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Haben die Sachsen 2013 tatsächlich mehr konsumiert oder doch nur wieder mehr Geld ausgegeben?

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    Wie geht man eigentlich mit Konsumstatistiken um? So richtig wissen das augenscheinlich auch die deutschen Statistiker nicht. Irgendwie scheinen sie zu versuchen, mit ihren Meldungen zum Thema die flapsige Oberflächlichkeit einiger Medien nachzuahmen. "Einkommenszuwächse der Sachsen flossen 2013 nur in den privaten Konsum", überschrieben Sachsens Statistiker so eine Meldung vom Mittwoch, 1. Juli. Ein konsumverrücktes Volk also, diese Sachsen?

    Nicht wirklich viel besser ist das, was die Bundesstatistiker aus dem Thema machen: „Nach 25 Jahren: Einheitliches Konsummuster in Ost und West“. Von einem einheitlichen Konsummuster kann man nur reden, wenn man die reinen Prozentwerte nimmt, beispielsweise: „Wohnung (Ost: 34,2 %; West: 34,5 %), Mobilität (Ost: 13,9 %; West: 14,3 %) und Nahrung aus (Ost: 14,4 %; West: 13,8 %).“

    Aber wenn man dann mal genauer aufs Geld schaut, das für Konsum tatsächlich zur Verfügung steht, klaffen Welten auf: „Für private Haushalte im früheren Bundes­gebiet beliefen sich die Konsum­ausgaben im Jahr 2012 auf rund 2.400 Euro, in den neuen Ländern und Berlin auf rund 1.900 Euro.“ Wohlgemerkt: Das sind jetzt die Zahlen für Haushalte pro Monat.

    Pro Nase ist es natürlich etwas weniger. Die sächsischen Statistiker kommen für 2012 nur auf rund 1.350 Euro Konsumausgaben pro Kopf und Monat, 2013 waren es dann 1.398 Euro. Und das Geld haben die Sachsen natürlich nicht alles beim Shopping springen lassen. Mal ganz davon zu schweigen, dass es auch 2013 eine Inflation gab und die Preise insgesamt um 1,6 Prozent stiegen. 2012 hatte die Jahresteuerung übrigens die Lohnzuwächse der Sachsen schon komplett aufgefressen. Und ganz so ans „Konsumieren“ haben die meisten Sachsen 2013 wohl auch nicht gedacht, denn besonders heftige Preisanstiege gab es bei den täglichen Nahrungsmitteln – vom Brot über die Butter bis hin zu Obst und Gemüse.

    Da klingt es eher ein wenig daneben, wenn Sachsens Statistiker formulieren: „Im Jahr 2013 hat jeder Einwohner in Sachsen durchschnittlich 16.777 Euro für den privaten Konsum ausgegeben, das waren 366 Euro bzw. 2,2 Prozent mehr als 2012. Außerdem wurden von dem pro Kopf im gesamten Jahr verfügbaren Einkommen rund sechs Prozent bzw. 1.105 Euro pro Person gespart. Dieser Sparbetrag blieb gegenüber dem Vorjahr mit einem Minus von elf Euro nahezu unverändert, verringerte sich aber seit dem Jahr 2010 kontinuierlich.“

    Als wenn der normale Bürger jedes Jahr zu Silvester da sitzt und überlegt, ob er den Euro nun in einen neuen Mixer steckt oder aufs Sparkonto legt – wobei ja nun seit 2008 selbst die Statistiker abraten, das Geld zu „sparen“, weil das Sparkonto keinen Ertrag mehr abwirft. Tatsächlich ist mit dem lapidaren Wort „Sparen“ eher das gemeint, was Menschen so in Bausparverträgen, Lebens- und Rentenversicherungen anlegen. Und wenn der Betrag tatsächlich sinkt, dann spricht das eher dafür, dass die Meisten gar kein Geld übrig haben, das sie noch irgendwo auf die hohe Kante legen können.

    Der „gestiegene Konsum“ erzählt schlicht davon, dass die Sachsen ihre kleinen Einkommenszuwächse komplett wieder in die täglich notwendigen Anschaffungen stecken mussten. Es klaffen augenscheinlich Welten zwischen dem Bild, das sich Statistiker vom Menschen machen, und dem Alltag der Bürger.

    „Deutschlandweit erreichten die privaten Konsumausgaben 19.141 Euro je Einwohner, 348 bzw. 1,9 Prozent mehr als 2012“, haben die sächsischen Landesstatistiker noch als Zahl zu vermelden. Was eine der Erklärungen dafür ist, dass die Sachsen ihre Lohnzuwächse gleich wieder „verfrühstückt“ haben: Sie haben nach wie vor eine deftige Einkommenslücke von  fast 3.000 Euro im Jahr gegenüber den Bewohnern der etwas älteren Bundesländer. „Das aktuelle sächsische Ergebnis entsprach 87,6 Prozent des gesamtdeutschen Niveaus. Für die alten Länder ohne Berlin lag der  Pro-Kopf-Wert bei 19.768 Euro und damit reichlich 3.000 Euro über dem Ergebnis für die fünf neuen Länder.“

    3.000 Euro weniger im Jahr, die eben nicht für Konsum zur Verfügung stehen – wo dann auch Auto, Kühlschrank, Wohnung dazu gehören.

    Und was passiert, wenn das Einkommen wieder direkt für den täglichen Bedarf ausgegeben werden muss? Man schließt eben keine Sparverträge ab, damit sich das lose Geld ein bisschen vermehren kann.

    Und das erzählen die Statistiker dann so: „2013 wurden im gesamtdeutschen Maßstab 1.912 Euro je Einwohner gespart, 1,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Dabei überstieg der Pro-Kopf-Sparbetrag in den alten Ländern den in den neuen Ländern (jeweils ohne Berlin) um reichlich 900 Euro. In den fünf neuen Ländern ging der Pro-Kopf-Sparbetrag im Vergleich zu 2012 um 3,3 Prozent zurück, in den alten Ländern fiel der Rückgang mit 1,6 Prozent etwas geringer aus.“

    Und die Zahlen? Sie stehen in der angehängten Presseinformation (siehe unten). Die Zahlen sagen eigentlich genug: Während die Sachsen im Schnitt 1.105 in irgendeine Art Geldanlage stecken konnten, konnten die Bayern 2.447 zurücklegen, die Baden-Württemberger 2.462. Am knappsten waren im Osten übrigens die Mecklenburger dran, die nur 933 Euro abzweigen konnten.

    Wie winzig der Betrag ist, den die Sachsen tatsächlich zurücklegen konnten, steckt in diesem Satz: “ Das  Sparen  belief  sich  auf  4,6 Milliarden Euro und damit  1,1 Prozent  weniger  als  im  Vorjahr.“

    Dafür sorgten die steigenden Preise im Laden dafür, dass noch mehr Geld in den Konsum floss: „Das Gesamtvolumen der Konsumausgaben in  Sachsen  im  Jahr  2013  betrug  69,2 Milliarden Euro  in  jeweiligen  Preisen, 2,1 Prozent  mehr  als 2012.“ Und dass das wirklich nicht mit einem Kaufrausch einher ging – und wohl auch nicht mehr einem großeren Warenumfang, zeigt der bundesweite vergleich: „Der  Anteil  Sachsens  an  den deutschen Konsumausgaben blieb seit dem Jahr 2011 stabil bei 4,4 Prozent und  beim  Sparen bei 2,9 Prozent.“

    Womit eigentlich auch für 2013 dasselbe gilt, was wir schon für 2012 feststellen konnten: Die steigenden Preise insbesondere für die Grundversorgung haben die kleine Einkommenssteigerung von 2013 komplett aufgefressen. Mehr konsumiert haben die Sachsen wohl nicht dabei.

    Die Mitteilung zu den Konsumausgaben der Sachsen 2013.

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