Filial-Umbau-Pläne der Sparkasse Leipzig

Grünen-Stadträtin sieht die Schließung von Sparkassen-Filialen in Leipzig kritisch

Für alle LeserWirklich viele Mitglieder des Leipziger Stadtrates sitzen nicht im Verwaltungsrat der Sparkasse Leipzig – im Grunde nur zwei. Die sich füglich zurückhielten, als zum Monatsbeginn die Diskussion um das geplante Filialnetz der Sparkasse begann. Die Sparkasse hat zwar auch eine Trägerversammlung. Aber die wurde überhaupt nicht über die Anpassungspläne für 2018 informiert, stellt Annette Körner fest.

Sie ist als Stadträtin der Grünen in diese Trägerversammlung delegiert – insgesamt 14 Stadträtinnen und Stadträte darf der Leipziger Stadtrat dorthin entsenden. Aber wie Annette Körner nun feststellt, ist dieses breit besetze Gremium gar nicht eingebunden in so weitreichende Entscheidungen, wie sie die Sparkasse jetzt angekündigt hat.

Auch OBM Burkhard Jung, der immerhin Vorsitzender des Verwaltungsrates ist, hat den Stadtrat nicht über die Pläne informiert.

Entsprechend pikiert zeigt sich die Stadträtin, die ja bislang das Gefühl haben musste, dass die Trägerversammlung dazu da wäre, die Arbeit der Sparkasse mit den Bedürfnissen der Region und der Politik abzustimmen. Aber nun scheint das doch wieder nur im kleinen Zirkel zu passieren.

„Ihre Bank vor Ort“, so werbe die Sparkasse für sich und deswegen sei sie bei vielen Leipzigerinnen und Leipzigern die Bank ihrer Wahl, stellt Annette Körner fest. Aber die durch den Verwaltungsrat der Sparkasse Leipzig beschlossene Schließung von sechs Filialen entspreche nicht dem selbstgegebenen Anspruch.

Die Sparkasse begründete in der Vergangenheit dergleichen Vorgänge (z. B. Schließung der Filiale in Dölitz 2011 trotz Widerstand vor Ort) mit der allgemeinen Geschäftslage der Banken und den zurückgehenden Kunden im Direktgeschäft der Filialen. Dennoch gebe es einen (vermutlich) erheblichen Teil von Kundinnen und Kunden, der die Mitarbeiterinnen der Filialen persönlich benötige, wenn es zum Beispiel um Geldtransfers gehe. Diese seien auf die Erreichbarkeit „vor Ort“ angewiesen.

„Es ist nicht vermittelbar, wieso die Stadt- und Kreissparkasse Leipzig als Körperschaft öffentlichen Rechts derart gravierende Einschnitte in das Filialnetz beschlossen hat“, kommentiert Annette Körner den Vorgang. „Ich habe als Mitglied in der Trägerversammlung der Sparkasse erst aus der Presse über das Vorhaben erfahren und sogleich gegenüber dem Sparkassenvorstand und dem Oberbürgermeister reagiert und schriftlich stichhaltige Begründungen nachgefragt sowie eine erneute Prüfung des Erhalts oder von Ersatzmaßahmen für die Kunden vor Ort angemahnt. Leider ist bis heute keine Antwort dazu eingegangen. Mich verwundert die Reaktion anderer Stadträte insofern, da ich von einer Zustimmung des Verwaltungsrates zu den Schließungen ausgehen muss, indem die anderen Fraktionen im Gegensatz zu uns Bündnisgrünen direkt vertreten sind. Aus diesem heraus hätten wir uns bereits kritische Töne gewünscht und eine gemeinsame Beratung in der Trägerversammlung zu solchen drastischen Schritten.“

Vertreten im 15-köpfigen Verwaltungsrat sind die SPD und Die Linke, als Stellvertreter kann die CDU nachrücken.

Vergangene Anpassungen im Filialnetz hatten immer mit der Anpassung an schrumpfende Bevölkerung zu tun, zuletzt spielte auch die zunehmende elektronische Abwicklung des Geldverkehrs eine Rolle. Eine Entwicklung, die nicht nur die Sparkasse Leipzig betrifft. Praktisch alle Geldinstitute versuchen, ihre Kunden auf die Online-Abwicklung ihrer Geldgeschäfte zu drängen. Und wer das nicht vom heimischen PC aus abwickeln will, dem werden in den diversen Standorten entsprechende Terminals für die Buchungsvorgänge angeboten.

Eine Entwicklung, die nicht nur älteren Kunden Unbehagen bereitet. Denn dieser – mit erheblichem Druck – vollzogene Trend zur Selbst-Beschäftigung macht die Begegnung mit lebendigen Sparkassenangestellten zum Ausnahmefall. Das Unternehmen wird zunehmend anonym. Das könne nicht der Weg einer Stadt- und Kreissparkasse sein, findet die Grünen Stadträtin.

Annette Körner: „Die Sparkasse sollte ihr Motto nicht zu den Akten legen, denn den Kundinnen und Kunden ist ihre Präsenz bisher noch etwas wert. Deswegen sollte die Sparkasse die Menschen auch vorher in die Pläne einweihen und vor Entscheidungen deren Treue mit in die Waagschale legen.“

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