Audiointerview: Kulturbürgermeister Faber und sein geteiltes Amt: „Die Tage können nur besser werden“
Vanessa Raab
22.03.2012
Michael Faber.
Foto: Matthias Weidemann
Ein Kulturbürgermeister ohne Zuständigkeit für die sogenannte Hochkultur, das gibt es wohl nur in Leipzig. Und das bleibt auch erst einmal so. Der entmachtete Michael Faber hat zwar Interesse, diesen Bereich wieder in seinen Händen zu wissen. Aber wie heißt es so schön: Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen - in diesem Fall in Fabers Gestalt.
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Denn auch 16 Monate nach Entzug der Hochkultur scheint Oberbürgermeister Burkhard Jung keinen Anlass für eine kulturamtliche Wiedervereinigung zu sehen, auch wenn Faber nach eigener Aussage wieder mehr ins Vertrauen gezogen wird.
Der Leipziger Kulturbürgermeister Michael Faber ist seit November 2010 nicht mehr für die Oper, das Gewandhaus, das Centraltheater, das Theater der Jungen Welt und die Musikschule „Johann Sebastian Bach“ zuständig. Oberbürgermeister Burkhard Jung begründete den Entzug mit fehlendem Vertrauen. Außerdem wollte er den Kulturbürgermeister entlasten, „so kann er sich auf die anderen wichtigen Bereiche wie zum Beispiel das Naturkundemuseum konzentrieren“, äußerte Jung damals. Die Hiobsbotschaft verkündete der OBM im Übrigen per Telefon. Aus Zeitgründen. Das hatte Faber natürlich kritisiert, ein persönliches Gespräch wäre doch wünschenswert gewesen.
Kulturbürgermeister Michael Faber.
Foto: Matthias Weidemann
Im Dezember 2010 musste dann der Stadtrat entscheiden, ob Faber sein Amt behalten darf. Für eine Abwahl war eine Zweidrittel-Mehrheit erforderlich, die sich auch gefunden hatte. Im zweiten Wahlgang im Januar 2011 kam es zu einer überraschenden Wende: nur noch 44 Abgeordnete votierten für Fabers Abwahl - mindestens vier Stimmen zu wenig. Somit konnte der Leipziger Verleger weiter das Kulturdezernat leiten, aber eben ohne die Zuständigkeit für die Hochkultur. In dieser Sache blieb Jung auch nach der Amtsbestätigung eisern. Die wolle er sich aber auf jeden Fall zurückholen, hatte der Parteilose damals energisch geäußert.
Nun ist über ein Jahr vergangen und es scheint ganz normal, dass der Beigeordnete für Kultur nur die halbe Kultur beaufsichtigt. Hinter den Kulissen gehe aber was vorwärts, meint Faber im Interview mit der L-IZ.de: „In den letzten Monaten haben wir sehr konstruktiv zusammengearbeitet. Er zieht mich auch ins Vertrauen, auch im Übrigen bei den Einrichtungen, die er sich jetzt selbst …äh, äh, äh … geholt hat. Für ihn war es eine Selbstverständlichkeit, so hat er es mir zumindest mitgeteilt, auch in die Findungskommission berufen zu werden für die neue Theaterintendanz. Ich denke, wir sind auf einem glücklichen Weg der Annäherung.“ Für Faber ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Befugnisse über das Gewandhaus & Co wieder in seinen Händen liegen.
Auch mit den Stadtratsfraktionen verbessere sich laut Faber die Zusammenarbeit stetig. Die waren nämlich nicht wirklich glücklich über den Wahlausgang, waren im Vorfeld alle fünf Fraktionen dafür, dass Faber sein Amt aufgeben sollte. Sie müssen also weiter mit dem Entmachteten zusammenarbeiten. „Ich denke, dass ich durch die Fraktionen hinweg Anerkennung finde, dass die Dialoge sehr gut sind, die wir führen. In gewisser Weise fühle ich mich da auch bestärkt, meine Arbeit so fortzusetzen. Ich denke auch, dass es zu jeder Arbeit gehört, dass man auch mal unzufrieden ist, dass man manche Dinge gerne etwas schneller hätte“, resümiert der 51-Jährige.
In einem Jahr endet die Amtszeit von Burkhard Jung und damit vielleicht die Teilung der Kulturzuständigkeiten. Das könnte dann Michael Fabers Chance sein: „So lange es ein Dezernat Kultur gibt, wäre es eine Selbstverständlichkeit, dass ein dortiger Beigeordneter als Kulturdezernent auch die Kultur in ihrer Gänze betreut. Kultur – das ist ein Satz, den ich gern sage – ist unteilbar. Sie muss in ihrer Komplexität gesehen werden. Ich halte deshalb geteilte Zuständigkeiten für den nicht glücklichen Weg. Gleich, ob er eine zweite Wahlperiode bekommt, oder ob es eine neue Kollegin oder neuen Kollegen in diesem Amt des Oberbürgermeisters geben wird – der Anspruch bleibt der, den ich formuliert habe: Die Kultur gehört wieder in meine Hände.“
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