Die zwei Jahre Corona-Pandemie waren auch ein Härtetest für einige Branchen – für die Kultur, die noch immer in einem „Long COVID“ steckt, die Pflegebranche, die Gastronomie – aber auch die Hotellerie. Die lange Schließzeiten der Hotels haben richtig Personal gekostet. Und es muss sich einiges ändern, wenn die Branche wieder neue Leute finden will, mahnt jetzt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten

Gerade jetzt zu Beginn der Hauptreisezeit fehlt in vielen Hotels und Pensionen das nötige Personal. Und das, obwohl die Übernachtungszahlen in Leipzig wieder deutlich steigen.

„Rezeptionistinnen, Köche, Barkeeper, Service- und Reinigungskräfte werden in der Messestadt händeringend gesucht. Ohne sie kann die Branche in der wichtigsten Saison des Jahres nicht durchstarten“, sagt Jörg Most von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten.

Die NGG verweist auf eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Danach zählte das Leipziger Beherbergungsgewerbe Ende Juni 102 offene Stellen – mehr als dreimal so viel wie genau vor einem Jahr (2021: 31 offene Stellen).

Auch Servicekräfte müssen gut bezahlt werden

„Für viele Hoteliers ist es aktuell einfacher, Gäste zu finden als Mitarbeiter. Denn in der Folge von Lockdowns und Kurzarbeit haben etliche Beschäftigte ihre Branche verlassen. Es kommt jetzt darauf an, Fachleute mit guten Konditionen zu locken, um für die steigende Nachfrage nach Urlaubs- und Geschäftsreisen gewappnet zu sein“, erklärt NGG-Geschäftsführer Most.

Ein entscheidender Punkt sei die Bezahlung. Hier habe sich bereits einiges getan: Mit dem neuen Tarifvertrag, den die Gewerkschaft mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) ausgehandelt hat, liegt der Einstiegsverdienst in der Branche in Sachsen ab Oktober bei 12,24 Euro pro Stunde – deutlich mehr als bislang. Fachkräfte kommen auf einen Stundenlohn von mindestens 12,88 Euro.

„Entscheidend ist nun, dass sich die Betriebe an die tariflichen Standards halten“, betont Most.

Doch auch bei den Arbeitsbedingungen müssten die Firmen nachlegen, um sich im Wettbewerb um dringend gesuchtes Personal behaupten zu können.

„Hotelangestellte arbeiten oft dann, wenn andere freihaben – nachts, am Wochenende oder an Feiertagen. Das geht zulasten von Familie und Freizeit. Es ist wichtig, Arbeitszeiten im Sinne der Beschäftigten zu organisieren“, macht Most deutlich. Flexibilität dürfe keine Einbahnstraße nur für Unternehmer sein.

Der Gewerkschafter mahnt zugleich die Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes an: „Auf das vorhandene Personal kommt eine hohe Mehrbelastung zu. Aber die gesetzlichen Vorschriften, die die Beschäftigten schützen, dürfen nicht unterlaufen werden. Dabei lassen sie genügend Spielräume, um Auftragsspitzen abzufedern. Ein Herumexperimentieren am Arbeitszeitgesetz, wie es die FDP in den Berliner Koalitionsvertrag hineinverhandelt hat, ist nicht der richtige Weg.“

Endlich wieder richtig Urlaub

Für die Hotelbranche in Leipzig rechnet Most mit einer hohen Auslastung für die kommenden Monate: „Nach fast zweieinhalb Jahren Corona machen viele Menschen zum ersten Mal wieder richtig Urlaub. Der Tourismus im eigenen Land steht dabei hoch im Kurs. Hinzu kommen die Geschäftsreisenden. Und auch manche verschobene Geburtstags- oder Hochzeitsfeier wird nachgeholt.“

Damit die Pläne der Gäste nicht an fehlenden Rezeptionisten und Köchinnen scheiterten, müsse die Branche für die Beschäftigten attraktiver werden, ist Most überzeugt. Das gelinge nur, indem sich Löhne und Arbeitsbedingungen verbesserten.

„Zwar ist klar, dass damit gerade für kleinere Betriebe die Personalkosten steigen“, räumt der Gewerkschafter ein. Aber anders seien keine Menschen mehr für den Job im Gastgewerbe zu gewinnen. Es komme darauf an, dass jetzt auch die Kunden Verständnis zeigten.

„Für ein sauberes Hotelzimmer und einen guten Service sollte man bereit sein, etwas mehr auszugeben. Das gilt auch im Restaurant. Ein Schnitzel für neun Euro ist heute nicht mehr machbar“, so Most.

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