ich hatte damals ganz andere Voraussetzungen, ganz andere Chancen und ein Gefühl der Euphorie. Auch noch während meine Kinder aufgewachsen sind, hatte ich das Gefühl, wir gehen in die richtige Richtung. Es ging mir in vielen Teilen zu langsam, ich war auch nicht mit allem einverstanden, aber die Richtung hat meiner Meinung nach gestimmt, wie der Zusammenarbeit in Europa, der wirtschaftlichen Stärke, der Migrationsfrage und bei Rechten für queere Personen. Das alles hat mich bewegt und hat gestimmt von der Grundausrichtung. Die Kinder starten und ich habe das Gefühl, ich hinterlasse etwas was schlechter ist, als meine eigenen Startbedingungen. Das hat mich bewegt zu sagen: Das will ich nicht. Ich möchte mehr als nur das und gehe deshalb in die Politik.

Sie bewerben sich ja nicht um irgendein politisches Mandat, sondern um das Amt des Oberbürgermeisters. Dieser ist ja Chef der Stadtverwaltung und auch die 71., sprich die bei Gleichstand entscheidende, Stimme im Stadtrat. Haben Sie in irgendeiner Form Verwaltungserfahrung oder Erfahrung mit einem politischen Mandat?

Ich habe die Erfahrungen aus der Führung meiner Firmen die Mitarbeit in Innung, Handelsverband und dem Aufbau von Freizeitvereinen. In der Zusammenarbeit mit Behörden und Verwaltungen kenne ich die Verwaltung nicht von innen, aber ich sehe es eher als Stärke an einen Blick von außen mitzubringen. Bei Volt sind wir inzwischen in vielen Stadträten und Kommunalämtern vertreten, wo wir mit frischem Wind und innovativen Ansätzen arbeiten. Eine Erfahrung, auf die ich bauen kann und die ich mitbringen werde. Die Motivation und das Gefühl, welches die Bürgerinnen und Bürger in Leipzig momentan haben, da denke ich, bringe ich einen ziemlich einmaligen persönlichen Blick mit. Ich kann analysieren, strukturieren, optimieren und das alles sehr Konsens orientiert.

Wer sich um das Amt bewirbt, will es ja auch für die nächsten sieben Jahre ausüben. Was wäre Ihre Vision, sollten Sie gewählt werden? Was soll in diesen sieben Jahren passieren, was soll sich verbessern, was soll am Ende der sieben Jahre erreicht sein?

Die Vision ist, dass wir am Ende ein Leipzig haben, welches in vielerlei Hinsicht viel mehr in Europa verankert ist und mit dieser Verankerung in Europa auch eine größere Stärke als jetzt hat. Natürlich wirtschaftlich, aber vor allen Dingen möchte ich mich für den menschlichen Zusammenhalt starkmachen. Ich möchte ein politischer Oberbürgermeister sein. Viele sagen Oberbürgermeister das ist ein reines Verwaltungsamt, ich aber denke, Leipzig sollte eine Stadt sein die sich positioniert, mit ihrem Oberbürgermeister an der Spitze. Eine Stadt die bereit sein sollte eine Führungsrolle zu übernehmen. Wir müssen uns nicht verstecken, wir sind zwar wirtschaftlichen Nöten unterworfen, aber wir sollten nach vorn und nach Europa schauen. Von daher wünsche ich mir eine weltoffene Stadt, eine Stadt, die wesentlich mehr verknüpft ist und die infolgedessen auch mehr urbane Resilienz hat. Eine Stadt die in der Lage ist, soziale Risiken abzufedern und auch Projekte von anderen Städten zu übernehmen. Ich denke, der Konsens und die Vermittlung ist das Entscheidende Darin sehe ich meine Stärke Ich sehe uns vor einem Wahlkampf der stark geprägt sein von den politischen Rändern. Ich sehe mich nicht als Ideologen, sondern ich sehe mich durchaus als jemanden, der pragmatisch arbeiten kann, der einen Konsens sucht und der sich bemüht alle zu integrieren.

Als Oberbürgermeister stünden Sie auch vor der Aufgabe die Leipziger Stadtgesellschaft wieder zu einen. Was würden Sie dafür tun?

Mein Wahlkampf hat zwei Hauptsäulen, die eine davon ist „gemeinsam statt einsam“, wir wollen die Menschen zusammenzubringen. Wir sind gerade auf einem Weg in Deutschland, auf dem es sehr stark um die politischen Ränder geht. Ich denke, dass wir wieder in der Lage sein sollten, miteinander zu reden, dass wir alle Seiten einander näher bringen müssen, dass wir die Mitte der Gesellschaft zusammenhalten müssen. Da sehe ich eine ganz große Aufgabe, diesen Zusammenhalt zu stärken. Im Wahlkampf und auch später werden wir das sogenannte lila Sofa im Rucksack haben. Das ist ein aufblasbares Sofa und wir möchten es an ganz vielen Stellen in Leipzig aufploppen lassen und immer wieder das Angebot machen: Setz dich zu uns aufs Sofa, wir hören dir zu. Wir wollen den Menschen mit ihren Fragen und ihren Problemen und dem was sie bewegt, die Möglichkeit geben sich auszutauschen. Die Chance sich nicht in Ideologien zu verlieren, sondern einfach fragen: Was ist denn ganz konkret dein Problem? Ich denke, dafür steht auch Volt, das praxisorientiert einfach anzugehen.

Nicht nur im Wahlkampf, auch in der nächsten Amtszeit muss sich der neue Oberbürgermeister mit dem Sparzwang beschäftigen. Gerade Leipzig als Stadt der Kultur, des Sports und der Bildung leidet unter diesem, haben Sie schon Ideen?

Nicht nur Leipzig leidet unter dem Sparzwang, das ist ein riesengroßes Problem welches alle Kommunen haben. Natürlich muss sich da ein Oberbürgermeister stark machen, aber da bin ich nur eine Stimme von vielen. Natürlich haben wir hier ganz konkrete praktische Probleme vor Ort. Ich denke aber, wenn ich heute sagen würde: Die Lösung ist das, das und das. Das wäre nicht ehrlich von mir. Besonders, weil nicht aus der Verwaltung komme, und es heute noch nicht vollständig beurteilen kann. Alles, was ich sehe benötigt eigentlich mehr als weniger Geld. Ich kann mir Prozesse anschauen und ich kann diese optimieren und effizienter gestalten. Was ich aber sagen kann, wir werden nicht an unserer Zukunft sparen. Kein Rotstift bei Bildung und Teilhabe.

Man muss als Oberbürgermeister viel moderieren, manchmal muss man aber auch mit der Faust auf den Tisch hauen. Können Sie das?

Ich kann beides. Wissen Sie, was ich als Erstes machen würde, wenn ich in das Oberbürgermeisteramt eintreten würde? Also, jetzt gar nicht mal inhaltlich, sondern weil Sie nach meinem Arbeitsstil fragen. Ich würde als allererstes in die Kantine zu den Mitarbeitenden gehen, weil ich es wichtig finde, dass es dort gut läuft, wo Menschen zusammenkommen. Die Kantine ist nur der erste Schritt, ich denke der nächste ist die IT. Es ist essenziell für uns alle Dienstleister die dafür sorgen, dass wir unseren Job machen können gut einzubinden. Es ist mir sehr wichtig alle zu hören, auf der anderen Seit ist es aber auch so, dass wir vorankommen müssen. Ich war im Gespräch mit Volt Dezernentinnen aus Wiesbaden, die berichteten, was wir für starke und innovative Menschen in der Leipziger Verwaltung haben. Wir haben einen riesigen Pool an motivierten Leipzigern, diese gilt es auch von ganz oben zu unterstützen. Mein Vorteil ist, dass ich ohne Seilschaften und Befindlichkeiten starte. Service am Bürger ist aber nicht mehr überall angesagt und dort wird es auch sehr harte Entscheidungen geben.

Es gibt viele schöne Ausdrücke, mit denen sich Menschen politisch einordnen. Rechts, links, Mitte, liberal, konservativ, progressiv und weitere, wo würden Sie sich selbst einordnen?

Mein Herz oder mein Verstand?

Ich meine als Mensch, trennen Sie Herz und Verstand wirklich?

Die Entscheidung, zu Volt zu gehen war keine emotionale, sondern das war eine ganz bewusste Entscheidung. Ich sehe das große Ziel eines vereinten Europas, als absolut notwendige Grundlage an, um zwischen den großen Machtblöcken USA und China, die beide nicht gerade europafreundlich auftreten, eine Zukunftsperspektive zu haben. Darum geht es in meiner politischen Arbeit, ob das jetzt als Bürgermeister ist oder in anderen Bereichen. Deswegen auch die Ansage: Ich wäre ein politischer Oberbürgermeister. Aber mein Herz schlägt durchaus sehr stark für soziale Projekte. Ich bin ein Mensch, der integriert, der von seiner Herkunft, in seinem familiären und betrieblichen Umfeld sehr viel mit behinderten Menschen, also mit Inklusion zu tun hat. Das ist mir eine Herzensangelegenheit. Bei mir steht nicht die Ideologie, sondern die pragmatische Arbeit im Vordergrund. Deswegen ganz klar die Aussage, mein Herz schlägt sehr viel sozialer.

Sie sind von Volt aufgestellt, letztendlich ist, oder sollte zumindest sein, das Amt des Oberbürgermeisters aber ein parteienübergreifendes. Sind Sie sich dessen bewusst?

Da gebe ich Ihnen recht. Ich freue mich über die Unterstützung, die ich in der Partei habe. Aber wie schon zuvor erwähnt gilt es alle Akteure zusammenzubringen. Mein Ziel ist es zu vermitteln und zu verbinden.

Gibt es noch etwas, was Sie den Wählerinnen und Wählern sagen wollen?

Haltet Ausschau nach unserem lila Sofa und redet mit uns, jedes Gespräch ist wertvoll! Leipzig hat schon einmal bewiesen, dass wir die Welt verändern können, unsere Stärke ist der Zusammenhalt, lasst uns dahin zurückfinden!

Herr Fiebig, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Falk Fiebig ist bis jetzt der fünfte Bewerber, sieht man von Dirk Thärichen ab der am 22. April seine Kandidatur offiziell bekannt machen wird. Wir werden im Laufe des Wahlkampfes erneut mit den Kandidaten, also auch mit Falk Fiebig sprechen.

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