Nö. Ein Bienchen gibt es dafür nicht, was die Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft am Mittwoch, 10. Juli, unter dem Label "Zusammen führen" präsentierte: die Jahresbilanzen von vier Unternehmen, zusammengedampft im LVV-Jahresbericht. Die Bilanzen für Wasserwerke, LVB und Stadtwerke gab es auf einem Daten-Stick. Was ja an sich nicht unvernünftig ist. Es spart Papier.

Die Probleme gibt es dann erst, wenn man den Stick verbasselt. Die üblichen Geschäftsberichte konnte man bislang ordentlich in einen Ordner stecken, sortiert nach Jahren und Unternehmen. Ein Griff, und man hat die nötigen Informationen zur Entwicklung der Unternehmen. Denn auch wenn jetzt die drei Leipziger Kommunalversorger in einer einzigen Managementholding zusammengeführt werden und zusammen geführt werden, heißt das ja nicht, dass sich die Kernprozesse in den drei Unternehmen verändern. Sie werden in der Konzernbilanz nur unschärfer. Denn die LVV als große Synergie- und Führ-Maschine funktioniert nur reibungslos, wenn jedes der drei Tochterunternehmen seine Hausaufgaben auch macht.

Die Erfolge des ÖPNV werden nicht in der LVV-Führung in Speck’s Hof organisiert, sondern im täglichen Fuhrbetrieb mit den 314 Straßenbahnen und 130 Omnibussen. Rollt der Fuhrpark? Ist er pünktlich, sauber, modern? Steigen Fahrgäste ein und zahlen ihren Obolus?

Die Antwort für 2012 lautet: Ja. Trotz all der medienwirksamen Nacht-Streifzüge nach Schwarz- und Graufahrern. Das ist Pillepalle, auch wenn über den Meldungen zu diesen nächtlichen Kontrollen meist ein saftiger Satz steht wie: “Zahl der Fahrgäste ohne Fahrschein wieder gestiegen” oder ähnlicher statistischer Unfug.

Die meisten LVB-Fahrgäste haben ein gültiges Ticket. Und seit Jahr und Tag zahlen sie dafür jeden August mehr Geld. So hört man das Versprechen von Volkmar Müller, Geschäftsführer der Muttergesellschaft LVV, gern, dass fortan das Bestreben des Gesamtkonzerns sein soll, die jährlichen Tarifsteigerungen bei den LVB zu vermeiden. Klammer auf: Die Tarifsteigerung, die ab 1. August auf die Leipziger zukommt, ist überflüssig. Das war sie schon im Dezember, als die verantwortlichen Manager die Zahlen durch den Wolf drehten.

Schon die Tarifsteigerungen vom August 2011 und August 2012 haben die Erlöse der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) kräftig steigen lassen. 2012 ganz konkret von 122,4 auf 128,9 Millionen Euro. Damit wurde die Kürzung der Ausgleichszahlungen aus dem Verkehrsleistungsfinanzierungsvertrag (die wir um Gottes willen nicht “Zuschüsse” nennen sollen, wie OBM Burkhard Jung sagt) locker ausgeglichen. Oder um es anders auszudrücken: Das Versprechen der LVB-Geschäftsführung, diese “Zuschüsse” binnen eines Jahres von 48 auf 45 Millionen Euro zu senken, haben die Leipziger mit ihren höheren Ticketpreisen bezahlt. Plus noch ein paar andere Dinge mehr: wie zum Beispiel gestiegene Materialkosten und Zinsaufwendungen.Im Anstieg der Umsatzerlöse stecken vor allem die gestiegenen Beförderungsentgelte. Die stiegen in diesem einen Geschäftsjahr von 73,8 auf 79,3 Millionen Euro. Man kann also jetzt schon ziemlich sicher sagen, dass die LVB im Jahr 2013 deutlich über 80 Millionen Euro von ihren Fahrgästen einnehmen werden. Die Zahl an Fahrgästen, die dahinter steckt, muss man sich dann freilich aus dem Quartalsbericht des Amtes für Statistik und Wahlen besorgen. Die Zahl der LVB-Passagiere ist von 2011 bis 2012 von 134,5 auf 139 Millionen gestiegen. Ein Anstieg der Passagierzahl um 3,3 Prozent korrespondiert also mit einem Anstieg der Ticketerlöse um 7,45 Prozent.

Dafür sanken die “sonstigen betrieblichen Erträge” von 79,6 auf 75,8 Millionen Euro. Was dann trotzdem noch ein ausgeglichenes Ergebnis hätte bringen müssen. Aber auch die “sonstigen betrieblichen Aufwendungen” stiegen von 12 auf 16,6 Millionen Euro. Aus dem Plus wurde ein Minus von 4 Millionen Euro. Da hat dann auch der Rückgang der Personalkosten um fast 1 Million Euro nicht mehr geholfen.

Ausgeglichen wurde der Jahresfehlbetrag durch Entnahme aus Gewinnrücklagen. 2011 zum Beispiel hatten die LVB noch einen Gewinn von 14 Millionen Euro ausgewiesen. Die haben sie ordentlich zurückgelegt, womit der Jahresfehlbetrag 2012 locker ausgeglichen werden konnte.

Aber brauchen können sie das Geld wohl auch für ihr aktuelles Prestigeprojekt: das Technische Zentrum Heiterblick. Das war mit 54 Millionen Euro kalkuliert. Aber durch Altlasten, gestörte Bauabläufe und Nachträge können hier Mehrkosten in Höhe von 8,4 Millionen Euro entstehen. Das führt die LVV wieder in ihrem Bericht als operatives Risiko an. Ausgeglichen werden sollen die Mehrkosten so, dass sich die Verschuldung der LVB gegenüber der Planung nicht erhöht.

2012 stieg die Kreditlast der LVB von 96 auf 111 Millionen Euro. Was logisch ist: Wenn ein Fördergeldgeber wie der Freistaat Sachsen sich jahrelang zurückhält und auch in ein zentrales Projekt wie Heiterblick nur mit größtem Widerstand einsteigt, muss ein Unternehmen wie die LVB die Fehlbeträge über Kredite zwischenfinanzieren und später dann abstottern. Wie dringend der Bau von Heiterblick mittlerweile war, darüber hat die L-IZ mehrfach berichtet. Aber nicht nur bei der Co-Finanzierung von ÖPNV-Infrastrukturen hat der Freistaat in den letzten Jahren geknausert. Auch bei der Erneuerung der Fuhrparks hat er die Fördermittelvergabe drastisch reduziert.

Was eben auch bedeutet, dass die LVB ihr Versprechen, bis 2015 alle alten Tatra-Straßenbahnen außer Betrieb zu nehmen, nicht einlösen können. 40 Tatra-Züge rumpeln noch durch Leipzig. Und wenn Sachsens Wirtschaftsminister jetzt zu seinem Wort steht, könnte ab 2015 begonnen werden, wieder ein paar alte Tatras durch moderne Niederflurfahrzeuge zu ersetzen. Und zu den Bussen heißt es im LVV-Bericht ziemlich deutlich: “Der aktuelle Zustand der Busflotte macht eine Ersatzinvestition in den Jahren 2013 bis 2017 zwingend erforderlich.” Der Instandhaltungsaufwand der Busflotte hat mittlerweile eine “kritische Größe” erreicht.

Von den Fahrgästen kann man sich das Geld nicht holen. Die steigen eher wieder aus als ein, wenn der Fuhrpark mit den steigenden Preisen nicht mithält. Und irgendwo ist da auch noch die 2011 erarbeitete Strategie “Fokus 25”, mit der der ÖPNV seine Fahrgastzahlen noch wesentlich stärker steigern soll als bisher. Das geht nicht ohne Investitionen.

www.lvb.de

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