Welche Möglichkeiten gibt es zur Kostenbegrenzung für Mieter und Stromverbraucher bei der notwendigen Energiebereitstellung für Strom? Dass Strom in Deutschland teurer ist als anderswo, hat auch mit den diversen zusätzlichen Belastungen des Strompreises zu tun. Welche sind das?
Kohlendioxidausstoß und CO₂-Zertifikate-Handel
Um den Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid (CO₂) zu reduzieren, zahlen alle Verbraucher und CO₂-Emittenten, wenn sie damit in 2026 Strom erzeugen oder Kohle, Kraftstoff oder Gas verbrennen, einen Fixpreis von 65 € pro Tonne emittiertem CO₂ (berechnet als Äquivalent). Dieser Preis ist 2026 noch gedeckelt. Vorgesehen war 2027, jetzt ab 2028 soll in der EU der CO₂-Preis freigegeben, d. h. frei auf dem Energiemarkt gehandelt werden.
Eine Prognose zur CO₂‑Preis-Entwicklung ab 2028 ist schwer möglich, da sich die Preise durch Angebot und Nachfrage bilden. Die Schätzungen von Experten gehen davon aus, dass die Preise dann eher steigen werden, als fallen – irgendwo zwischen 40 bis 400 €/t CO₂.
Wer dann noch viel CO₂ emittiert, also Strom erzeugt, eine Heizung oder ein Kfz mit fossilen Brennstoffen betreibt, muss ab 2027 mit enormen Kostensteigerungen rechnen. Schon allein deshalb und weil auch die Preise für LNG-Gas steigen, ist die Umstellung der Heizung auf erneuerbare Energien sinnvoll und zukunftsorientiert.
Flexibler Industriestrompreis
Seit Januar 2026 wird der Industriestrompreis für Stromgroßabnehmer mit jährlich über 3 Milliarden € subventioniert. Diese Förderung sollte aber gekoppelt sein an Strom-Eigeninvestitionen in das Unternehmen, damit die Firma vom Industriestrompreis profitiert und damit auch die Beschäftigten. Wichtig wäre es auch, Großverbrauchern Anreize zu geben, um ihre Stromabnahme flexibler zu gestalten, Strom dann abzunehmen, wenn viel Strom im Netz anliegt.
Netzentgelte
Die Netzentgelte und damit die Stromkunden und Verbraucher werden durch die Bundesregierung auf lange Zeit zusätzlich belastet durch vorgesehene Subventionen in neue Gaskraftwerke.
Bei der neuen Kraftwerksstrategie von Frau Reiche, genannt Netzpaket, von Januar 2026 geht es um Milliarden-Subventionen für den Bau von neuen Gaskraftwerken mit 10–12 Gigawatt (GW) Leistung, um eine mögliche Stromknappheit zu bestimmten Zeiten zu überbrücken.
Die Bundesregierung muss diesen Neubau und den Betrieb der Gaskraftwerke finanzieren, denn ohne Subventionen rentiert sich die Bewirtschaftung dieser Anlagen nicht. Vorgesehen ist für diese Gas-Kraftwerksstrategie nach jetzigem Stand, dass bis 2031 die Bundesregierung 4–5 Milliarden € an Steuergeldern einsetzt.
Die Stromverbraucher müssen dann aber die vorgehaltenen Kapazitäten, die sich nicht über andere Geschäftsmodelle refinanzieren können, ab 2032 zusätzlich zum Strompreis mitbezahlen.
Da diese fossilen Reservekraftwerke nur zu bestimmten begrenzten Zeiten laufen, also nur in Notfällen, müssen diese aber für die gesamte Betriebsdauer vorgehalten, also subventioniert werden, was wiederum zusätzliche Kosten über die Netzentgelte bedeutet.
Das wäre also keine Lösung zur Reduzierung der Netzkosten. Diese Reservekraftwerke erhöhen den Strompreis, anstatt dass dieser gesenkt würde, und unterlaufen damit eher das Geschäftsmodell zum Ausbau von Stromspeichern.
Lt. einer Studie des Forums Ökol-Soziale Marktwirtschaft würden für diese ca. 10–12 Gaskraftwerke Subventionen in Höhe bis zu 32,2 Mrd. € anfallen, die als neue Umlage den Strompreis um 1,6 Ct/kwh zusätzlich belasten würde (Artikel LVZ vom 12.4.2025).
Um die Netzentgelte zu reduzieren, sind Reformen erforderlich
Unternehmen mit einer Stromabnahme von mind. 10.000.000 kWh und einer Benutzungsstundenanzahl von mehr als 7.000 Stunden im Jahr können von einer möglichen Reduzierung der Netzentgelte nach § 19 Absatz 2 StromNEV profitieren, im Umfang je nach Abnahmemenge zwischen 10 % bis 20% der Netzentgelte.
Diese Kosten werden weiterhin auf Haushalte und nicht privilegierte, oft mittelständische Unternehmen umgelegt. Der Strompreis verteuerte sich dadurch 2024 um 0,643 ct/kWh bzw. 32 Euro für einen Durchschnittshaushalt.
Mit diesen Netzentgeltbefreiungen wird aber anderseits die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie unterstützt, die damit Steuereinnahmen und Arbeitsplätze sichert. Das muss miteinander abgewogen werden.
Die Reform der Netzentgelte ist eine der wichtigsten Reformen, um die Energiewende nicht auszubremsen. Insbesondere müssen die Netzentgelte so gestaltet werden, dass private Verbraucher für den Stromverbrauch nicht mehr bestraft werden, d.h. Netzentgelte, Steuern, Umlagen und Abgaben pro kWh unabhängig von der regionalen Netzsituation sollten abgeschafft werden.
Zudem muss es sich für Industriebetriebe lohnen, ihre Gaskraftwerke um Power2heat-Anlagen zu ergänzen. Wenn der Stromanschluss sowieso schon besteht, sollten keine zusätzlichen Netzentgelte für einen neuen Verbraucher entstehen oder diese sollten zumindest deutlich reduziert sein.
Ein interessantes Modell ist es, 100 % der Netzentgelte über regional zeitvariable Tarife abzudecken. Auch die StromNEV und KWK-Umlage sollten entweder abgeschafft oder zeitlich und regional dynamisiert werden.
Ausbau und Modernisierung der Stromverteilnetze
Um die Engpässe bei den Stromverteilnetzen abzubauen, sind die Verteilnetze zu modernisieren, die Digitalisierung und Flexibilisierung müssen umgesetzt werden, die Möglichkeiten zum Einsatz der Smart Meter und flexibler Stromtarife müssen geregelt werden. Bestehende Netzengpässe und der weitere Ausbau der erneuerbaren Energien müssen besser synchronisiert werden.
Dazu gehören auch der Ausbau des Stromnetzes zu dezentralen und eigenständigen Netzen, der Nutzung der Flexibilisierungspotentiale der Sektorenkopplung und die Optimierung der möglichen Netzanschlüsse durch den Anschluss von mehreren unterschiedlichen Stromanbietern.
Technisch wäre es oftmals möglich, an einen Netzanschlusspunkt sowohl Solar-, Windkraft- und Speicheranlagen gemeinsam anzuschließen, da die Anlagen zu unterschiedlichen Zeiten Strom einspeisen. Dabei geht es darum, angesichts knapper Netzkapazitäten diese wenigstens optimal auszureizen.
Empfohlen auf LZ
So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:















Keine Kommentare bisher