SPD-Kandidatinnen schlagen einen Radschnellweg nördlich der Jahnallee vor

Für alle LeserMan merkt, dass auch bei der Leipziger SPD ein Generationenwechsel stattfindet. Auf einmal nehmen sich die Sozialdemokratinnen mancher Themen an, die in der Leipziger Stadtpolitik immer zu kurz kamen, als störend und gar als Luxusthema betrachtet wurden. So wie der Radverkehr. Nun preschen zwei Kandidatinnen der SPD zur Stadtratswahl mit einer Idee vor, wie man – parallel zur Jahnallee – einen richtigen Radschnellweg bauen könnte.

Denn am heutigen 8. März sollen die neuen Regelungen auf der Inneren Jahnallee umgesetzt werden. Die Parkspuren rechts und links, die eindeutig die Ursache für viele Unfälle von Radfahrern und Fußgängern waren, werden nach 13 Jahren eines heillos verunglückten Pilotversuchs endlich wieder aufgehoben, die Bundesstraße 87 hier wieder vierspurig, was auch Radfahrern hilft, denn jetzt können sie wirklich wieder auf der rechten Außenspur fahren und werden nicht zwischen Straßenbahn und parkenden Autos eingeklemmt.

Das ist für den Radverkehr noch nicht die optimale Lösung. Über richtige Radfahrstreifen rechts und links muss dass zuständige Amt noch ein paar Jährchen nachdenken. Aber Julia Kneisel und Leonie Weber haben sich mal von der Jahnallee als Nadelöhr für alles gelöst und sich überlegt, wie ein wirklich leistungsstarker Radschnellweg von Lindenau ins Leipziger Zentrum aussehen könnte.

Julia Kneisel kandidiert im Wahlkreis Leipzig Alt-West auf dem Listenplatz 2 der SPD für die Stadtratswahl. Sie fährt von Lindenau aus oft mit dem Fahrrad über die Innere Jahnallee und kennt die Situation gut. Sie ist stellvertretende Vorsitzende des SPD Ortsvereins Alt-West und Beisitzerin im Stadtvorstand der SPD Leipzig.

Leonie Weber kandidiert im Wahlkreis Leipzig Mitte auf dem Listenplatz 2 der SPD für die Stadtratswahl. Sie wohnt im Umfeld der Inneren Jahnallee und kennt die Situation vor Ort, als Radfahrerin und Kundin vieler ansässiger Händlerinnen und Händler. Sie ist Vorsitzende des SPD Ortsvereins Mitte und Stadtbezirksbeirätin im Stadtbezirk Mitte.

Sie gehen sogar so weit, die Radroute schon am Cottaweg von der bisherigen Route abweichen zu lassen, in deren Verlauf sich Fußgänger und Radfahrer einen schmalen Weg auf der Brücke teilen müssen. Das ist eh schon ein Unding. Man sieht es aber gar nicht mehr, weil man sich als Leipziger Radfahrer daran gewöhnt hat, dass es überall von Provisorien wimmelt und den Radfahrenden eigentlich permanent Konflikte und Kollisionen zugemutet werden, für die sie dann auch noch von empörten Autofahrern über die Medien niedergemacht werden.

Man merkt schon, dass Leipzigs Radpolitik seit etlichen Jahren eher eine Malaise war als das, was in Luftreinhalteplänen und anderen Wunderprodukten gern verheißen wurde.

Die beiden Radlerinnen schlagen nun einfach mal vor, auf einer Fahrradbrücke nach dem Vorbild von Kopenhagen (Cykelslangen) das Elsterbecken nördlich der Zeppelinbrücke zu überqueren, am Sportforum vorbei Richtung Gustav-Adolf-Straße zu fahren und von dort über Humboldtstraße und Keilstraße die Gerberstraße querend zur Westseite des Hauptbahnhofs zu kommen. Und weil viele Radler ja vorher in die City wollen, soll es am Naturkundemuseum vorbei eine direkte Verbindung Richtung Richard-Wagner-Platz geben.

Wer die Routen kennt, ist stückchenweise entsetzt, denn an etlichen Stellen gibt es unmögliche Kreuzungen, viele ohne Ampeln, manchmal nicht einmal direkte Durchwege, weil den Verkehrsplanern der ungestörte Autoverkehr immer wichtiger war als die Möglichkeit der Radfahrer, irgendwo mit Rad gerade durchzukommen.

Dass noch ein paar ordentliche Ampelanlagen fehlen, ist den beiden Autorinnen des Vorschlags bewusst.

„Die vorgeschlagene Route hat am Elsterbecken eine Kreuzung mit dem Fahrradweg entlang der Elster nach Südwesten und Nordwesten und an der Westseite des Hauptbahnhofes Anschluss an den geplanten Radweg nach Gohlis (entlang der S-Bahn im Zuge der anstehenden Neubauviertel) und eine mögliche Variante des Parkbogens Ost. Zudem ist auf der Westseite des Hauptbahnhofs eine Radstation geplant“, betonen sie noch die verbindende Funktion ihres Vorschlags. „An Kreuzungen mit wichtigen Straßen für den Autoverkehr sollen Ampeln eingerichtet werden, die mit einer grünen Welle für den Radverkehr geschaltet sind. Entlang des Naturkundemuseums kann es eine Zufahrt in die Innenstadt geben.“

Die beiden Kandidatinnen sind überzeugt: „So entlasten wir die Innere Jahnallee und lösen das Problem der Radverkehrsführung auf dem nördlichen Ring. Die Radfahrerinnen und Radfahrer in Leipzig haben eine eigene Infrastruktur verdient, die nicht nur Nebenprodukt der Straßensanierungen ist. Dafür wollen wir uns im nächsten Stadtrat einsetzen!“

Der Termintipp für heute: Am heutigen Freitag, 8. März, sind beide Kandidatinnen zwischen 16:00 und 17:00 Uhr an der Kreuzung Jahnallee/Marschnerstraße und werben für ihre Idee.

Innere Jahnallee wird vierspurig, Parkplätze verschwinden: Ein Kompromiss ist, wenn es allen wehtut

Radwege
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