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Benötigt man in einem der Leipziger Bürgerämter einen Termin, dann braucht man oft einen langen Atem und viel Geduld. Im Regelfall muss man den Termin online buchen, oder telefonisch beim Bürgertelefon einen solchen vereinbaren. Letzteres betrifft vor allem ältere Menschen und andere, die das Internet nicht nutzen.

Findet man bei der online-Buchung keinen freien Termin, dann kann man nur darauf hoffen, dass jemand absagt, oder man muss am nächsten Tag ab 10.00 Uhr online sein. Da werden neue Termine eingestellt. Das ist für viele Menschen nicht möglich, wir haben das vor drei Jahren schon einmal thematisiert.

Seit kurzem gibt es einen online Dienst, dieser heißt Bürgerwecker. Jakub Waller, ein Hamburger Data Scientist, der früher in Leipzig wohnte, hat einen kostenlosen, quelloffenen Dienst entwickelt, der per E-Mail über freie Termine informiert. Wir haben das open source Projekt im Rahmen unserer Möglichkeiten getestet, es ist einfach handhabbar, einfacher als die Originalseite, und funktioniert bisher fehlerfrei.

Erfassungsmasken Bürgerwecker Leipzig. Screenshot: LZ

Wie im Bild zu sehen, trägt man die Mailadresse ein, wählt das Anliegen und das Bürgerbüro und die Uhrzeit, sowie die Wochentage an denen man das Bürgerbüro aufsuchen kann. Die Auswahl, wie lange der Bürgerwecker laufen soll ist in Stufen von 3 Tagen bis ohne Begrenzung möglich. Ohne Begrenzung bedeutet hier, dass eine Information erfolgt bis über den „Abmelden“-Link der Bürgerwecker beendet wird. Die Maximaldauer ist 90 Tage.

Nach dem Absenden erhält man eine Mail zur Bestätigung der Mailadresse, danach eine Mail mit einem Verwaltungslink. Über diesen können Änderungen vorgenommen werden.

Verwaltungslink Bürgerwecker Leipzig. Screenshot: LZ

Mit den weiteren Mails wird man über freie Termine informiert. Über den Link „Abmelden“ in der Mail, kann man den Wecker deaktivieren.

Mail „Termine verfügbar“. Screenshot: LZ

Wir haben selbstverständlich mit Jakub Waller gesprochen. Das Gespräch fand am 15. Juli per Zoom statt.

Gespräch mit Jakub Waller

Herr Waller, Ihr „Bürgerwecker“ informiert über freie Termine beim Bürgeramt. Warum kann man mit dem Programm diese nicht gleich buchen?

Es war mir sehr wichtig, dass keine Buchung möglich ist. Sonst könnte das zu einer Terminhamsterei führen. Wenn ein Bot sich Termine schnappen würde und diese würden dann nicht wahrgenommen, das wäre nicht in meinem Sinne.

Sie wohnen in Hamburg, wie sind Sie dazu gekommen den „Bürgerwecker“ für Leipzig zu programmieren?

Ich habe ein paar Jahre in Leipzig gewohnt, und wenn ich einen Termin brauchte, war das sehr zeitintensiv: immer wieder die Webseite neu laden und schauen, ob es jetzt Termine gibt. Das übernimmt nun das Tool — es checkt regelmäßig, ob es freie Termine gibt, und wenn ja, wird eine E-Mail verschickt und man kann den Termin buchen.

Ich habe das getestet und eine Mail mit Terminen bekommen. Man muss dann die Webseite der Stadt aufrufen, den Grund und das Bürgeramt auswählen und wenn alles klappt, sind die Termine noch frei. Ginge das auch einfacher?

Ich habe es versucht, es ist möglich Direktlinks zu den einzelnen Terminen zu schicken. Allerdings lässt die Termin-Software der Stadt die Buchung nur in einer laufenden Browser-Sitzung zu. Somit würde der Direktlink auf die Startseite der Terminvereinbarung führen. Ich habe alle Möglichkeiten getestet, die jetzige Variante ist die praktikable.

Das Tool eignet sich also besonders für Menschen die ihre Mails oft checken?

Prinzipiell ja. Wer ein Smartphone hat, kann sich die Benachrichtigungen für neue E-Mails einschalten und erfährt so sofort von freien Terminen. Wer keins hat, sollte tatsächlich regelmäßig in seine Mails schauen. Da aber immer wieder neue Termine gemeldet werden, ist das für alle praktikabel.

Das Tool ist für E-Mail konzipiert, haben Sie darüber nachgedacht es auch für Messenger oder SMS zu erweitern?

Die Idee war, dass fast jeder eine E-Mail hat und das dann erst mal fair ist. Nicht alle haben Signal, Whatsapp oder Telegram. Außerdem soll man nicht unbedingt ein Smartphone brauchen, um das Tool zu nutzen.

Sie schreiben auf GitHub, unter „Was das Tool ausdrücklich nicht macht“ unter anderem:

  • Kein Konto, kein Login, kein Tracking, keine Cookies, kein Drittanbieter JS.
  • Kein Datenweiterverkauf, keine Werbung, keine kostenpflichtigen Funktionen.
GitHub: Was das Tool ausdrücklich nicht macht. Screenshot LZ

Wie wichtig ist Ihnen diese Aussage?

Sehr wichtig. Es war die Idee, dass das Tool nicht zu kompliziert ist. Und es ist einfach, es gibt kein Tracking, es ist datensparsam — nur die E-Mail-Adresse und welcher Termin gebraucht wird, nichts anderes wird erfasst. Und es ist und bleibt kostenlos.

Sie betonen auf der Webseite: „Diese Website ist nicht offiziell mit der Stadt Leipzig oder ihren Behörden verbunden. Wir sind ein unabhängiger Dienst, der ausschließlich über verfügbare Termine informiert.“ Weiß die Stadt Leipzig, dass es den Dienst gibt? Wenn ja, was sagt sie?

Ich habe sie informiert, das war mir auch sehr wichtig. Ich wollte transparent sein und habe der Stadt Leipzig geschrieben, was das Tool macht und wie oft die Seite vom Tool aufgerufen wird — das ist einmal pro Minute. Sie haben geantwortet, dass sie das mit dem Datenschutzbeauftragten und einem IT-Dienstleister geprüft haben und keine datenschutzrechtlichen oder technischen Bedenken vorliegen.

Zum Schluss noch, jetzt steht auch die Verfügbarkeit für Dresden schon auf der Webseite, sind noch andere Orte geplant?

Das Tool ist jetzt auch für die Dresdner Bürgerbüros und Meldestellen vollständig live und von mir getestet. Der Dienst ist aktuell für Leipzig und Dresden verfügbar ist. Eine Besonderheit gibt es dabei: Dresden nutzt für die Terminvergabe ein anderes IT-System als Leipzig. Deshalb sieht das Tool dort je Bürgerbüro nur den jeweils frühesten freien Termin — genau das, was auch die Terminseite der Stadt anzeigt. In Leipzig meldet der Bürgerwecker dagegen alle freien Termine.

Ich würde das Tool gerne auch für andere Städte anbieten, aber beispielsweise für Hamburg ist das nicht so einfach möglich. Hier wird ein anderes System genutzt und man kann nicht so einfach auf die Termine mit einem Tool zugreifen.

Herr Waller, ich bedanke mich für das Gespräch.

Fazit: Wenn man von unserem kurzen Test ausgeht, kann das Tool durchaus für Bürgerinnen und Bürger nützlich sein. Es erspart jedenfalls die Zeit, die man aktuell benötigt um zu sehen, dass es keine freien Termine gibt. Inzwischen ist in Leipzig auch die Terminsuche für die Abholung von Aufenthaltsdokumenten bei der Ausländerbehörde verfügbar.

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