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Landwirtschaftsstatistik: Die meisten sächsischen Rinder kennen keine grüne Weide

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    Vielleicht wird es ja genau dieser Vorstoß von Aldi sein, ab 2025 kein Billigfleisch mehr verkaufen zu wollen, der endlich eine Kehrtwende bringt beim Elend in der deutschen Massentierhaltung. Denn wie viel Fleisch kostet, das bestimmen die großen Einzelhandelsketten. Sie haben über Jahrzehnte die Verbraucher daran gewöhnt, dass Fleischprodukte billig sind, während sich die Haltungsbedingungen für die Tiere immer mehr verschlechtert haben. Beginnt jetzt das Ende der Massentierhaltung?

    Zumindest deutet auch die jüngste Statistik aus dem Statistischen Landesamt des Freistaats Sachsen darauf hin, dass sich die Massentierhaltung immer weniger rentiert. Vielleicht haben auch die Corona-Skandale beim großen Schlachtbetrieb Tönnies dafür gesorgt, dass mehr Verbraucher auf den Kauf des Billigfleisches verzichteten. Und dann war da ja auch noch die Afrikanische Schweinepest, die für einen Importstopp in China, einem der Hauptabnehmerländer für billiges Schweinefleisch aus Deutschland, gesorgt hat.„Für rund 467.900 Rinder, 612.000 Schweine und 4,1 Millionen Legehennen gab es im Jahr 2020 Haltungsplätze in Sachsen“, meldet das Statistische Landesamt anhand der endgültigen Ergebnisse der bundesweiten Landwirtschaftszählung, zu der auch das Bundesamt für Statistik neue Zahlen veröffentlichte.

    So verringerte sich die Zahl im Vergleich zur Vorerhebung 2010 bei Rindern um 15,2 Prozent und bei Schweinen um 11,2 Prozent, melden die sächsischen Statistiker. „Die Zahl der Legehennen-Haltungsplätze stieg hingegen um acht Prozent an.“

    Dabei gingen die sächsischen Statistiker ebenfalls darauf ein, dass sich die Haltungsbedingungen aufgrund neuer gesetzlicher Bestimmungen für einen Teil der Tiere verbessert haben: „In 2.600 Betrieben wurden in Sachsen 467.900 Haltungsplätze für Rinder vorgehalten. Diese verteilten sich zu 40,7 Prozent auf Milchkühe und 59,3 Prozent auf übrige Rinder. 94,1 Prozent der Haltungsplätze entfielen auf Laufställe und 5,9 Prozent auf andere Stallhaltungsverfahren. Die Plätze in Anbindehaltung verringerten sich gegenüber 2010 von 8,3 auf 3,6 Prozent.“

    Aber dass das noch nicht wirklich tiergerechte Haltungsbedingungen sind, ist auch den Statistikern bewusst. Denn: „Zugang zu einer Weide hatten 27,1 Prozent aller Rinder, bei Milchkühen betrug der Anteil zehn Prozent.“

    Und damit lag auch Sachsen deutlich unter dem Bundesdurchschnitt, was das Weideerlebnis der Rinder betrifft.

    Das Bundesamt für Statistik: „Im Laufe des Jahres 2019 konnten 3,6 Millionen Rinder und damit rund 31 % aller Rinder in Deutschland auf Weiden grasen. Im Zehnjahresvergleich zeigt sich ein Rückgang der Weidehaltung, da 2010 noch 37 % der Rinder die Möglichkeit zum Weidegang hatten. Regional gibt es große Unterschiede in der Weidehaltung: In Bayern, dem Bundesland, in dem die meisten Rinder gehalten werden, lag der Anteil der Weidenutzung mit 17 % deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. In Niedersachsen, dem Land mit dem zweitgrößten Rinderbestand hatten 34 % der Rinder eine Möglichkeit zur Weidenutzung.“

    Der größte Teil der in Sachsen gehaltenen Rinder sieht also im Leben keine grüne Wiese, kann sie oft auch gar nicht sehen, weil die zu Hochleistung gezüchteten Tiere gar nicht mehr zur Weidehaltung geeignet sind. Sie werden zudem mit Kraftfutter gefüttert, das zu einem großen Teil aus entsprechenden Importen besteht. Schon des Klimas zuliebe muss diese Art der Rinderhaltung ziemlich bald schon enden.

    Und wie geht es den Schweinen? – „Haltungsplätze für die rund 612.000 Schweine gab es in 750 Betrieben. Drei Viertel der Haltungsplätze standen auf Vollspaltenboden zur Verfügung. Plätze auf Teilspaltenböden machten 20,4 Prozent aus. Weitere Haltungsverfahren wie Tiefstreu oder planbefestigter Boden hatten mit 4,3 Prozent nur eine untergeordnete Rolle“, so das Landesamt für Statistik.

    Die entsprechende Gesetzgebung hat die Haltungsbedingungen zwar verbessert. Aber auch diese Art der Massentierhaltung ist nicht wirklich zukunftsfähig. So ähnlich wie bei den Hühnern: „Für Legehennen verfügten 1.600 Betriebe über rund 4,1 Millionen Haltungsplätze. Dabei war mit 76,4 Prozent der Haltungsplätze die Bodenhaltung die vorrangige Haltungsform, gefolgt von der Freilandhaltung (23,6 Prozent). Während sich die Zahl der Freiland-Haltungsplätze gegenüber 2010 verdoppelte, hat die Käfighaltung (850 Haltungsplätze) in Sachsen kaum noch Bedeutung.“

    Also auch hier: Nur 23,6 Prozent der Hühner bekommen Tageslicht und richtigen Platz zum Scharren unter freiem Himmel. Die Haltung in großen Stückzahlen im Stall dominiert weiterhin.

    Ändern wird das erst das wachsende Verständnis der Konsumenten dafür, dass Billigfleisch nicht mit tiergerechter Haltung in Übereinstimmung zu bringen ist. Und da wirkt dann vielleicht wirklich die geplante Umstellung bei Aldi als Zündfunke.

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