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Cognac: Ein Büchlein über den Weinbrand aus dem Charante-Gebiet

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    Der Teufel war wohl tatsächlich schuld. Jedenfalls träumte der fromme Ritter Seigneur de Segonzac im 17. Jahrhundert einen Traum mit dem Teufel, der ihn dazu animierte, an den in der Charente üblichen Destilliermethoden ein bisschen was zu ändern und den Wein nicht nur einmal zu brennen, sondern zwei Mal. Ergebnis war dann ein Tröpfchen, das bis heute den Namen des Hauptortes der Charente in alle Welt trägt. Nein, Segonzac ist es nicht.

    Obwohl das 2.000-Einwohner-Örtchen mittendrin liegt im Arrondissement Cognac. Und seit dem Ausgang des Ersten Weltkrieges ist auch klar, dass nur Weinbrand aus dieser Region den berühmten Namen tragen darf, auch wenn edle Tropfen nach dem gleichen Verfahren zum Beispiel auch in Deutschland hergestellt werden. Die Käufer sollen schon wissen, dass ihr Fläschchen direkt aus dem Weinanbaugebiet an der Charante stammt. Und wenn man Carlos Steiner, der auch die Geschichte vom frommen Ritter erzählt, glauben darf, dann schmecken das die Kenner auch heraus.

    Was einerseits natürlich an den kalkhaltigen Böden in dieser Region liegt und an den traditionell darauf angebauten Weinreben, auch wenn der eigentliche Zauber dann erst nach dem Destillieren beginnt. Denn Cognac kennt – anders als Wein – keine Jahrgänge. Was auf dem Etikett angegeben ist, ist nicht das Alter des Tropfens, sondern die Lagerzeit der in der Flasche vereinten Destillate.

    Denn selten ist nur ein Destillat darin. Das alkoholhaltige Tröpfchen ist ein Verschnitt, französisch etwas edler Cuvée genannt. Denn seinen Charakter bekommt der Tropfen dadurch, dass die Destillate in großen Fässern, zumeist Eichenfässern, erst einmal ein paar Jahre reifen. Um sie trinkfertig zu machen, werden verschieden lang gelagerte Brände miteinander vermischt, vielleicht auch noch ein wenig abgeschmeckt, damit sie genau das richtige Aroma bekommen. Auf dem Etikett landet dann die Angabe zu dem am kürzesten gelagerten Destillat.

    Und natürlich die Angabe, aus welcher Region um die Stadt Cognac die Weinreben stammen. Carlos Steiner hilft dem Leser auch ein bisschen, die geheimnisvollen Formeln auf dem Etikett zu entschlüsseln. Er erzählt auch etwas über die teuersten und seltensten Flaschen, erklärt aber auch, welches die berühmten Cognac-Marken sind und wie und wo sie hergestellt werden. Man bekommt so ein kleines bisschen Lust, einfach mal zum Wandern an die Charante zu fahren. Vielleicht trifft man ja noch einen frommen Ritter.

    Wobei Steiner natürlich andeutet, der Ritter könnte bei seinem Traum auch ein bisschen angesäuselt gewesen sein. Da kommt man auf solche Gedanken und schiebt das dann alles dem Teufel in die Schuhe.

    Obwohl ein Rapper namens Basta Rhymes dafür gesorgt hat, dass in Cognac nicht das Licht ausging. Denn auch bei Weinbränden und anderen etwas höherprozentigen Alkoholika ist es so: Sie unterliegen Moden. Mal gehören sie für Jahrhunderte zum gepflegten Kamingespräch gut situierter Herren mit Rauschebart und jeder Menge Zeit zum Erörtern ihrer gestrigen Träume. Aber wenn die Zeit der Kamingespräche vorübergeht, verschwindet auch ein gewisser Lebensstil, wandert ab in ältere, sehr konservative Kreise.

    Und das junge Volk begeistert sich für ganz andere Destillate, die man sich in den Cocktail rühren lässt. Barkeeper müssen ständig umlernen, dürfen keinen Trend verpassen. Jedenfalls nicht, wenn ihr Publikum jede Mode mitmacht und sich quasi stets auf der neuesten Welle einen hinter die Binde oder die Halskette gießt.

    Aber seit Basta Rhymes einen erfolgreichen Song auf seine Lieblings-Cognacs gesungen hat, wurde Cognac in den USA zum hippen Getränk und wird von Menschen genossen, die sich nie im Leben mit irgendwelchen langweiligen Rauschebärten zum Palavern an den Kamin setzen würden.

    Und ähnliche Trends gibt es auch in China, Singapur und Südafrika. Die Marke hat also eine regelrechte Wiederauferstehung erlebt, nachdem um das Jahr 2000 schon ein Ende des Cognac-Zeitalters drohte und die Franzosen auf all ihren edlen Flaschen sitzenblieben.

    Mit dem Büchlein vervollständigt der Buchverlag für die Frau natürlich auch seine Reihe über die alkoholhaltigen Tropfen, die aus dem Leben der Menschen nicht wegzudenken sind, öffnet auch wieder eine kleine Tür für all jene, die beim Cognac bisher nicht so recht wussten, was man da eigentlich darf und kann.

    Aber man darf schon eine Menge mehr als zu Zeiten der Rauschebärte. Obwohl man sich vor dem Schicksal frommer Ritter wohl trotzdem fürchten sollte. Man genießt den Cognac (auch wenn man das nicht mehr unbedingt in alten Handwärmergläsern tun sollte), aber man pichelt das Zeug nicht weg, um sich mal richtig die Kante zu geben. Und man kann damit auch ein paar leckeren Rezepten eine unverwechslbare Note geben.

    Deswegen gibt es im hinteren Teil des Büchleins wieder ein paar nette Rezepte, diesmal eher keine Alltags- und Hausmannskost (wie etwa beim Bier), sondern durchaus etwas anspruchsvollere Rezepte für besondere Gelegenheiten. Und wie man bekannte Cocktail-Rezepte mit Cognac zubereiten kann, erzählt Carlos Steiner auch.

    Das ist also gewissermaßen das kleine Rettungsbüchlein für alle, die unterm Weihnachtsbaum überraschend eine Flasche Cognac gefunden haben und nicht wissen, was sie damit anfangen sollen. Wo sie doch gar keinen Kamin haben und ihr Schulfranzösisch schon lange wieder vergessen haben.

    Carlos Steiner Cognac, Buchverlag für die Frau, Leipzig 2019, 5 Euro.

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