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Wenn Fantasy-Heldinnen lernen, ihren Weg zu gehen in einer Welt voller Regeln und Rätsel

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    Im zweiten Band der Trilogie "Die Wächter von Avalon" landen Amanda Kochs Heldinnen und Helden nun in der dritten Welt jenseits von Britannien und Avalon, in Amaduria, im Gleichgewicht gehalten durch vier Reiche, vier Könige, vier Göttinnen und vier heilige Gegenstände. Aber schnell merken die vier jungen Leute, wie sehr die Vorgänge in dieser anderen Welt mit ihrer eigenen Geschichte zu tun haben.

    Auch das eine der wichtigen Triebkräfte von Fantasy-Geschichten: Geschichte ist nicht erledigt. Die ungelösten Probleme der Vergangenheit harren einer Lösung. Auch weil sie in der Regel nicht ruhen, sondern als dunkle Macht drohen, das gesamte Zauberreich zu verschlingen. Und zwar eben nicht immer mit finsteren Heeren schwarzer Krieger, auch wenn sich das in Filmen immer so gewaltig inszenieren lässt.

    Amanda Koch hat ihre Heldinnen und Helden – darunter auch die Lichtelfe Aylorien, diverse Wiccas, Priesterinnen, Zauberer, magische Tiere und andere mythische Gestalten – geradezu exzessiv sensibel gemacht. Sie spüren, wie sich ihre Welt verändert, leiden darunter, verlieren ihre Kräfte. Und sie reden viel. Flapsig geht in ihrer Welt gar nichts zu. Ihre Heldinnen und Helden sind ständig angespannt, ständig bemüht, die Rätsel zu lösen, ständig auf der Hut. Da wird auch der Ton feierlich, geradezu episch. Alles hat Bedeutung – der kleinste Blick, jede Geste, jedes Wort. Das kann stören. Aber es zwingt auch den Leser, aufmerksam zu sein, denn jede Macht und jeder Zauber können verloren gehen. Keiner ist wirklich unangreifbar, auch wenn die Autorin geradezu schwelgt bei der Vergabe von wundersamen Kräften, Sprüchen, Gaben. In Amaduria ist das normal, weil nichts normal ist. Die Landschaften sind echte Mythenlandschaften – mit düsteren Wäldern, gewaltigen Bergen, eisigen Grenzländern.

    Und es ist keineswegs klar, dass die Helden dieser Geschichte unversehrt das Ziel erreichen – mal ganz abgesehen davon, dass sie anfangs noch gar nicht wissen, wie sie die Probleme Amadurias lösen können. Wem werden sie begegnen? Welche Wege müssen sie nehmen? – Es ist wie ein Spiel, in dem alles vorbestimmt scheint. Das Wort Schicksal kommt ziemlich oft vor. Aber dennoch kann ein falscher Schritt zum Verhängnis werden. Kann die Unsicherheit in der eigenen Rolle auch zur Verzweiflung führen – ein Prozess, den im ersten Band Nagaina schon durchgemacht hat, die nun im zweiten Band ihre Rolle bei den Priesterinnen in Avalon findet. So gesehen, eine sehr weibliche Fantasy, die eben nicht davon ausgeht, dass wackere Heldinnen und Helden sich nur durchprügeln müssen bis zum Gral, wie das in unzähligen schlechten Fantasy-Serien die Regel ist.

    Deswegen wird bei Amanda Koch auch so viel geredet und gerätselt, auch gezaudert und gehadert. Keine Gestalt ist heil, jede hat ihre Risse, ihre Verwurzelungen in der Geschichte. Das macht sie schwach und stark zugleich, denn dadurch können sie die Gegenspieler erst verstehen. So eine gar nicht so leise Botschaft ist natürlich: Wer sich seinen Schmerzen und Erinnerungen nicht stellt, läuft in die Irre, tut das Falsche und wird manipulierbar. Wie in diesem Fall der scheinbar so mächtige Zauberer Suadus, der am Ende zum Gegenspieler der vier Wächter wird. Und doch auch wieder nicht. Denn auch das Böse ist nicht absolut.

    Manchmal muss die Autorin schon zu ein paar wundersamen Mitteln greifen, um ihre Helden nicht stranden zu lassen. Aber in Amaduria ist alles möglich – zumindest dann, wenn sich die Helden Mühe geben zu begreifen, was gerade vor sich geht und was hinter den Spiegeln und Blendwerken nun tatsächlich passiert. Und wenn sie Freunde und Helfer finden. Das ist dann ein dichter, dicker und bunter Teppich, den Amanda Koch da gewoben hat, ein großes Spiel der Phantasie, aber auch eine Einladung an Leserinnen und Leser, die für solche Findegeschichten offenen Herzens sind. Die solche Bücher auch als Gleichnis lesen für die gar nicht so einfache Suche nach dem eigenen Weg im Leben. Manche nennen das Schicksal. Aber eigentlich – das ist der Subtext dabei – ist es mehr: Die Suche nach dem Einklang mit sich selbst und dem Sinn, den man dem eigenen Leben gibt.

    Das passiert im Buch zwar alles von außen her – durch die Priesterinnen von Avalon, diverse Göttinen, allerlei erstaunlich weise Berater am Wegrand. Aber das ist ja wie im Leben, wo man sich die eigene Aufgabe auch nicht wirklich selbst stellt, sondern in einem ständigen Wispern, Rätseln und Austauschen mit Anderen. Das nimmt man freilich nicht mehr wahr, wenn man voll auf Egotrip ist und auch über Leichen geht. Ein durchaus stimmiges Bild für diese verborgene Aventiure, auf die sich (junge) Menschen heute einlassen – oder auch nicht. Denn der egoistische Weg ist zwar der schnellere und scheinbar einfachere – der andere, der das eigene Leben einfügt in die lebendige Welt, ist der aufwändigere, schwerere.

    Man könnte fast den Eindruck bekommen: der weiblichere.

    Aber das stimmt so nicht. Auch wenn diese Avalon-Trilogie natürlich in starkem Maße die weibliche Sicht aufs Werden und Vergehen zeigt. Wenn man das hier als Gegensatz zur eher einfacher auf Sieg oder Niederlage gestrickten männlichen Sicht sehen will. Was man nicht muss. Denn am Ende geht es nicht um Sieg oder Niederlage, sondern um eine Begegnung mit den eigenen Ängsten, Stärken und Schwächen. Dazu eignet sich natürlich eine Fantasy-Erzählung ideal.

    Und die gute Botschaft für alle, die jetzt Band 1 und Band 2 in tiefer Versunkenheit gelesen haben: Band 3 liegt seit der Buchmesse auch vor. Den besprechen wir demnächst an dieser Stelle.

    Bestellen Sie versandkostenfrei in Lehmanns Buchshop: Amanda Koch „Die Wächter von Avalon. Der Fluch des Suadus„, Familia Verlag, Leipzig 2014, 16,95 Euro

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