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Liebertwolkwitz beantragt S-Bahn-Anschluss und Verlängerung der Linie 15

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    Am 30. Oktober soll im Leipziger Stadtrat der neue Nahverkehrsplan beschlossen werden. Und nicht nur die Fraktionen im Stadtrat haben das dumme Gefühl, dass hier schon wieder Nägel mit Köpfen gemacht werden und ein Paket festgezurrt wird, das für die nächsten zehn Jahren praktisch überhaupt keinen Ausbau im ÖPNV-Netz vorsieht. Selbst in Liebertwolkwitz fühlt man sich regelrecht abgehängt.

    Hier ist es der Ortschaftsrat des 1999 nach Leipzig eingemeindeten Städtchens, der seine Verärgerung über die fehlenden Visionen für den 5.300-Einwohner-Ortsteil in Stichpunkten in einen Antrag getackert hat.

    Denn hier spürt man schon seit Langem was es heißt, wenn ein Ortsteil in Leipziger Randlage keine belastbare ÖPNV-Anbindung hat. Die hatte Liebertwolkwitz einmal. 1928 wurde hier die Einweihung der Straßenbahnverbindung nach Leipzig gefeiert. Damals war es die Linie 25, die „Wolks“ ans Leipziger Streckennetz anband, in DDR-Zeiten war es dann die Linie 15, die Liebertwolkwitz direkt mit Lindenau (Plautstraße) verband. Doch schon in DDR-Zeiten wurde die Strecke eingekürzt, endeten die Linien 15 und 21 schon in Meusdorf. Heute fährt nur noch die 15 bis Meusdorf. Wer weiter nach Liebertwolkwitz will, muss auf den Bus umsteigen oder schwingt sich aufs Rad. Wirklich weit ist es ja nur, wenn man zu Fuß laufen will.

    Die von ihren Gleisen befreite Straßenbahntrasse wird freilich bis heute frei gehalten. Und im neuen Nahverkehrsplan taucht eine mögliche Wiederverlängerung der Strecke bis Liebertwolkwitz zumindest auf.

    Aber warum wird sie nicht ernsthaft in den Plan gesetzt, fragt sich der Ortschaftsrat. Denn dass uns eine große Verkehrswende bevorsteht, hat sich auch in Wolks herumgesprochen. Viele Menschen würden nur zu gern mit der Straßenbahn fahren, wenn sie nur einfach da wäre.

    Und so beantragt der Ortschaftsrat ziemlich kurz angebunden: „Verlängerung der Straßenbahnlinie bis Lww nicht nur als Trasse vorhalten, sondern auch beginnen, konkreter zu planen.“

    Da hätte man fast drei wütende Ausrufezeichen erwartet.

    Aber nicht nur mit der Straßenbahnanbindung erhoffen sich die Liebertwolkwitzer eine bessere Verbindung nach Leipzig, wo ja nun einmal die meisten auch zur Arbeit müssen. Immerhin gibt es auch einen Bahnhof, der eigentlich die nächste Option quasi aufdrängt: „S-Bahnlinie der Deutschen Bahn mindestens bis Bahnhof Liebertwolkwitz zu erweitern und Busanschluss zu sichern.“

    Bislang fährt keine S-Bahn nach Liebertwolkwitz. Der Leipziger Ortsteil aber liegt an der Bahnstrecke Leipzig–Chemnitz und ist auch nach deren Ausbau und Elektrifizierung als Station vorgesehen. Was eigentlich die Frage aufwirft: Warum wertet man diese Regionalstrecke dann nicht konsequent zur S-Bahn-Strecke auf und lässt S-Bahnen auch zwischen Leipzig und Chemnitz fahren? Mit Halt unterwegs unter anderem in Liebertwolkwitz? Wäre das nicht eigentlich das nötige Zukunftsdenken, wenn man die Pendlerzahlen mit Automobil wirklich deutlich senken und den Berufspendlern ein echtes Alternativangebot machen möchte?

    Oder verstehen die betroffenen Bürger einfach nicht mehr, warum unsere Verkehrspolitik von einem quälenden „Ja, aber“ dominiert wird?

    Ein „Ja, aber“, das auch die Busverbindungen betrifft, weshalb der Ortschaftsrat auch beantragt: „Weiterführung der Busverbindung 143 über Liebertwolkwitz nach Störmthal/Markkleeberg zu planen, da diese für die Anbindung ans Neuseenland von Bedeutung ist.“

    Und so mancher Wolkser ist ja auch schon in Meusdorf verzweifelt, weil der Übergang von Bus zu Straßenbahn nicht klappt. Nächster Antragspunkt also: „Die Taktung der Busverbindung/Straßenbahnverbindung besonders in den Nachtstunden besser aufeinander abzustimmen.“

    Deutlicher kann man kaum formulieren, wie sauer die Liebertwolkwitzer nach 20 Jahren Eingemeindung darüber sind, dass die große Stadt Leipzig immer noch so tut, als gäbe es Liebertwolkwitz gar nicht.

    Das betrifft noch ein weiteres Thema, das aus Liebertwolkwitzer Sicht genauso wenig zu verstehen ist: „Die Errichtung eines Park- und Ride-Parkplatzes im Stadtaußenbereich LWW, in welchem sich auch die Abfahrt Südost der A 38 befindet, zu errichten. Die Umweltzone der Stadt Leipzig beginnt an der Ortsgrenze Liebertwolkwitz.“

    Was natürlich irgendwie Quatsch ist: Da richtet das große Leipzig 2011 eine Umweltzone ein, sorgt aber nicht dafür, dass Dieselfahrer am Rand einfach problemlos umsteigen können. Bestenfalls in eine Straßenbahn, was ja sogar zu Fußballspielen Sinn macht, denn die Linie 15 fährt ja direkt zum Sportforum.

    Da es ähnliche Anträge ja auch aus anderen Ortsteilen im Eingemeindungsgebiet gab, kommt so vage der Verdacht auf, dass Leipzig seine Hausaufgaben zur Anbindung der Eingemeindeten nicht wirklich gemacht hat, sich lieber hinter den Knappheits-Plänen der LVB versteckt, aber nicht wirklich jenes belastbare ÖPNV-Netz bauen will, das die Grundlage für das vom Stadtrat beschlossene „Nachhaltigkeisszenario“ sein müsste. Die meisten Planungen zum Ausbau sollen erst bis 2024 stattfinden, der Ausbau erst danach beginnen.

    Was natürlich die politischen Vorlagen aus Dresden und Berlin, wo man derzeit bereit ist, deutlich mehr Geld für ÖPNV-Investitionen bereitzustellen, völlig konterkariert. Am Ende hat Leipzig dann 2024 endlich belastbare Ausbaupläne – aber die Fördertöpfe haben dann andere leergeräumt.

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