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Ein kleines Kräuterbuch ganz und gar für Frauengeschichten

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    Für FreikäuferZuerst wundert man sich: Ein großes Kräuterbuch hat „Kräuterhexe“ Grit Nitzsche ja schon geschrieben. Auch das eine oder andere zu spezielleren Pflanzenthemen. Und nun extra eins für Frauen? Gibt es unter Kräutern denn keine Gleichberechtigung? Sind Kräuter denn nicht für alle da? Natürlich sind sie das. Aber hier geht’s jetzt um Frauen-Themen.

    Und das sind nun einmal Themen, mit denen nur Frauen zu tun haben – in Lieb und Leid. Wie das so ist. Seit Jahrmillionen. Denn genau das teilen sie eben nicht mit Männern: die Fähigkeit zum Kindergebären. Es bestimmt ihren Körperhaushalt, ihren Lebensrhythmus, ihr Verhältnis zum eigenen Körper sowieso. Und all die Dinge, um die Männer sich nicht kümmern müssen, sorgen natürlich dafür, dass Frauen sich sorgen und kümmern müssen – von der Empfängnis bis zur Geburt, während der Schwangerschaft sowieso.

    Und augenscheinlich war es in der Geschichte immer so, dass Frauen dann auch selbst dafür sorgen mussten, dass alles gutging. Selbst im Mittelalter noch, als Männer begannen, sich die Medizin als Domäne anzueignen. So hat wichtiges Kräuterwissen überdauert, das natürlich zuallererst Heilwissen ist. Denn bevor die moderne Pharmazie aufkam, mussten die Menschen das nutzen, was in Wald und Flur wuchs, Kräuter, von denen man aus generationenlanger Erfahrung wusste, wie sie wirken.

    14 dieser Kräuter stellt Grit Nitzsche in diesem Büchlein vor, in dem sie sich diesmal assistieren lässt von Dr. Ursula Meiners. Denn Kräuterwissen ist das eine – die Anwendung aber etwas anderes. Es ist durchaus anzunehmen, dass in der Vergangenheit eben auch Frauen mit dem nötigen Wissen über Kraft und Anwendung der einzelnen Pflanzen auch die Frauen berieten und betreuten, die entsprechende Hilfe brauchten bei Schwangerschaft, Geburt und Stillen. So eine Heilkundige ist ja nicht dabei, wenn man das Büchlein liest. Also braucht es zumindest die nötigen medizinischen Hinweise, wo Vorsicht angebracht ist oder wo man doch lieber nicht auf ärztlichen Rat verzichten sollte.

    Denn eines haben alle Kräuter gemeinsam: Sie wirken tatsächlich. Wofür natürlich ihre Inhaltsstoffe sorgen, von denen viele mittlerweile gut erforscht sind. Es ist also ganz und gar keine Hexerei, was hier passiert, sondern natürliche Chemie. Und weil das schon viele Generationen vor uns wussten, gehörten viele der vorgestellten Kräuter zu den Attributen wichtiger Göttinnen. Und möglicherweise spielten sie auch in Fruchtbarkeitskulten eine Rolle und bestärkten das Gefühl der Menschen, dass die Welt um sie herum voller Magie ist. Auch wenn es – wie beim Beifuß – ein ätherisches Öl ist, in dem Kampfer und Thujon vorkommen. Gut geeignet bei Unterleibsproblemen und chronischem Blasenkatarrh. Es fördert aber auch die monatliche Blutung. Oh ja. Es ist ein Frauenbüchlein.

    Was dann im hinteren Teil des Büchleins noch deutlicher wird, wenn alle möglichen weiblichen Beschwerden einmal kurz aufgelistet sind mitsamt ihren möglichen Ursachen (oft weicht ja die Plage schon, wenn man es schafft, die Ursache zu beseitigen) und – als kurze Liste – die möglichen pflanzlichen Heilmittel. Und da tauchen sie dann alle wieder auf: Hirtentäschel und Blutwurz, Frauenmantel, Schafgarbe, Eisenkraut und Hopfen. Plus noch ein paar andere Kandidatinnen, die Grit Nitzsche nicht extra beschrieben hat, deren helfende Wirkung man aber kennt – wie bei Thymian und Rosmarin, Brennnessel und Johanniskraut.

    Natürlich gibt es auch ein paar kurze Tipps zum Selbersammeln und Trocknen und zum Zubereiten der Tees und Salben. Aber beim Sammeln werden viele Schwierigkeiten bekommen, denn die ungestörten Stellen, an denen die Kräuter nicht durch Pestizide und andere menschliche Zutaten belastet sind, werden ja immer seltener.

    Am Ende ist es ein Büchlein, das auch Männern recht deutlich macht, warum Frauen sich anders fühlen, mit ihrem Körper anders umgehen und sich um viele Dinge kümmern müssen, für die Männer nicht einmal einen Sinn haben. Und das alles, weil sie unsere Kinder bekommen und das ein erstaunlich allumfassender Prozess ist, der Frauen eben nicht nur neun Monate beschäftigt. Männliche Wissenschaft hat das lange Zeit mit kalter Distanz betrachtet. Aber irgendwie ist man am Ende dankbar dafür, dass in der Natur rund um uns so viele hilfreiche Kräuter wachsen, die unseren Schönen und Geliebten in so vielen Situationen helfen. Die aber auch noch einmal deutlich machen, dass wir ohne eine gesunde Natur gar nichts sind. Wir sind angewiesen auf den hilfreichen Reichtum um uns herum.

    Aber wir sind ja Männer. Nicht wahr? Wir kriegen das auch mit Ratzfatz hin …

    Vielleicht doch besser nicht. Viele Dinge sind in den Händen von Frauen wirklich besser aufgehoben. Sie gehen behutsamer und wissender damit um. Und das eine oder andere Teechen hilft dann auch uns wehleidigen Männern wieder über den Schmerz.

    Grit Nitzsche Heilsame Frauen-Kräuter, Buchverlag für die Frau, Leipzig 2017, 5 Euro.

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