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Alle werden sich ändern müssen – Konsum Leipzig geht neue Wege

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    In der altehrwürdigen und historischen Konsumzentrale in der Industriestraße stehen die Zeichen auf Veränderung. Angekündigt hatte sich der Umbruch schon seit einiger Zeit und ist jetzt im vollen Gange. Auch das war ein Thema bei der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag. Dazu stellte sich der neue Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Horst Poldrack vor, der den nicht wiedergewählten Wolfgang Wille ersetzt.

    Ein Plus von 1,1 Prozent

    Dieser hatte sich als eine der Triebfedern für eine Neuausrichtung des Konsums eingesetzt und maßgeblichen Anteil an der Absetzung von Petra Schumann (siehe LIZ-Interview vom 7. Mai 2015). Darüber hinaus hat sich seit dem mehr oder weniger forcierten Weggang der sogenannten Miss Konsum und nicht wirklich geliebten Petra Schumann einiges geändert. Doch wie bei jedem Unternehmen kommen die Zahlen zuerst. Konsum ist auf seine Art als Geschäftsmodell ein ziemliches Unikat und so eigentlich nur in Leipzig auffindbar. Ziemlich einzigartig auch, wie sich das Unternehmen durch die betriebswirtschaftlichen Wellentäler laviert. So gelang es Konsum, die zuletzt rückläufigen Umsätze wieder auf 106,7 Millionen Euro zu steigern. Somit konnte ein Plus von 1,1 Prozent verzeichnet werden.

    Worauf das zurückzuführen sein könnte, erklärte Vorstand Michael Faupel so: „Das ist vor allem auf die im zweiten Halbjahr 2015 begonnenen Investitionen in das Sortiment und die Modernisierung von Filialen zurückzuführen.“ Mit 4 Prozent Umsatzplus im 1. Quartal 2016 setze sich dieser Trend im neuen Jahr verstärkt fort, ergänzte der zweite Vorstand Dirk Thärichen. Erfreut zeigte sich Faupel auch über die angestiegene Anzahl der Einkäufe insgesamt.

    Vier neue Filialen noch in diesem Jahr

    Um diesen Trend auszubauen, sei auch eine Modernisierung der Filialen nötig, so Faupel. So werde neben dem Ausbau der Frischesortimente auch in das Ladennetz an sich investiert. Michael Faupel: „Wir werden bis Jahresende 40 Standorte erneuern und vier neue Filialen eröffnen.“ Dazu wurden Altlasten in Angriff genommen, wie Dirk Thärichen erklärte: „Die Vergütungsstruktur unseres Personals stellte sich als äußerst intransparent dar. Vielen Mitarbeitern wurde in den letzten Jahren Lohnerhöhungen vorenthalten.“

    Man sei sich innerhalb der Führung einig gewesen, dass hier dringender Handlungsbedarf herrschte. Thärichen weiter: „Wir haben deshalb mit umfangreichen tariflichen Umgruppierungen begonnen, einen Personalrabatt eingeführt und verschiedene Sonderzahlungen an die Mitarbeiter geleistet.“

    Mitarbeiter profitieren von der Neuausrichtung auch finanziell

    Das habe man sich einiges kosten lassen, wobei man aber konsequent darauf geachtet habe, dass die Mitarbeiter fair entlohnt würden, so Thärichen weiter: „Das war es uns wert, auch wenn ohne diese Maßnahmen das operative Betriebsergebnis von 110.000 Euro deutlich höher ausgefallen wäre. Aber die Anpassungen waren wichtig und richtig.“ Doch die Liste der zu beseitigenden Baustellen ist noch lang. Eine davon ist die Vermögensseite. Hier musste an den Stellschrauben gedreht werden und wird es noch. Michael Faupel: „Eine Analyse des Filialnetzes ergab, dass jeder zweite Standort rote Zahlen schreibt. Dies erforderte eine grundlegende Neubewertung unserer Eigentumsobjekte.“ Das hatte zwingend eine grundlegende neue Bewertung der Objekte zur Folge. Faupel weiter: „Konsequenterweise wurden 13 Immobilien einer Wertberichtigung unterzogen.“

    Das Volumen dieser nicht vorhergesehenen Teilwertabschreibung betrug dabei laut Faupel mehr als 2 Millionen Euro. Dadurch, so der Vorstand ergänzend, weise das Jahresergebnis ein Defizit von 1,76 Millionen Euro aus. Wäre da nicht der Gewinnvortrag. Faupel: „Der kompensierte diesen Effekt, womit ein positives Bilanzergebnis von 201.000 Euro erzielt wurde. Gleichzeitig stieg die Eigenkapitalquote auf 83,5 Prozent, was hinsichtlich eventueller Verhandlungen mit Banken nicht ganz unwichtig ist.“

    Erstmals zwei Frauen im Aufsichtsrat

    Die Mitgliedervertreter bestätigten die Neuausrichtung durch den neuen Konsumvorstand und erteilten ihm im Rahmen der 27. Vertreterversammlung am 21. Mai 2016 Entlastung für das Geschäftsjahr 2015. Wie eingangs erwähnt, ist der bisherige Stellvertreter Dr. Horst Poldrack nun Aufsichtsratsvorsitzender. Dazu kommen mit Monique Wagner, Martin Buhl-Wagner und Matthias Hieke drei neue Aufsichtsratsvertreter. Von Seiten der Arbeitnehmer komplettieren der Betriebsratsvorsitzende Ulf Hentzschel sowie Franziska Meißner das Gremium. „Das sind 70 Prozent und zum ersten Mal sind zwei Frauen im Aufsichtsrat vertreten,“ wie Dr. Horst Poldrack erklärte. Interessant wurde es auch, als der neue Aufsichtsratsvorsitzende Poldrack das Wort ergriff und damit auch die neue Transparenz verdeutlichte, mit der das Unternehmen in eine neue Zukunft starten will.

    Hierarchisches Matriarchat wird durch moderne Unternehmensführung ersetzt

    Von Turbulenzen, Umbrüchen und auch Verunsicherung war da die Rede. Da wurde es schon fast philosophisch, als es zum Beispiel um die Abwahl des ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Wolgang Wille ging, der sich vehement für einen Umbruch eingesetzt hatte: „Es ist eine demokratische Wahl gewesen. Zu den Gründen kann ich nichts sagen. Nur soviel, Wolfgang Wille hat konsequent gehandelt. Jedoch ist Dankbarkeit keine Kategorie der Geschichte.“ Verunsicherung herrsche – so Poldrack – nach dem Weggang der ehemaligen Chefin Petra Schumann nun auch in Teilen der Belegschaft.

    „Alle werden sich ändern müssen.“ Denn es sei ein langer Weg von einem hierarchisch geprägten Matriarchat zu einem modern und transparent ausgeprägten Unternehmen.“ Das zeige sich auch in der Reaktion vieler Mitarbeiter und es sei ein langer Prozess der Überzeugung notwendig.

    Auch Mitarbeiter müssen sich an Umstrukturierung anpassen

    Hierzu führte Dirk Thärichen als Beispiel die Reaktion mancher Filialleiter auf die Modernisierung ihrer alteingesessenen Läden an: „Da bekommt man schon mal zu hören, dass es doch nicht nötig sei, alles zu verändern, wo sich doch alles im Laufe vieler Jahre bewährt hat.“ Poldrack dazu: „Das ist richtig. Da kommen erst mal der Schreck vor dem Neuen, die Abwehrreaktion gefolgt von Einsicht und dem Willen zur Änderung.“ Spätestens dann, so Thärichen ergänzend, wenn sich die Umsätze nach der Modernisierung nach oben bewegten, sähen auch die Filialleiter ein, dass man auf dem richtigen Weg sei.“ Auf dem, so Faupel, sei man mit dem Lieferservice „Lofex“ noch nicht: „Da müssen wir zugeben, dass es nicht wirklich läuft. Deshalb sind wir mit der Handelshochschule Leipzig eine Kooperation eingegangen, um das logistische System neu und erfolgreich aufzustellen.“

    Insgesamt blicke man, so Dirk Thärichen, positiv in die „Konsum-Zukunft“ und wolle die Umstrukturierung zügig in Angriff nehmen. Man darf also gespannt sein.

    Auch die Leipziger Zeitung wird sich in ihrer neuen Ausgabe, welche am 10. Juni erscheint, mit dem Leipziger Traditionsunternehmen befassen und dabei noch andere Aspekte unter die Lupe nehmen.

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