2019 wurden erstmals mehr als 100.000 neue Elektrofahrzeuge zugelassen

Für alle LeserIn Deutschland kommt vieles viel zu spät, ausgebremst im Interesse von alten Lobbyverbänden, die die Politik immer wieder in Panik versetzen und die Angst der Bürger vor Veränderungen schüren. Mit dem Ergebnis, dass Deutschland bei wichtigen Schlüsseltechnologien den Anschluss verpasst. Unübersehbar ist das derzeit bei der E-Mobilität, wo andere Länder die Marktführerschaft übernommen haben. Dabei kommt das E-Auto-Kaufen endlich in die Gänge, meldet der VDIK.

VDIK ist der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller. Und er hat jetzt zum Jahresbeginn die Verkaufszahlen zu Pkws mit alternativen Antrieben zusammengestellt. Eigentlich hätten ja mittlerweile 1 Million Elektrofahrzeuge auf unseren Straßen rollen sollen, wie das Bundeskanzlerin Angela Merkel mal vor Jahren angekündigt hatte. Aber von dieser Zahl ist die Bundesrepublik noch weit entfernt. 2019 wurde im Verkauf freilich eine wichtige Schwelle genommen.

Dabei bekräftigte Bundeskanzlerin Angela Merkel immer wieder das Ziel, dass 2020 eine Million E-Autos auf Deutschlands Straßen rollen sollten.

So auch 2017, wo sie damit wieder bei einer Rede brillierte, obwohl sich seit 2013, wo sie ebenfalls diese schöne Zahl beschwor, fast nichts geändert hatte. Die Zahl selbst hatte die Bundesregierung 2008 ausgegeben, damals noch mit Sigmar Gabriel (SPD) als Wirtschaftsminister.

Das Problem war nur: Den entscheidenden Posten des Verkehrsministers besetzte all die Jahre immer nur die CSU, die mit solchen Schnapsideen wie der „Ausländermaut“ brillierte. Aber wenn es um den Erhalt der alten Verbrenner-Modelle ging, duldete das Ministerium auch noch die letzten Abgastricksereien. Wirklich wirksame Programme, das E-Auto endlich zum Standard im Fahrzeugpark deutscher Autohersteller zu machen, hat es die ganze Zeit nicht gegeben.

Und so fehlt es noch immer an einer flächendeckenden Ladestruktur, an Programmen zur Unterstützung solcher Infrastrukturen in den Städten.

Und trotzdem scheint 2019 der Groschen gefallen zu sein. Es werden endlich mehr E-Autos gekauft. Möglicherweise auch, weil endlich auch bezahlbare Modelle internationaler Hersteller verfügbar sind. Gerade bei Batterieelektrischem Fahrzeug, engl: Battery Electric Vehicle (BEV), und Plug-In-Hybrid, engl: Plug-In Hybrid Electric Vehicle (PHEV), zogen die Verkaufszahlen endlich an. Sie sind zwar noch weit entfernt von den Hunderttausender-Zahlen bei Otto- und Diesel-Motoren.

Aber endlich wurde zumindest die Zahl von 100.000 überschritten.

In Deutschland fuhren im vergangenen Jahr 108.837 neue Pkw mit Elektroantrieb auf die Straßen. Das ist ein Zuwachs von 61 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Anteil von Elektrofahrzeugen am Gesamtmarkt stieg auf genau 3 Prozent (2018: 1,9 Prozent). Im letzten Monat des Jahres legten die Elektro-Neuzulassungen noch einmal besonders stark zu: plus 98 Prozent auf 11.360 Einheiten, meldet nun der VDIK seine Auswertung der Verkaufszahlen.

Alternative Antriebe erlebten im vergangenen Jahr insgesamt einen starken Zuwachs: Das Kraftfahrt-Bundesamt registrierte 317.617 neue Pkw mit alternativen Antrieben, dazu zählen neben Elektroautos auch Hybride und Gas-Pkw. Die Zunahme beträgt hier sogar 75 Prozent. Damit erreichten Autos, die nicht ausschließlich mit einem herkömmlichen Diesel- oder Benzinmotor angetrieben werden, einen Marktanteil von 8,8 Prozent, nach gut 5 Prozent im Jahr 2018.

Reinhard Zirpel, Präsident des Verbandes der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) betont: „Alternative Antriebe haben 2019 den Durchbruch geschafft. Fast jedes zehnte Auto hatte einen Elektro-, Hybrid- oder Gasantrieb. Im kommenden Jahr wird dieser Anteil weiter steigen, auf bis zu 15 Prozent.“

Unter den Elektrofahrzeugen stiegen vor allem die Neuzulassungen von batterieelektrischen Pkw (BEV) stark an. Im Jahresverlauf wurden 63.281 BEV verkauft (plus 76 Prozent). Außerdem kamen 45.348 neue Plug-In-Hybride (PHEV) hinzu. Hier betrug der Zuwachs 44 Prozent. Im Gesamtjahr wurden darüber hinaus 208 Brennstoffzellenfahrzeuge (FCEV) neu zugelassen (plus 38 Prozent). Diese Fahrzeuge stammen zu 99 Prozent von internationalen Herstellern.

„Mehr als 100.000 Neuzulassungen zeigen: Elektroautos fahren in Deutschland aus der Nische heraus“, freeut sich Zirpel. „Die internationalen Hersteller sind auch bei der Elektromobilität Trendsetter.“ Das 2019 meistverkaufte Batterie-Elektroauto kommt von einem VDIK-Unternehmen. Der zulassungsstärkste Plug-In-Hybrid war ein Importauto. Auch serienreife Brennstoffzellenfahrzeuge gibt es aktuell nur von internationalen Herstellern. Nächstes Jahr werden in Deutschland voraussichtlich mindestens 160.000 Elektrofahrzeuge neu zugelassen.

50 verschiedene E-Modelle von internationalen Herstellern wie Kia, Nissan, Peugeot, Renault oder Volvo sind mittlerweile in Deutschland verfügbar.

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