Es heißt zwar „Zielnetz 2018+“, was der ZVNL als nächste Handlungsoptionen in seinen „Nahverkehrsplan 2017“ beschreibt. Aber der Umsetzungshorizont ist eher das Jahr 2025. Und auch dann wird nicht alles erreicht sein, was dieses Netz könnte, wenn wirklich auch einige Minister und Bahnvorstände mitziehen würden. Was man auch an Haltepunkten spürt, die einfach nicht richtig funktionieren, weil das Angebot nicht stimmt.

So richtig geht die Post ab, wenn ein Haltepunkt im S-Bahn-Netz mindestens 500 Einsteiger am Tag hat. Orte, die es nur auf 200 Einsteiger bringen, will der ZVNL trotzdem dauerhaft im Netz halten.

Und dabei sind einige Haltepunkte noch im Bau – etwa die Essener Straße, wo der ZVNL von Eröffnung an mit mindestens 1.500 Einsteigern am Tag rechnet.

Anderswo aber fehlt was. Da denkt man schon 2018 darüber nach, hier keinen Zug mehr halten zu lassen.

„Aufgrund der geringen Nachfrage (weniger als 50 Ein- und Aussteiger pro Tag) wurde im Nahverkehrsplan 2008 die Auflassung der Halte Pönitz, Leipzig-Großzschocher sowie Leipzig-Knautnaundorf empfohlen. Der Haltepunkt Pönitz wird aktuell von der S 4 bedient und hatte 2016 im Mittel ca. 83 Ein- und Aussteiger pro Tag. Eine Auflassung ist nicht mehr vorgesehen“, liest man im Nahverkehrsplan. „Der Haltepunkt Leipzig-Großzschocher wurde aufgelassen. Der Haltepunkt Leipzig-Knautnaundorf wird nur noch von einer Fahrt am Morgen aus Richtung Leipzig bedient. Für den Jahresfahrplan 2018 ist aufgrund der fehlenden Nachfrage die vollständige Auflassung des Haltepunktes vorgesehen.“

Klares Ergebnis: Wo keine attraktive S-Bahn mindestens im Stundentakt fährt, funktionieren auch Leipziger Haltepunkte nicht (mehr).

Wird sich hier etwas ändern?

Bis 2015 zumindest nicht.

Mit der S-Bahn nach Markranstädt

Dafür rückt jetzt die S-Bahn nach Markranstädt endgültig in den Fokus der Planer, auch wenn sie erst einmal prüfen wollen, ob eine Taktverdichtung nach Grünau vielleicht lohnenswerter wäre.

„Die neue Linie S 6 verkehrt entweder von Markranstädt oder von Leipzig Miltitzer Allee über Hauptbahnhof, Connewitz und Markkleeberg-Gaschwitz bis nach Borna im
30-Minuten-Takt und weiter bis Geithain im 60-Minuten-Takt. Es werden hierfür die aktuellen Leistungsteile (Fahrplanjahr 2016) der Linien S 1 Leipzig-Messe–Hauptbahnhof, S 2 Leipzig Hbf–Gaschwitz und S 3 Gaschwitz–Geithain genutzt.“

Aber noch liegt kein belastbares Prüfergebnis vor.

„Die Entscheidung zum Startpunkt der Linie (Markranstädt oder Miltitzer Allee) ist während der Laufzeit des vorliegenden NVP noch zu treffen. Mit dem Startpunkt Markranstädt wäre ein weiteres wichtiges Grundzentrum im Leipziger Umland an das S-Bahn-Netz angebunden. Zwischen Leipzig-Leutzsch und Leipzig Hbf würde sich aus der Überlagerung der Linien S 6 und S 1 ein 15-Minuten-Takt ergeben (für 4 Zugangsstellen). Gleichzeitig ermöglicht die Anbindung von Markranstädt direkt über Leipzig-Leutzsch eine kürzere Fahrzeit gegenüber anderen möglichen Varianten sowie eine effiziente Nutzung der vorhandenen Infrastruktur.

Mit dem Startpunkt Miltitzer Allee würde sich zwischen diesem Startpunkt und Leipzig Hbf aus der Überlagerung der Linien S 6 und S 1 ein 15-Minuten-Takt ergeben (für 10 Zugangsstellen). Profitieren würden davon insbesondere die Menschen im Wohngebiet Leipzig-Grünau. Allerdings sind für den Großteil der Bewohner die Haltestellen der Straßenbahn besser zu erreichen als die S-Bahn-Haltepunkte, da das Wohngebiet durch zwei Straßenbahntrassen – nördlich und südlich der S-Bahn – erschlossen wird.

Die Prüfung beider Varianten und die sorgfältige Abwägung der Vor- und Nachteile sind Voraussetzung einer fundierten Entscheidung für eine der beiden Optionen zur
Führung der neuen Linie S 6.“

Einsteiger im Mitteldeutschen S-Bahn-Netz. Karte: ZVNL
Einsteiger im Mitteldeutschen S-Bahn-Netz. Karte: ZVNL

Taktverdichtung Richtung Eilenburg und Torgau

In Eilenburg wird ja bekanntlich schon heftig um Leipziger Umzügler geworben, die in Eilenburg leichter eine Wohnung finden könnten und mit der S-Bahn recht flott zur Arbeit in Leipzig kämen. Logisch, dass hier eine Taktverdichtung in der Planung steht.

„Die Linie S 4 bedient auch zukünftig ausgehend von Leipzig-Stötteritz und Hauptbahnhof die Mittelzentren Eilenburg und Torgau sowie Hoyerswerda (Oberzentraler Städteverbund Bautzen-Görlitz-Hoyerswerda). Hierbei wird für die Abschnitte Leipzig–Thekla–Eilenburg die Verdichtung auf einen 30-Minuten-Takt sowie für Eilenburg–Torgau die Verdichtung auf einen 30- bzw. 60-Minuten-Takt (halbstündlich versetzt zum RE 10) geprüft. Durch die Überlagerung mit der Linie RE 10 ergäbe sich mit dieser Verdichtung zwischen Torgau und Leipzig Hbf ein Angebot im 30-Minuten-Takt. Der gegenüber dem Status quo verdichtete Takt bis Torgau würde dann eine Beschleunigung des RE 10 durch Auflassung einzelner Halte (Doberschütz, Mockrehna, Eilenburg Ost) ermöglichen. Auf dem Abschnitt Torgau–Hoyerswerda bleibt es beim 120-Minuten-Takt“

S-Bahn-ähnlich künftig nach Grimma

Das leidige Problem von Grimma ist ja bis heute: Die Strecke nach Leipzig ist nicht elektrifiziert. Aber der ZVNL möchte Grimma natürlich im S-Bahn-Netz sehen. Aber wie macht man das, wenn man die elektrischen Züge der DB nicht dorthin fahren lassen kann?

Was sich der ZVNL für die nächsten Jahre überlegt hat, sieht so aus: „Für den Betrieb der RB 110 ist ein Stärken und Schwächen der Züge in Grimma von und nach Döbeln vorgesehen. Da eine Einbindung Grimmas in das Mitteldeutsche S-Bahn-Netz aufgrund fehlender infrastruktureller Voraussetzungen und Verkehrsvertraglichen Rahmenbedingungen nicht vor dem Jahr 2025 möglich sein wird, wird derzeit geprüft, ob das vorhandene SPNV-Angebot nach Grimma weiter (z. B. auf einen durchgängigen 30-Minuten-Takt) ausgebaut werden kann und damit zumindest S-Bahn ähnlich gestaltet wird. Alle Regionalbahnlinien betreffende Maßnahmen werden vor Ihrer Umsetzung umfassend geprüft.“

Fahren würde man dann mit den gewöhnlichen Dieselzügen, auch wenn Oliver Mietzsch, der Geschäftsführer des ZVNL, sich durchaus auch wasserstoffbetriebene Züge auf dieser Strecke vorstellen kann. Wichtig ist die dichtere Vertaktung, damit Grimma als Wohn- und Arbeitsort in Leipzig-Nähe attraktiv bleibt. Und die Elektrifizierung der Strecke ist auch nicht vom Tisch. Dazu kommen wir noch.

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