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Löwenzahn: Das Wiederentdecker-Büchlein zu einer völlig unterschätzten Wiesenblume

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    Er steht überall. Zumindest überall, wo kräftig gedüngt wurde durch Kühe oder Hunde. Deshalb heißt der Löwenzahn mancherorts eben auch Kuhblume oder Hundeblume. Nebst Dutzenden anderen Bezeichnungen zu einer Blume, die Kindern Spaß macht, die Hände verklebt und so nebenbei auch noch gesund ist. Was natürlich kaum jemand besser erklären kann als Kräuterhexe Grit Nitzsche.

    Natürlich empfiehlt sie auch gleichzeitig, dass man den Löwenzahn ganz bestimmt nicht auf der Hundewiese pflücken sollte, auch wenn er dort von einem besonderen Nährstoffreichtum erzählt, der anderen Gewächsen schon längst zu viel wäre. Der Löwenzahn ist eine Pflanze, die die Extreme mag. Selbst auf mageren Standorten kommt er vor. Er ist zäh. Selbst Asphalt und Bürgersteige machen ihm keine Angst. Wo eine Lücke ist, zwängt er sich durch, bildet einen langen hohlen Stengel und eine knallgelbe Blüte, die jedem vergrämten Wegeputzer zeigt: „Dein Bemühen ist sinnfrei. Am Ende gewinne ich doch.“Was die Wegputzkolonnen als Unkraut betrachten und mit allen Mitteln bekämpfen, ist aber in Wirklichkeit nicht nur eine essbare und nützliche Pflanze. Sie ist auch noch gesund, wenn man weiß, wann man sie zupfen und rupfen muss. Deswegen hat Grit Nitzsche auch dem Löwenzahn ein Eckchen in ihrem riesigen Kräuter-Gemüse-Garten zugewiesen. Wohl wissend, dass der Löwenzähnige recht hartnäckig sein kann. Selbst aus den gekappten Wurzeln kann er neue Pflanzen sprießen lassen. Wurzeln, die nicht nur kräftig sind, sondern auch köstlich. Mindestens so köstlich wie der beliebte Spargel.

    Und seine kleinen Samenschirmchen machen Kinder froh und versetzen Gärtner in Panik. Dabei verrät Grit Nitzsche sogar, wie man sich seinen eigenen Löwenzahn heranziehen kann. Was man freilich erst tun sollte, wenn man wirklich weiß, wann man was sammelt und wie man es zubereitet. Denn einige Kenner wissen zwar, dass der Löwenzahn ein gesundes Pflänzchen ist.

    Aber ein paar Regeln muss man schon beherzigen, wenn der Verzehr nicht mit Enttäuschung oder gar Blähungen enden soll. Denn auch hier gilt wie bei so vielen nützlichen Pflanzen, die wir Konsumweltbewohner immer nur übersehen: Die richtige Dosis macht das wertvolle Kraut.

    Und so erzählt Grit Nitzsche in diesem Büchlein sehr genau, wann man den Löwenzahn sammeln sollte und welche Teile der Pflanze zu was zu gebrauchen sind. Sie schildert die Zubereitung und erklärt die Wirkungen der Pflanzeninhaltsstoffe auf unseren Körper. Sie  erzählt auch von der Chance, künftig in der Herstellung von Fahrrad- und Autoreifen auf Erdöl und Kautschuk verzichten zu können, denn das klebrige Zeug aus den Stengeln eignet sich tatsächlich zur Gummiherstellung – insbesondere beim russischen Löwenzahn.

    Und wenn man das alles weiß, kann man sich dem Rezeptteil widmen, in dem Grit Nitzsche erklärt, wie man Tee, Saft und Tinktur herstellt, was man mit den goldgelben Blüten, den Blättern und den Wurzeln anfangen kann. Und natürlich wird es schmackhaft, wenn Löwenzahnknospen zu Ersatz-Oliven werden, gebratene Löwenzahnwurzeln im Linsensalat landen oder die gelben Blüten gar in Béchamelsoße. Und selbst als Alternative zum aufregenden Kaffee eignen sich Löwenzahnwurzeln – Stichwort: Wurzelkaffee-Panacotta.

    Und am Ende gibt es noch ein paar Anregungen für die Kinder, die verlernt haben, sich Löwenzahnkränze zu binden. Wer all die kleinen Minis aus dem Buchverlag für die Frau sammelt, die sich den oft genug heilkräftigen heimischen Pflanzen und Kräutern widmen, der dürfte hier einen sehr leuchtenden Zugewinn für seine kleine Sammlung haben. Man erfährt das Wichtigste, was man wissen muss, wenn man mal Lust auf Löwenzahn hat.

    Und man erfährt wieder so manches, was mal zum Alltagswissen unserer Urgroßmütter gehört hat, die bei Wehwehchen eben nicht in die Online-Apotheke gegangen sind, sondern in den Garten am Haus, wo all das leuchtete und die Insekten begeisterte, was die Saubermacher späterer Jahre als Un-Kraut nur zu gern aus der Welt geschafft hätten.

    Mit zweifelhaften Erfolgen, wie wir wissen. Und mit Grit Nitzsche lernen wir wieder, dass es keine Unkräuter gibt, sondern nur eingebildete Menschen, die unter lauter nützlichen Pflanzen blind und dumm in der Gegend herumstehen und von nix eine Ahnung haben.

    Grit Nitzsche Löwenzahn – aromatisch und gesund, Buchverlag für die Frau, Leipzig 2021, 5 Euro.

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