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Mittwoch, 20. Januar 2021

Fachkräfte werden rar in Sachsen, die Digitalisierung verschärft den Engpass noch

Von Ralf Julke

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    „Weitere Verschärfung des Fachkräfteengpasses durch Altersabgänge, fehlende Passfähigkeit der Bewerber und Digitalisierung“, so lautet eine zentrale Erkenntnis aus dem aktuellen Fachkräftemonitoring der sächsischen Wirtschaftskammern (Industrie- und Handelskammern sowie Handwerkskammern), an der sich 1.173 Unternehmen mit rund 59.000 Beschäftigten beteiligten.

    Besonders scheint die Digitalisierung die Unternehmen zu verunsichern, denn die hat mehrere Folgen gleichzeitig und sorgt auch für eine erhöhte Dynamik auf dem Arbeitsmarkt.

    So bewerten 54 % der Unternehmen die Auswirkungen der Digitalisierung der Arbeitswelt auf das eigene Unternehmen zwar positiv, während 5 % negative Folgen befürchten. Aber 14 % erwarten eine höhere Nachfrage nach Beschäftigten, nur halb so viele eine abnehmende Personalnachfrage in Folge der Digitalisierung. Aber diese erhöhte Nachfrage betrifft eine Bewerbergruppe, bei der die Nachfrage schon heute höher ist als die Zahl der Bewerbungen.

    Der Bedarf an Akademikern, Technikern/Meistern sowie Facharbeitern steigt, während die zukünftige Nachfrage an Un- und Angelernten rückläufig ist. Neben den formellen Abschlüssen werden für die Unternehmen in Zukunft IT-Kenntnisse, Flexibilität, lebenslanges Lernen und soziale Kompetenzen der Mitarbeiter immer wichtiger.

    Die Ergebnisse der Befragung in der Übersicht:

    Steigende Anzahl offener Stellen – vor allem Facharbeiter gesucht

    – Jedes zweite Unternehmen weist zum Befragungszeitpunkt offene Stellen aus. Mit 52 (2015: 36) offenen Stellen auf 1.000 Beschäftigte stellt dies die höchste Quote aller Befragungen seit 2001 dar. Hochgerechnet auf alle sächsischen Beschäftigten entspräche diese Relation rund 83.000 freien Stellen im Freistaat. Facharbeiter und Gesellen werden dabei für jede zweite offene Stelle benötigt.

    – Jede zweite Stelle bleibt länger als sechs Monate offen. Am schwierigsten ist die Stellenbesetzung mit Technikern/Meistern und mit Facharbeitern/Gesellen. Dort liegt der Anteil langfristig vakanter Stellen bei 57 % bzw. 55 %.

    Woran Stellenbesetzungen scheitern. Grafik: Fachkräftemonitoring
    Woran Stellenbesetzungen scheitern. Grafik: Fachkräftemonitoring

    – Besonders kleine Unternehmen kämpfen mit Problemen bei der Stellenbesetzung. So bleiben bei Unternehmen mit weniger als 20 Mitarbeitern zwei Drittel aller Stellen länger als sechs Monate unbesetzt. Ursächlich dafür sind vor allem ausbleibende Bewerbungen. Auch mangelnde Motivation der Bewerber sowie unvereinbare Gehaltsvorstellungen lassen über alle Unternehmensgrößen Einstellungen scheitern.

    – Langfristig offene Stellen kompensieren die Unternehmen noch deutlich häufiger als 2015 durch Mehrarbeit und Überstunden anderer Mitarbeiter. Sie müssen zudem häufiger Aufträge und Projekte ablehnen, Fertigstellungstermine verschieben oder ihr Leistungsangebot einschränken.

    Personalarbeit wird immer wichtiger

    – 90 % der Unternehmen nutzen mindestens ein Instrument der Personalarbeit. Diese reichen von regelmäßigen Mitarbeitergesprächen (56 %) bis hin zur Anwendung von Personalentwicklungskonzepten (21 %) und formulierten Führungsgrundsätzen (17 %).

    – 95 % (2015: 87 %) der Unternehmen bieten Zusatzleistungen an. Dabei dominieren (regelmäßige) Lohnerhöhungen gefolgt von der Bereitstellung von Arbeitsmitteln. Gemeinsame Firmenfeiern bzw. Freizeitaktivitäten werden in drei Viertel der Betriebe als Instrument der Mitarbeiterbindung eingesetzt.

    – Die Mehrheit der Befragten arbeitet bei der Rekrutierung von Mitarbeitern erfolgreich mit der Agentur für Arbeit bzw. den örtlichen Jobcentern zusammen und schreibt auf der eigenen Homepage Stellen aus. Viele Unternehmen nutzen Online-Stellenportale, Stellenanzeigen in der Presse oder greifen auf Empfehlungen und Referenzen zurück. Knapp jedes vierte Unternehmen bedient sich mit Erfolg sozialer Netzwerke für die Mitarbeitergewinnung.

    Wie Unternehmen fehlende Fachkräfte ausgleichen. Grafik: Fachkräftemonitor
    Wie Unternehmen fehlende Fachkräfte ausgleichen. Grafik: Fachkräftemonitor

    – Je nach Bewerbergruppen empfehlen die Befragten unterschiedliche Maßnahmen. So bewährt sich die Personalakquise über Zeitarbeitsfirmen speziell bei Un-/Angelernten und Facharbeitern. Praktika stellen insbesondere bei der Suche nach Auszubildenden eine Erfolgsoption dar. Jedes fünfte Unternehmen empfiehlt die Ausbildung von eigenen Lehrlingen bzw. BA-Studenten zur betrieblichen Fachkräftesicherung.

    Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer steigt, Hürden bleiben

    – Jedes vierte Unternehmen beschäftigt ausländische Mitarbeiter (2015: 15 %). Weitere 16 % planen deren Einstellung.

    – Persönliche Kontakte und Netzwerke dominieren beim Anwerben ausländischer Mitarbeiter. Unternehmen rekrutieren diese vor allem über (Initiativ-)Bewerbungen (41 %), mit Hilfe der Agentur für Arbeit bzw. des Jobcenters (25 %, bei Flüchtlingen 42 %) oder auch durch kommerzielle Vermittler bzw. Zeitarbeitsfirmen (20 %). Rund jeder Zehnte ist Absolvent einer regionalen Hochschule.

    – Größtes Hindernis bei der Einstellung ausländischer Arbeitnehmer sind mit 84 % der Nennungen Sprachbarrieren. Es folgen bürokratische Hürden (40 %), Unsicherheiten über das Qualifikationsniveau (39 %) und über den Aufenthaltsstatus (35 %).

    Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen wächst

    – 39 % (2015: 37 %) der Firmen beschäftigen Menschen mit Behinderung. Diese Personen sind meist in Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern tätig. 7 % der Firmen planen die erstmalige Einstellung von Menschen mit Behinderung.

    – Die spezifischen Anforderungen an die Arbeitsplatzgestaltung und die komplexen rechtlichen Regelungen stellen die größten Hindernisse bei der Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen dar. Zudem fehlen etwa jedem fünften Unternehmen fachliche Voraussetzungen oder Bewerbungen von der Zielgruppe überhaupt.

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    3 KOMMENTARE

    1. Als ich das letzte mal beim AA war und gesagt habe:“ Ich kann alles lernen, was brauchen Sie?“ war die Antwort: „Fahrzeugbauer in Süddeutschland.“ War irgendwie nicht hilfreich.

    2. Nur ein Aspekt: „fehlende Passfähigkeit der Bewerber“ Heißt nix anderes als: Schulsystem 6, setzen!

    3. Na da werden sich die Beschäftigten von Siemens, Bombardier etc.pp. aber freuen. Und froh werden sie sein, endlich dem Streß permanenten Drucks durch drohenden Verlust des Arbeitsplatzes zu verlieren.
      Alles hochqualifizierte Fachkräfte, nach denen händeringend gesucht wird. Gott sei Dank, daß die Werke geschlossen werden.

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