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Jeder dritte Vollzeitbeschäftigte im Osten ist Geringverdiener

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    Billig müssen sie sein, die Arbeitskräfte. Auch weil andernorts noch billiger gearbeitet wird. Selten war der Druck auf gute Arbeit so groß wie heute. Trotz der lange gelobten „Hartz IV“-Politik. Was natürlich dazu beiträgt, dass gerade im Osten Deutschlands viele Arbeitskräfte zu Löhnen arbeiten, die die Gewerkschaft nur als Tarifflucht bezeichnet.

    Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hat nun kurz vor ihrem 17. Ordentlichen Gewerkschaftstag vom 5. bis 9. November in Leipzig diese zunehmende Tarifflucht beklagt. Immer mehr Unternehmen würden sich davor drücken, ihren Beschäftigten einen „fairen Tariflohn“ zu zahlen. Besonders stark sei diese „Billiglohn-Praxis“ in Ostdeutschland ausgeprägt.

    Im Vorfeld des Gewerkschaftstags der NGG in Leipzig sprach NGG-Vize Guido Zeitler von einer „Tarif-Wüste“, die sich in vielen Regionen zwischen Ostsee und Thüringer Wald ausgebreitet habe.

    „In Branchen wie dem Bäckerhandwerk oder dem Gastgewerbe sind Tarifverträge mittlerweile eine Rarität. Neun von zehn Hotels, Gaststätten und Pensionen im Osten sind nicht tarifgebunden“, so Zeitler. Er sieht – knapp 30 Jahre nach dem Mauerfall – in der Tarifflucht ostdeutscher Unternehmen einen Hauptgrund für das Lohn-Gefälle zwischen Ost und West.

    Verantwortlich dafür seien insbesondere „Zwei-Klassen-Mitgliedschaften“ in den Arbeitgeberverbänden. So biete etwa der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) offensiv Mitgliedschaften ohne Tarifbindung an. Für die Beschäftigten bedeute das nichts anderes als eine „Holzklasse beim Lohn“, sagt Zeitler. Die NGG fordert deshalb die Arbeitgeberverbände dazu auf, mit dieser Praxis Schluss zu machen.

    Zeitler: „Wer auf Niedriglöhne setzt, trägt eine Mitverantwortung für die Spaltung des deutschen Arbeitsmarkts in Ost und West.“

    Die NGG verweist dabei auf drastische Zahlen der Bundesregierung: So ist jeder dritte ostdeutsche Vollzeitbeschäftigte mittlerweile Geringverdiener. 33,6 Prozent der ostdeutschen Arbeitnehmer kamen bei voller Stundenzahl im vergangenen Jahr auf weniger als 2.139 Euro brutto im Monat.

    Bei diesem Wert lag die amtliche Niedriglohnschwelle zuletzt. Danach gilt als Geringverdiener, wer weniger als zwei Drittel des mittleren Einkommens verdient. In Westdeutschland war das im vergangenen Jahr jeder sechste Vollzeitarbeitnehmer (16,7 Prozent), wie aus einer aktuellen Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linkspartei hervorgeht.

    „Hielten sich mehr Firmen in Ostdeutschland an Tarifverträge, dann gäbe es die Lohn-Mauer in dieser Form nicht“, betont Zeitler.

    So liegt der Ost-West-Unterschied bei den Tariflöhnen nach einer Auswertung der Hans-Böckler-Stiftung bei lediglich 2,5 Prozent. Die tatsächlich gezahlten Bruttolöhne hingegen fallen laut Bundesagentur für Arbeit im Osten um ein Fünftel niedriger aus.

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    1 KOMMENTAR

    1. Dort wo Gewerkschaften marginalisiert sind, wirkt „der Markt“.
      Für ein nachgefragtes knappes Gut (Arbeitskraft) wird ein hoher Preis bezahlt. Ist das Gut nicht knapp oder wird nicht nachgefragt, wird eben kein Preis (Entgelt) bezahlt. Oder sind die prekären Arbeitsbedingungen so, wie sie eben sind – prekär.
      Warum auch sollte es besser sein? Aus Altruismus? Im Kapitalismus?

      Nein, dieses „Marktgeschehen“ straft nur den Fachkräftemangel der Lüge. Es gibt ihn schlicht nicht.

      https://www.boeckler.de/wsi_114049.htm#

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