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Vier verschiedene Anfänge und ein völlig falscher Name

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    ReportageAls wir jüngst auf dem Elsterfernradweg unterwegs waren, haben wir uns schon gewundert: Weshalb werden Radfahrer ausgerechnet am Heuweg in Möckern auf die Parthe-Mulde-Radroute gelenkt? Ist das nicht Unsinn? Aber wo beginnt denn diese mysteriöse Radroute tatsächlich? Erste Erkenntnis: Der Weg hat jede Menge Anfänge und ist nur halb beschildert.

    Zumindest auf Leipziger Flur. Genau da sind wir ja auf Erkundungstour. Wer mag, kann sich all die Hosianna-Gesänge zur Route im Internet durchlesen. Aber die betreffen nie den Beginn des Weges, auch wenn sie lauter tolle Startpunkte benennen. Ältere Seiten verkünden noch, der Parthe-Mulde-Radweg beginne am Mariannenpark in Schönefeld. Kann man machen. Aber da hat man schlicht schon mal die ersten 8 Kilometer verpennt.

    Etwas jüngere Jubelarien benennen den Hauptbahnhof als Ausgangspunkt. Was insofern stimmt, als dass die Route ab hier tatsächlich einigermaßen gut ausgeschildert ist. Und wer mit dem Zug ankommt, kann hier natürlich starten, hat aber ebenfalls die ersten 7 Kilometer nicht gesehen.

    Denn die Parthe fließt zwar hinterm Hauptbahnhof in ihrem gemauerten Steinbett, aber Starter am Hauptbahnhof bekommen es natürlich nicht zu sehen.

    Dabei gibt es seit jüngerer Zeit auch den Hinweis des Tourismusvereins Leipziger Neuseenland, dass man eigentlich im Rosental auf die Route gehen kann – irgendwo da zwischen Aussichtsturm und Zooschaufenster.

    Irgendwo da?

    Und wie kommen wir vom Heuweg da hin?

    Das Schild steht dort – zumindest wenn man keinen Extra-Umweg machen möchte – zumindest irritierend. Mit Umweg ist man richtig. Dazu kommen wir gleich.

    Tatsächlich kann man, wenn man auf dem Elsterradweg vom Auensee her kommt, am Heuweg die etwas primitive Unterführung unter der Eisenbahnstrecke nehmen und südlich der Bahnstrecke in den etwas rustikal geschotterten Marienweg einbiegen. Hier gibt es zwar einen Wegweiser, aber der erzählt nichts von Parthe-Mulde-Radroute, dafür zeigt er die Richtung ins Rosental. Hier sind wir richtig, passieren bald eine Brücke, die hier die Weiße Elster überquert.

    Zusammenfluss von Elstermühlgraben (links) und Weißer Elster an der Marienbrücke im Rosental. Foto: Ralf Julke
    Zusammenfluss von Elstermühlgraben (links) und Weißer Elster an der Marienbrücke im Rosental. Foto: Ralf Julke

    Hier lohnt es sich stehen zu bleiben, denn das ist was für die Liebhaber des Leipziger Gewässersystems. Man sieht von dieser Brücke, die – logo – Marienbrücke heißt, den Zusammenfluss von Elstermühlgraben und Weißer Elster.

    Westlich der Marienbrücke sieht man übrigens ein kleines Fahrradweg-Signet an einem Weg, der hier mündet. Ein erster Hinweis, dass wir hier richtig sind. Denn am Heuweg hätten wir tatsächlich auf dem Heuweg Richtung Möckern fahren können. Nach etwa 300 Metern kommt man dort zur Heuwegbrücke, die ebenfalls die Weiße Elster überquert. Rechts davon sieht man wieder einen Weg unter der benachbarten Eisenbahnbrücke durchführen. Hier kann man abbiegen und fährt direkt an der Weißen Elster entlang und kommt irgendwann direkt an der Marienbrücke an. Just da, wo wir stehen.

    So weit ganz einfach. Und nun: Wie weiter? Weitere Hinweisschilder gibt es hier nicht.

    Außer auf der Ostseite der Brücke an einem Weg, der sich linkerhand wieder in den Wald verliert, ein simples Hinweisschild, dass das ein Forstweg ist. Mehr nicht. Als würde sich Leipzig seiner Anfänge und Enden regelrecht schämen und sie unbedingt verstecken wollen. Anfänge hat die Stadt, was Gewässer betrifft, eher wenige. Dafür einige Enden. Und eins davon ist die Mündung der Parthe in die Weiße Elster. Das ist eigentlich der sinnfälligste Anfang für jede Parthe-Tour in Leipzig. Wer in den Waldweg hineinfährt, kommt direkt zu der kleinen, schattigen Landspitze, wo man am Zusammenfluss beider Flüsse stehen kann.

    Hier endet – 105 Meter über Normalnull – die Parthe, die auf 208 Meter Höhe im Glastener Forst zwischen Colditz und Bad Lausick entspringt, nach 56,7 Kilometern. Hier wäre auch sinnvollerweise Anfangs- oder Endpunkt einer Parthe-Mulde-Radroute.

    Die offizielle Parthe-Mulde-Radroute ist übrigens auch rund 56 Kilometer lang, endet aber auch nicht im Ursprungsgebiet der Parthe, sondern in Grimma und hat dort direkten Anschluss an den Mulderadweg. Was an dieser Stelle betont werden muss, weil es manche Touristiker gern vergessen.

    Die Parthe kurz vor der Mündung in die Weiße Elster. Foto: Ralf Julke
    Die Parthe kurz vor der Mündung in die Weiße Elster. Foto: Ralf Julke

    Ist nun die Frage: Sollte man sich einen Mundschutz aufsetzen? Heißt doch die Parthe – zumindest in den üblichen Gesängen der munteren Legendenerzähler – „die Stinkende“. Aus dem Slawischen soll das kommen, kommt es möglicherweise auch. Nur weisen Ernst Eichler und Hans Walther in ihrem Buch „Alt-Leipzig und das Leipziger Land“ darauf hin, dass das altsorbische Ursprungswort para oder bara lautete. Was ein Unterschied ist, den man übrigens noch heute in der Landschaft der Parthedörfer sieht: der Ort Parthenstein mit hartem P ist genauso nach der Parthe benannt wie Großbardau – mit weichem B.

    Para stünde in seiner Wortbedeutung für Dunst (und nicht für Gestank), also eher für das, was man in der Leipziger Elsteraue des öfteren erlebt, wenn man an einem Sommermorgen dort mit dem Rad unterwegs ist: Dunst- und Nebelschleier über den in der Regel träge vor sich hinfließenden Flüssen.

    Bara wieder hätte die Bedeutung von Dreck, Schlamm, Morast, was in der Aue nun auch wieder nichts Ungewöhnliches ist, auch wenn die Parthe an dieser Stelle nicht wirklich schlammig aussieht. Riechen kann es trotzdem manchmal – wir befinden uns in der Nähe des Klärwerks. Da kommt es immer auf die Windrichtung an, wer nun gerade die Gerüche der Großstadt über den Weg gepustet bekommt.

    Heute riecht hier nichts. Schlammig sind die Wege trotzdem. Es hat geregnet in der Nacht. Trotzdem wird auch hier emsig gewalkt und gejoggt.

    Hier beginnen wir unsere Parthetour. Wir werden nicht bis Grimma fahren. Auch hier wollen wir einfach nur wissen: Wie fährt es sich auf den 13,8 Kilometern auf Leipziger Boden? Wobei wir schon bei den Zahlen das große Ohrenwackeln bekommen: Mancher gibt die Länge der Parthe nur mit 48 Kilometern an und gesteht Leipzig nur 12 zu.

    Das soll uns nicht irritieren. Hauptsache, die „Dunstige“ ist da. Gemütlich gluckert sie neben uns her, während wir uns aufmachen, an ihrem Ufer ostwärts und innenstadtwärts zu fahren. Natürlich auf der Suche nach dem ersten Schild, das uns verrät, dass wir auf der richtigen Route sind.

    Buchtipp: Ernst Eichler, Hans Walther Alt-Leipzig und das Leipziger Land, Leipziger Universitätsverlag 2010.

    Mehr zum Thema auf L-IZ.de: Vom Auensee bis zum schamhaft versteckten Abzweig der Weißen Elster

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