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Ich koche nie für zwei, oder: James Cooks kleines Studinudelkochbuch

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    Wenn in Leipzig ein neuer Verlag seine Arbeit aufnimmt, kommt nicht der OBM mit dem Spaten vorbei. Denn für gewöhnlich braucht ein Verleger keine neue Werkhalle oder ein modernes Logistikzentrum in einem neu erschlossenen Gewerbegebiet. Ihm genügt meist eine geräumige Wohnung mitten in der Stadt, ein ordentlicher Computer und - naja - eine kleine Küche wäre auch nicht schlecht. Zum Nudelkochen auf die Piratenart.

    Der Einbuch Buch- und Literaturverlag Leipzig ging im Februar mit seinen ersten Büchern an den Start. Darunter ein schmales Buch, das möglicherweise einigen jungen Leuten helfen könnte, von Fastfood loszukommen und sich an das Ungetüm zu wagen, das in der Küche neben der Spüle steht – den Herd. Da kann man Töpfe draufstellen und Wasser drin kochen lassen. Und dann? Wie bekommt man dann ohne Katastrophe und großen Zeitaufwand leckere Nudelgerichte zustande?

    Mancher macht dann die Entdeckung, dass ihn ein gewöhnliches Kochbuch zum Grübeln bringt. Wann sind Nudeln bissfest? Was ist genug Salz im Wasser? Wann schüttet man die Nudeln rein? Und wie bekommt man sie wieder raus, ohne dass sie matschen oder verkleben?

    Nahrungszubereitung ist – wenn man das noch nie getan hat – eine kleine Kunst. Muss aber keine Wissenschaft sein. Manchmal fehlt nur ein Bursche wie James Cook, der in diesem Studinudelkochbuch das macht, was man sich von Kochbuchschreibern manchmal wünscht: Er erzählt wirklich locker und hübsch der Reihe nach, wie das funktioniert mit dem Topf, dem Wasser, den Nudeln und dem Herd. Für ganz gewöhnliche Menschen, die das noch nie gemacht haben. Eins nach dem anderen, so, wie er es selbst macht. Schön hemdsärmelig. Ist ja seine Küche. Hier kann er das alles so machen, wie es ihm gefällt. Nur mit dem Aufräumen hat er es nicht so.

    James Cook ist natürlich ein Pseudonym. In einem kleinen Beileger („Die James Cook Short-Story“) erzählt der Nudelkoch die Geschichte hinter dem Namen, verrät, dass er eigentlich aus einem Dorf nahe Chemnitz kommt, eigentlich Karl-Marx-Stadt, so hieß die Stadt noch, als er jünger war und Ärger mit der Polizei bekam, weil er schon damals herumstreunte als Beschatter. Heute hat er schon ein paar graue Haare, erzählt, dass er arbeitslos ist und allein wohnt und immernoch Leute beschattet. Am liebsten junge Frauen. Ein Großstadtpirat, der erfahren will, was passiert – dass die jungen Mädchen dann auf Wiesen landen und mit richtigen Männern herumknutschen, ist – so findet er – eigentlich keine Geschichte.

    Verständlich, dass er da keine kleine Köchin zu Hause hat, die ihm die Tagliatelle arrabiata, die Spaghetti Milano oder das Chili con Carne zaubert. Aber wer allein lebt, lernt das irgendwann alles selbst zu machen. Und wenn man den Dreh erst mal raus hat, dann ist das alles ganz einfach. Dann kann es jeden Tag Nudeln geben. Mit immer neuen Zutaten, Soßen, oder gar überbacken mit Spinat und Schinkensahne.

    Und damit man nicht vergisst, dass hier ein Seemann beim Kochen ist, gibt es Salz und Pfeffer nicht als Prise (denn das ist ja bekanntlich unter Piraten eine geraubte Schiffsladung), sondern als Brise.

    „Ich koche nie für zwei“, erklärt der Nudelkoch zwar bei jedem Rezept. Eben weil er James Cook ist. Aber die Rezepte gibt’s trotzem für zwei. Es ist schon vorstellbar, dass das Ausprobieren der hier versammelten zehn, elf Nudelrezepte so manchem jungen Großstadtpiraten hilft, eine begeisterte Seemannsbraut zu finden. Denn eigentlich mögen ja junge Frauen auch Seemänner, die was Leckeres kochen können. Vielleicht erwarten sie dann nur noch das kleine Bisschen mehr, was der selbsternannte Beschatter James Cook nicht so mag: dass der Koch hinterher auch noch abwäscht, aufräumt und die Herdplatte wieder sauber macht.

    Dann macht das Nudelkochen am nächsten Tag nämlich auch wieder Spaß.

    „James Cooks kleines Studinudelkochbuch“, Einbuch Verlag, Leipzig 2011, 8,88 Euro

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