Was der AfD-Wähler nicht lesen soll

Für alle LeserDass es so eine Sache mit dem Rechthaben bei der AfD ist, wissen ja aufmerksame L-IZ.de – Leser mittlerweile zur Genüge. Dass unsere Redaktion längst dazu übergangen ist, viele Stöckchen, die diese Partei immer wieder bei Fragen der Integration oder rings um Geflohene allgemein in die sozialen Netzwerke wirft, zu ignorieren, um die gewollten Frames (hier Fremd=Vergewaltiger) nicht zu bedienen auch. Doch seit heute ist wohl klar: die AfD nimmt offenbar nicht einmal mehr die eigenen Fans, Follower und Wähler ernst, wie ein Fall um falsche Vergewaltigungszahlen in Chemnitz nun zeigt.
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Am Beginn steht ein Beitrag des Dresdner Anwaltes und AfD-Mitgliedes Maximilian Krah mit der Überschrift „Jetzt sind wir alle Chemnitzer“ unter anderem im von David Bendels verantworteten „Deutschland Kurier“. Im Text, welcher am 4. September 2018 veröffentlicht wurde, geht das Ex-CDU-Mitglied Krah mit einer Behauptung an die Öffentlichkeit, welche als Quelle „die Polizei“ (Sachsen) angibt: „Seit dem 1.1.2018 wurden in Chemnitz 60 Frauen vergewaltigt. Die Polizei sagt, 56 von Migranten, 4 von Unbekannt.“

Kenner der Materie stutzten damals schon an dieser Stelle, denn polizeiliche Statistiken werden üblicherweise einmal im Jahr für das Vorjahr veröffentlicht, die Zahlen aus dem laufenden Jahr sind also so gar nicht verfügbar. Und das hat sogar Gründe, denn erst fortlaufende Ermittlungen ergeben gerade in diesen Deliktfällen ab und zu auch falsche Beschuldigungen, welche die angeblichen Angreifer entlasten können. Zudem handelt es sich bei der sogenannten „Polizeilichen Kriminalstatistik“ (PKS) stets um Erhebungen der Polizei, also Fälle, welche oft noch nicht einmal die Gerichtsinstanzen durchlaufen haben.

Woher also Maximilian Krah seine Zahlen nahm, bleibt offen – von der Polizei jedenfalls kamen sie nicht.

Die widersprach bereits am Tag darauf und stellte bei Twitter richtig: „Diese Zahlen stimmen so nicht! Nach derzeitigem Stand gab es in Chemnitz im Zeitraum vom 01.01. – 31.07.18 insgesamt 14 Vergewaltigungen, davon wurden 12 Tatverdächtige ermittelt, 3 von ihnen waren nichtdeutscher Herkunft. Die Zahlen von @KrahMax können wir nicht nachvollziehen.“

Wie nun zudem das Morgenmagazin der ARD dank auskömmlicher Gebührenfinanzierung recherchieren konnte (zur Doku), hatte sich das polizeiliche Social Media–Team um ihren Chef Olaf Hoppe extra für Herrn Krah die Mühe gemacht, in Chemnitz die echten Zahlen abzufragen, sich mit dem Innenministerium rückabgestimmt und dann ihre Chemnitzer Zwischenzahlen für 2018 bei Twitter preisgegeben. Das Echo bei Twitter folgte am gleichen Tag, überwiegend in Form eines Dankes vieler User gegenüber der Polizei für die Richtigstellung.

Diese Geschichte hätte hier zu Ende sein können, das Stöckchen wäre im Wald liegengeblieben

Doch nicht mit Herrn Krah und seiner AfD. In einem am 1. November 2018 auf ARD ausgestrahlten Bericht, welcher sich auch mit den Folgen dieser Art „Berichterstattung“ der AfD für das Klima in Chemnitz befasste, gestand er zwar seine falschen Zahlen ein, seine Kernthese der extrem gestiegenen Vergewaltigungszahlen wollte er jedoch nicht aufgeben. Denn wie bekannt ist: der Rahmen (Frame) muss gehalten werden, sonst bricht die eigentliche Botschaft in sich zusammen. Und gerade der Frame „vergewaltigender Fremder“ ist für AfD-Wähler das tägliche Netz-Crystal und der Garant, das Angstlevel zu halten.

Den Frame jedenfalls versuchte nun seit dem 2. November 2018 Maximilian Krahs AfD-Landeschef Jörg Urban mühsam zu verstärken und ging dabei gleich mal zum Angriff auf das ARD-Morgenmagazin über. Urban: „Der stellvertretende AfD-Landesvorsitzende Maximilian Krah hatte die exorbitant angestiegenen Sexualdelikte in Chemnitz, mehrheitlich von Migranten verübt, als Ursache der Proteste in der Stadt benannt, dabei bedauerlicherweise eine unkorrekte Einzelzahl benannt. Er korrigierte den Fehler und legte die zutreffenden Zahlen vor, die seine Aussage bestätigen. Das Morgenmagazin hat diese Korrektur unterschlagen und erweckt den Eindruck, Maximilian Krah habe ins Blaue hinein behauptet und in Chemnitz gebe es keine gravierende Zunahme an Sexualgewalt durch Migranten.“

Der Versuch Urbans bestand nun darin, alle Zahlen Krahs vom Tisch zu wischen und auf Unterschiede zwischen den Jahren 2016 und 2017 in der PKS zu verweisen (dazu gleich mehr). Vom eigentlichen Anlass für die Demonstrationen, nämlich einem Tötungsverbrechen an einem Chemnitzer am Morgen des 26. August 2018, ist bei Urban übrigens auch keine Rede mehr. Denn der Frame ist jetzt nur noch der fremdländische Vergewaltiger in Chemnitz, ein Thema, welches ein Wahlkampfschlager auch für die Landtagswahlen 2019 werden soll.

Auf die Äußerungen Urbans reagierte ebenfalls am 2. November 2018 das ARD-Morgenmagazin mit einer Pressemitteilung: „Der sächsische AfD-Landesvorsitzende Jörg Urban verbreitete nun in einer Presseerklärung, Maximilian Krah habe den Fehler korrigiert `und legte die zutreffenden Zahlen vor, die seine Aussage bestätigen`. Dazu stellt das ARD-Morgenmagazin fest: Die statistische Entwicklung von Sexualstraftaten seit 2016 belegt nicht die von Herrn Dr. Krah behaupteten Zahlen vermeintlicher Vergewaltigungen durch Migranten in Chemnitz im Jahr 2018.“

Und sauber die Umgebung abgeklopft habe man bei der ARD auch: „Desweiteren hat das ARD-Morgenmagazin Zahlen bei der Polizei Sachsen, dem kriminalpräventiven Rat Chemnitz und zwei Opferverbänden, die sich um Opfer sexuellen Missbrauchs kümmern, abgefragt. Keine dieser Quellen konnte die Behauptungen von Herrn Dr. Krah nachvollziehen.“

Doch ohne Attacke wäre die AfD nicht die AfD oder Wie man im Gespräch bleibt

Denn weiterhin schrieb heute Jörg Urban in der Verteidigung seines bei der falschen Behauptung ertappten Landes-Stellvertreters Krah: „Wer gehofft hatte, die Podiumsdiskussion mit Kai Gniffke und Peter Frey werde bei subalternen ARD-Journalisten zu einer zumindest ansatzweisen Beachtung journalistischer Standards führen weiß nun, diese Hoffnung ist Illusion. Das ARD-Morgenmagazin hat durch seine Lügenberichterstattung zu Lasten von Maximilian Krah gezeigt, dass selbst guter Wille des Chefredakteurs bei verbohrten Haltungsjournalisten nichts ausrichten kann. Es bleibt daher dabei, dass wir allen Bürgerinnen und Bürgern dringend empfehlen, sich aus alternativen Medien im Internet, nicht aus dem öffentlich-rechtlichen Staatsfunk zu informieren.“

Die ARD heute dazu: Man weise „die Behauptung, das ARD-Morgenmagazin habe `Lügenberichterstattung zu Lasten von Maximilian Krah betrieben`, entschieden zurück.“ Der hätte sich sicher gemeinsam mit Jörg Urban gefreut, wenn die ARD in die zweite Framing-Falle getappt wäre, die mit dem nachgeschobenen Verweis auf gerade die beiden Jahre 2016 und 2017 aufgebaut wurde. Denn genau da hätte die ARD noch mehr erklären müssen. Eine Umstand, der meist immer weiter wegführt vom eigentlichen Gegenstand – hier der falschen Behauptung Krahs – und so den Attackierten (hier die ARD) so aussehen lassen soll, als ob diese sich zu rechtfertigen hätte.

Denn 2017 war das Jahr, in welchem die Polizei Sachsen in ihrer Polizeistatistik bis heute explizit darauf hinweist, dass man die Definition zum Tatfeld „Sexuelle Nötigung“ deutlich erweitert hat und somit der Vergleich mit Vorjahren nicht oder nur noch äußerst eingeschränkt möglich ist.

Überall in Sachsen stiegen durch diese Neudefinition, welche nun auch verbale Belästigungen bis verbale Gewalt deutlich klarer mit einfasst, die Zahlen für „Sexuelle Nötigung“ um teilweise mehr als 50 Prozent an. Ein klareres Bild einerseits auf ein Dunkelfeld, welches somit seither Eingang in die Statistik findet. Andererseits eine Steilvorlage für ausländerfeindliche Hetze, denn mit nichts lässt sich bekanntlich schöner lügen, als gerade mit bewusst falsch interpretierten Statistiken.

So kann man übrigens auch weitere Faktoren unerwähnt lassen. Unter anderem, dass – neben wirklich relevanten Übergriffen – die Anzeigehäufigkeit bei sexuellen Nötigungen durch fremde Personen weit höher liegt als beispielsweise bei Vergewaltigungen oder körperlichen Übergriffen in der (deutschen) Ehe. Auch der sogenannte Kohorteneffekt, hier also das vornehmlich junge Alter der Geflohenen in Deutschland, fällt bei der AfD konsequent unter den Tisch. Entgegen jeder wissenschaftlichen Erkenntnis wird so ausgeblendet, dass gerade junge Menschen in weit höherer Gefahr leben, Opfer eines Gewalt- oder Sexualverbrechens zu werden.

Dies nimmt später im Leben dramatisch ab, dafür steigt jedoch die Angst vor Situationen, die als junger Mensch als normal und ungefährlich wahrgenommen werden.

Spätestens seit der deutlichen Rüge des Deutschen Presserates gegenüber dem Trashmedium „Tag24“ am 15. Juni 2018 wegen der reißerischen Aufmachung des statistischen Effekts als explosionsartigen Anstieg (in Leipzig) und zahlreichen Berichten zum Umstand selbst ist bekannt, dass also die PKS seit 2017 mit anderen Erhebungsmethoden im Bereich sexuelle Nötigung agiert. Für die AfD offenbar dennoch kein Hinderungsgrund, weiter von explosionsartigen Vergewaltigungszahlen 2017 in Chemnitz zu schwadronieren.

Ebenfalls 2017 senkte übrigens die PKS durch eine weitere Veränderung der Gruppendefinition „Zuwanderer“ die Zahl derselben, womit sich die Prozentzahl krimineller Aktivitäten innerhalb der Gruppe statistisch erhöhte.

Und, haben Sie es gemerkt?

Jetzt denken Sie schon fast nicht mehr über die ursächliche Horrorstory von Maximilian Krah mit den falschen Jahreszahlen und Vergewaltigungen in 2018 nach, sondern grübeln bereits über Alterskohorten, Statistiken, die PKS und vielleicht sogar über eine weitere fast beiläufig von Jörg Urban eingestreute Geschichte. Über die „Podiumsdiskussion mit Kai Gniffke und Peter Frey“, welche „bei subalternen ARD-Journalisten zu einer zumindest ansatzweisen Beachtung journalistischer Standards führen“ werde.

So funktioniert übrigens Ablenkung von Falschdarstellungen, hier sind die nächsten Frames, die „Lügenpresse“ und der „Staatsfunk“. Der Hintergrund von Urbans Enttäuschung: Am 25.Oktober 2018 hatte der Dresdener AfD-Kreisverband die beiden Vertreter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf die Dresdner Messe zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Sprecher des Schlusswortes der Veranstaltung rings um die üblichen Forderungen der AfD, mehr im ÖR stattzufinden und dabei auch positiver dargestellt zu werden sowie die dringende Bitte, sich an Fakten zu halten, war übrigens Maximilian Krah.

„Diese Diskussion, meine Damen und Herren, ist für uns ein großer Erfolg, wie wir nun das zweite Mal in Dresden erreicht haben, eine offene Diskussion zu führen, die weit über unsere Stadt hinaus zu Beachtung geführt hat. Erinnern Sie sich an Uwe Tellkamp und Durs Grünbein.“, so Krah beim Überreichen von sächsischen Weinen an die beiden ÖR-Vertreter.

Dies zeige, dass die AfD in Deutschland „ein deutschlandweit einmaliges Meinungsspektrum pflegt und einen offenen Diskurs führt“. Dass dieser nur auf Basis von Fakten möglich ist, erwähnte Krah nicht.

So formulierte er selbst in seinem ursächlichen Text für das Durcheinander am 4. September 2018, „am 26.8.2018 wurde ein Deutscher aus einer Gruppe von muslimi­schen Einwanderern mit 25 Messerstichen ermordet …“. Schon an diesem Tag stand fest, dass es keine 25 Messerstiche waren, sondern fünf und man bei „Mord“ von Vorsatz ausgeht, was man bis zum Abschluss des Gerichtsverfahrens nicht einfach behaupten kann.

Aber auch dies alles hatte ja die Polizei richtiggestellt und zahlreiche Medien berichtet. Also die, welche der Bürger laut AfD nicht mehr lesen sollte. Es könnte den Rahmen sprengen.

Nachsatz: Es gibt übrigens keinen Grund Übergriffe oder Vergewaltigungen gerade auf und von Frauen zu verharmlosen. Dies zeigt unter anderem diese Dokumentation des WDR von 2017.

Auch die Polizei Sachsen beherrscht übrigens „Statistik-Voodoo“

ChemnitzAfD
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