"Porsche zahlt sportliche Prämie", meldete das "Manager Magazin" am 29. Februar. Die deutschen Autobauer haben ein Rekordjahr hinter sich und lassen nun - werbewirksam - ihre Mitarbeiter am Erfolg teilhaben. Einige Mitarbeiter. Nicht alle. Dabei wusste auch Porsche-Chef Matthias Müller, von wem er da eigentlich sprach.

Denn das “Manager Magazin” zitiert ihn auch mit der Aussage, dass der Erfolg des Autobauers aus dem überdurchschnittlich hohen Einsatz und der Flexibilität der Mitarbeiter resultiere. “Sie sind der Motor des Unternehmens, und dies belohnen wir mit einer Rekord-Sonderzahlung.”

“Jedoch,” so hält die Leipziger SPD-Bundestagsabgeordnete Daniela Kolbe fest, “nicht alle. Vor allem die Beschäftigten bei den Zulieferern und im Bereich der industriellen Dienstleistung erhalten meist keine Prämien. Diese sind aber wichtiger Teil der Wertschöpfung im Automobilsektor und müssen auch an den Rekordgewinnen fair beteiligt werden.”

Der Porsche-Betriebsratsvorsitzende Uwe Hück hat für die Porsche-Beschäftigten 7.600 Euro Prämie ausgehandelt. Aber nur die in den eigentlichen Porsche-Werken.

“Wir als Zulieferer für Porsche Leipzig erhalten aber voraussichtlich keinen Cent,” sagt der Betriebsratsvorsitzende von Schnellecke Leipzig, Guido Machowski. “Und das, obwohl ohne uns kein einziger Porsche vom Band rollen kann. Die Kolleginnen und Kollegen haben dafür kein Verständnis.”

Besonders schwer nachzuvollziehen sei dies, so Machowski, weil im Stammwerk von Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen die Tätigkeiten, die in Leipzig Schnellecke-Mitarbeiter machen, von Porsche-Mitarbeitern erledigt werden, die wiederum dadurch die Prämien erhalten.

Das sei – so interpretiert es Machowski, gezieltes Outsourcing und Kostenersparnis auf dem Rücken der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. “So umgeht Porsche nämlich auch die Prämienzahlung,” erklärt der Schnellecke-Betriebsratsvorsitzende.

Die Outsourcing-Strategien der Unternehmen sieht Daniela Kolbe besonders kritisch: “Gerade die Auslagerung von Tätigkeiten führt zu einer wachsenden Zahl an Leiharbeitern und Werksverträgen. Die betroffenen Beschäftigten bekommen dann deutlich weniger Lohn und werden schlechter gestellt. Das schwächt auch die geltenden Tarifverträge. Die Bundesregierung muss aktiv werden und eine Beschränkung von Leiharbeit und Werksverträgen vornehmen. Diese prekären Beschäftigungen dienen nur der Personalkosteneinsparung der Unternehmen und werden aufgrund der schlechten Bezahlung noch teilweise mit staatlichen Transferleistungen subventioniert. Diese Missstände sind nicht neu und auch der Bundesarbeitsministerin Frau von der Leyen bekannt. Das ist nicht länger tragbar.”

Daniela Kolbe und Guido Machowski fordern einhellig eine faire Beteiligung der Beschäftigten im Automobil-Zuliefererbereich und rufen die Bundesregierung auf, eine Beschränkung von Leiharbeit und Werksverträgen gesetzlich anzugehen.

Meldung im “Manager Magazin”: Porsche zahlt sportliche Prämie: www.manager-magazin.de/

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