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Connewitz hat plus gemacht, dafür hat das Markkleeberger Stadtbus-System ein Problem

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    Selbst die Grünen waren intern zerrissen, als es im Oktober 2015 darum ging, der Teilstilllegung der Linie 9 nach Markkleeberg zuzustimmen oder nicht. Sie stimmten zu und begründeten das später auch. Womit das Thema natürlich nicht vom Tisch ist. In der Diskussion um den Nahverkehrsplan, der 2018 beschlossen werden soll, wird es garantiert eine Rolle spielen.

    Da werden auch Zahlen eine Rolle spielen, die die Linksfraktion im Dezember 2016 abgefragt hat. Denn auf dem Prüfstand steht gar nicht mal die Linie 9. Selbst die LVB haben deutlich genug gesagt, dass sie selbst diese Linie niemals eingestellt hätten, wenn das in ihrer Entscheidungskompetenz gelegen hätte. Die aber lag beim Landkreis Leipzig und bei der Stadt Markkleeberg, die mit dem exklusiv abgestimmten Stadtverkehrskonzept für Markkleeberg erst das Aus für die Linie 9 nach Markkleeberg-West beschlossen hatten.

    Sie wollten unbedingt ein anderes Stadtverkehrskonzept. Und genau das steht auf dem Prüfstand. Denn einfach ein paar schöne Linien malen und dann erwarten, dass die Bürger dann da auch mitfahren, das funktioniert nicht. Man findet entweder die Linienverbindungen, die den Mobilitätsbedürfnissen am besten entsprechen – oder man fährt Verluste ein.

    Und es sieht ganz so aus, dass sich die Konstrukteure des neuen Liniennetzes so einige Schnitzer geleistet haben. Einer davon ist die Wegführung der neuen Linie 108.

    Während die neu geschaffene Stadtbuslinie 106 (Großstädteln – Markkleeberg – Wachau – Probstheida – Auenhain (– Störmthaler See)) augenscheinlich funktioniert und im ersten Halbjahr 2016 pro Tag 600 Fahrgäste beförderte, erweist sich die 108, die mit dem neuen Stadtverkehrskonzept mit veränderter Linienführung über die Leinestraße fährt, als Flop. Fuhren hier auf der alten Linienführung noch 300 Fahrgäste pro Tag mit, waren es im 1. Halbjahr 2016 nur noch 90.

    „Die Linie 106 hat sich als Stadtbus Markkleeberg somit gut etabliert, auf der Linie 108 hingegen konnte die erwartete Zahl an Fahrgästen noch nicht erreicht werden“, versucht das Leipziger Dezernat Stadtentwicklung und Bau in seiner Antwort an die Linksfraktion die Sache zu beschönigen. Dabei macht diese Linie im Markkleeberger Stadtverkehr keinen Sinn. Wer fährt denn mit Umweg über Leipzig von Markkleeberg-West zum Einkaufen nach Wachau?

    Absehbar war hingegen, dass die Busverbindung mit der Linie 70, die die LVB seit Einstellung der Linie 9 nach Markkleeberg-West unterhalten, nicht so attraktiv sein würde wie die Straßenbahn. Das lässt sich aus den nun vorgelegten Fahrgastzahlen schon ablesen: Im Markkleeberger Gebiet sanken die täglichen Fahrgastzahlen von 2.570 im Schnitt auf 1.900. Was noch erheblich mehr ist als auf den beiden Markkleeberger Stadtbuslinien. Ein Fakt, der zumindest davon erzählt, um wie viel wichtiger die Verbindungen von Markkleeberg nach Leipzig sind als die von Markkleeberg West nach Ost.

    Es ist auch nicht so, dass die einstigen Fahrgäste der Linie 9 dann doch lieber gleich auf die S-Bahn umgestiegen sind. Das hat nur ein Teil der Betroffenen getan. Die meisten nutzen dabei den Zustieg zur S-Bahn in Markkleeberg Mitte. Dort stiegen die Zusteigerzahlen von 1.860 auf 2.190 Fahrgäste pro Tag. Was man durchaus unterschiedlich interpretieren kann: Sind die Markkleeberger umgestiegen, weil das S-Bahn-Fahren sowieso attraktiver ist und die S-Bahn gegenüber der parallelen Straßenbahnführung auf Dauer sowieso gewonnen hätte? Oder geben sie dem Zwang des veränderten Angebots nach?

    Denn vergessen darf man ja nicht, dass sie bis November 2015 mit der Linie 9 auch immer direkt bis ins Leipziger Zentrum fahren konnten. Das geht mit der Buslinie 70 nicht.

    Und was machen die Connewitzer, die ja die Linie 9 zuletzt immer eifriger nutzten?

    Sie haben das neue Angebot der LVB angenommen. Zwar sanken die Einsteigerzahlen auf der Wolfgang-Heinze-Straße deutlich von 800 auf 580 Fahrgäste. Dafür fährt ja die Linie 9 nun auf der Bornaischen Straße und hat dort im Einklang mit der Linie 11 bis zum S-Bahnhof-Connewitz das Angebot praktisch verdoppelt. Was dann dort die Zusteigerzahlen beider Linien zusammen von 3.500 auf 4.600 erhöht hat – 1.800 davon allein auf Linie 9. Die Idee der LVB, die eingekürzte Linie 9 einfach dazu zu nutzen, bis zum S-Bahnhof-Connewitz das Angebot zu verbessern, funktioniert also.

    Die Notlösung hat also deutliche positive Effekte – für Leipzig.

    In Markkleeberg, so vermutet das Planungsdezernat, habe nur die S-Bahn noch nicht ihren vollen Effekt entfaltet, weil durch die Bauarbeiten hinter Gaschwitz noch kein stabiler 10-Minuten-Takt gegeben ist. Die Zukunft wird es zeigen.

    Aber egal, wie man es dreht: Die Verbindungen von Leipzig nach Markkleeberg-West und damit in Nähe des Cospudener Sees sind unattraktiver geworden.

    Seit 2015 steht deshalb auch die Forderung des Leipziger Ökolöwen im Raum, eine tragfähige Straßenbahnverbindung zum Cospudener See zu prüfen. Erste Rückmeldungen der Verantwortlichen im Jahr 2015 hatten angedeutet, dass das ökonomisch nicht darstellbar wäre. Aber nach dem entsprechenden Prüfauftrag scheinen ein paar kühle Rechner doch so eine Ahnung zu haben, dass der Vorschlag ganz und gar kein Quatsch ist. Das Planungsdezernat jedenfalls teilt auf die Linke-Anfrage mit: „Entsprechend des Ratsbeschlusses VI-A-01390 läuft derzeit noch gemeinsam mit den LVB und der Stadt Markkleeberg die Untersuchung, welche Möglichkeiten für eine attraktive schienengebundene ÖPNV-Anbindung des Cospudener Sees und des Markkleeberger Sees bestehen und unter welchen Rahmenbedingungen diese umsetzbar wären. Insofern sollte derzeit noch keine abschließende Einschätzung zur langfristigen Perspektive dieses Streckenabschnittes erfolgen.“

    Da wird man auf jeden Fall auch wieder ein paar Millionen investieren müssen. Aber das wird man für ein sinnvolles Straßenbahnnetz der Zukunft sowieso tun müssen. Selbst dann, wenn sich kleine Vororte wie Markkleeberg stur stellen, weil sie glauben, Verkehrspolitik höre einfach an der Stadtgrenze auf. Im Gegenteil: Gerade die Leipziger Vororte werden künftig noch viel besser ins Leipziger ÖPNV-Netz eingebunden werden müssen. Das ergab nämlich die letzte Ermittlung zur Verkehrsmittelnutzung in Leipzig: Gerade in den Randlagen der Stadt ist die ÖPNV-Nutzung drastisch zurückgegangen. Und das kann nur daran liegen, dass das Angebot nicht passt, nicht genügt, nicht abgestimmt und nicht barrierefrei ist.

    Was nicht immer an den LVB liegt.

    Die Antwort auf die Anfrage der Linken zur Linie 9.

    In eigener Sache: Lokaler Journalismus in Leipzig sucht Unterstützer

    https://www.l-iz.de/bildung/medien/2017/01/in-eigener-sache-wir-knacken-gemeinsam-die-250-kaufen-den-melder-frei-154108

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