Jesus liebt Radfahrer – Navid auch: Zwei Leipziger erzählen von ihrer großen Radtour um die Welt

Für alle LeserDas Wetter ist herrlich, die Tage sind frei. Da wäre so mancher gern einfach losgefahren – mit dem Fahrrad natürlich. Einfach mal über Grenzen, in exotische Länder, zu spannenden Menschen. Aber das wird aufgrund der Corona-Pandemie noch lange nicht wieder möglich sein. Zwei Leipziger haben sich diesen Wunsch 2017 erfüllt und waren dann länger als zwei Jahre unterwegs. Jetzt haben sie ihre Reise in dieses Buch gepackt. Ein Buch, das davon erzählt, wie anders man auf Menschen schaut, wenn man sie wirklich einmal kennenlernt.
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Insgesamt waren Claudia Hildenbrandt und Daniel Mathias von April 2017 bis Juni 2019 773 Tage unterwegs und haben dabei 20 Länder besucht. Was sie unterwegs erlebt haben, konnte man schon auf ihrem gemeinsamen Blog einsehen, wo sie sich auch schon in die Berichterstattung geteilt haben: Die Fotos hat der fotografiebegeisterte Daniel angefertigt, die Texte stammen überwiegend von Claudia. Beide sind im Thüringischen geboren. Daniel arbeitet als Assistenzarzt für Neurologie in Leipzig, Claudia studiert Politik und Englisch auf Lehramt.

Warum genau sie sich dann 2017 tatsächlich auf die Reise gemacht haben, verraten sie nicht wirklich. Sie fassen es nur in dem Satz zusammen: „Es war an der Zeit, unsere Komfortzone erneut zu verlassen, so viel gab es noch zu entdecken!“

Aber man ahnt das Bedürfnis, die Welt wirklich kennenlernen zu wollen, was man nun einmal in der westlichen Komfortzone nicht kann. Schon gar nicht in diversen Ferienressorts oder auf vorgebuchten Touristenpfaden. Raus aus der Komfortzone heißt nun einmal auch: Mit dem menschennächsten Verkehrsmittel loszufahren, das es neben Schusters Rappen noch gibt – dem Fahrrad.

Im Buch-Abspann erzählen sie noch sehr detailliert, wie akribisch sie ihre Reise geplant haben. Immerhin geht es um benötigte Visa, um Buchungen im Flugzeug, denn die Fahrräder müssen ja auch mit, um Kartenmaterial, Reiseversicherung, Impfungen, die Rückversicherung daheim (bei den Eltern), Sprach- und Landeskenntnisse. Was nicht vor bösen Überraschungen feit. Nicht vor stundenlangen Grenzkontrollen, nicht vor unverhofften Stürzen, Schotterpisten und Stress bei der Beschaffung von Wasser, Essen und Benzin für den Kocher. Auch nicht vor platten Reifen, Termiten, Skorpionen, Wüstenstürmen oder eisigem Gegenwind auf der Hochebene.

Die leichteste Tour haben sich die beiden nicht ausgesucht. Schon an der Auswahl der bereisten Länder merkt man: Sie wollten es wirklich wissen. Und sie wollten sich auch nicht von den üblichen Berichten aus deutschen Medien abschrecken lassen – über den Iran etwa, Usbekistan, Pakistan, China oder Thailand, die USA, Chile oder Argentinien.

Und sie wollten am Ende auch nicht einfach einen Reisebericht schreiben mit Tipps für andere, die sich auf ein ähnliches Wagnis einlassen wollen. Denn solche Bücher gibt es ja schon mehrere. Der Know-How-Verlag ist darauf spezialisiert. Wer wirklich mit dem Rad losfährt, erlebt noch heute all die Abenteuer, von denen die Bewohner der Komfortzone nur träumen.

Und das größte Abenteuer sind nicht einmal die Berge und Wüsten, all die phantastischen Ausblicke und windigen Passstraßen. Das größte Abenteuer sind die Menschen. Menschen, die in manchem anders sind als die ängstlichen Bewohner der Komfortzone. Denn wer sich so wie wir mit lauter Schutzmasken gegen die Unbilden der Welt abschottet, überall Sicherheitszonen schafft, der wird auch ängstlicher.

Das erzählen die beiden zwar nicht, auch wenn sie da und dort auf die verschwundene Gastfreundschaft in Deutschland zu sprechen kommen. Wer sich abschottet, so wie das die Deutschen schon seit über 30 Jahren tun, wird besorgt, regelrecht feige und misstrauisch. Der kann sich nicht mehr einfühlen in die anderen und in die Bedürftigen.

Was gerade in ärmeren Ländern noch anders ist, wo Gastfreundschaft oft nicht nur Teil der Kultur ist, sondern auch der Religion. Etwas, was die beiden schon im Iran erleben. Daher stammt auch der Titel, der ein klein wenig in die Irre führt. Denn er fasst zwei Antworten von Menschen zusammen, die ihre sofortige Hilfsbereitschaft mit dem Verweis darauf erklärten, dass Jesus bzw. dass Allah ihnen eben gesagt hätte, dass sie an diesen zwei Reisenden ein gutes Werk tun könnten.

Claudia Hildenbrandt, die auch im Buch weitgehend für die Texte zuständig ist, liebt diese Vergleiche, die geradezu zu Gleichnissen werden. Denn den einen Ausruf hörten die beiden ja im Iran und den anderen ausgerechnet im Süden der USA. Immer wieder trafen sie auf Menschen, die sich regelrecht freuten, Gäste aufzunehmen. Auch in jenen Ländern, in denen die Staatsmacht genau das mit polizeilicher Sturheit zu verhindern sucht. Oder vielleicht auch so: Gerade da.

Denn gerade dort mussten die Menschen wieder lernen, einander direkt zu helfen. Denn Diktaturen schotten sich ja nicht nur nach außen ab. Sie lassen auch die Menschen allein, zwingen sie, erfinderisch zu werden, um zu überleben, sich ein kleines Gewerbe aufzubauen, Nachbarschaftshilfen und Unterstützernetzwerke zu schaffen. Und so merken auch die beiden Radreisenden schnell, wie freigiebig gerade die Menschen in den armen Ländern sind und wie offenherzig.

Vielleicht auch, weil Radfahrer auch dort als schutzlos empfunden werden, anders als Reisende im Jeep oder Bus. Erst recht, wenn die beiden schon von der Strecke gezeichnet sind. Was ihnen an Ungemach passiert ist, haben sie als kleine Bilderstrecke ans Ende des Buches verbannt.

Der große Leseteil mit den vielen eindrucksvollen Fotos erzählt von den bereichernden Begegnungen mit lauter verschiedenen Menschen, mit Aussteigern und Globetrottern, mutigen Zahnärztinnen, selbstbewussten Marokkanerinnen, von Einladungen zu Festen aller Art, von Strenggläubigen und von Menschen, für die der Traum von Europa ganz real ist.

Für die das Leben in Deutschland eine ganz reale Vision ist – die nur die deutschen Bürokraten nie begreifen werden. Gerade junge Leute in Ländern mit einer mehr oder weniger ausgeprägten Diktatur studieren extra, um einmal in Europa eine Chance zu bekommen.

Den beiden Radelnden ist es tatsächlich gelungen, den Blick zu verändern, in vielen Gesprächen mit den Menschen unterwegs über das zu sprechen, was wirklich wichtig ist, was Menschen tatsächlich bewegt und mit Hoffnung erfüllt. Da wird dann auf einmal der Umgang der Deutschen mit ihren Alten zum Thema, die (fehlende) Gastfreundschaft, die Spontaneität der Amerikaner, ihre Offenherzigkeit (die sich sogar mit strengem Glauben und Waffenfetischismus verträgt), die Lebenszugewandtheit der Südamerikaner, die sich auch nach Diktatur und Naturkatastrophe sagen: Was soll’s? Wir lassen uns nicht entmutigen.

Auf einmal spürt man etwas von der wirklichen Kraft der Menschen, die sich dem Leben stellen und glücklich sind, wenn sie anderen helfen können. Und sei es nur mit einer Flasche Wasser oder einer vollgepackten Provianttasche.

Drei Sätze bleiben hängen. Den ersten zitiert Claudia nach Ray Bradbury: „Staunt euch die Augen aus dem Kopf, lebt, als würdet ihr in zehn Sekunden tot umfallen. Bereist die Welt. Sie ist fantastischer als jeder Traum, der in einer Fabrik hergestellt wird.“ In der Form tummelt sich der Satz auf hunderten Reiseportalen.

Aber so war er von Ray Bradbury gar nicht gemeint – jedenfalls nicht als Einladung zum Reiseabenteuer.

Der Satz steht in Bradburys Roman „Fahrenheit 451“ und passt deshalb trotzdem zu der Reise, die die beiden Leipziger unternommen haben: „Stuff your eyes with wonder, he said, live as if you’d drop dead in ten seconds. See the world. It’s more fantastic than any dream made or paid for in factories.“

Ein Satz, dessen Gewalt nur begreiflich wird, wenn man in diesem Buch miterlebt hat, wie die von Bradbury geschilderte Diktatur die Menschen kontrolliert, ihnen alle Träume stiehlt und alle Bücher.

Logisch, dass die beiden sich auch Lesestoff für Unterwegs mitgenommen haben – als E-Book. Ray Bradbury war freilich nicht dabei, auch nicht bei der Tour durch die USA. Dafür haben sie dort Robert Merles „Die geschützten Männer“ gelesen und in Südamerika von Gabriel Garcia Marquez „Der General in seinem Labyrinth“. Dieses Nachdenken über die modernen Diktaturen und Dystopien war also auch mit dabei. Übrigens auch auf dem letzten Teilstück, als die beiden über Spanien wieder Richtung Heimat rollten. Da wurde dann von Robert Harris „Vaterland“ gelesen.

Aber zwei Passagen aus dem Buch bringen ihr Anliegen dann noch einmal auf den Punkt. Einmal die letzten Sätze, die ihre Erfahrungen mit den hilfreichen Menschen unterwegs schildern: „Natürlich tummeln sie sich überall, die Verrückten, Geizigen, die Nörgler und Giftzwerge. Doch mit einem neuen Urvertrauen kehren wir zurück. Wo Männer, Frauen und Kinder sind, gibt es immer jemanden, der hilft.“

Und der andere Satz ist so etwas wie das Grundthema, das Claudia Hildenbrandt in ihren kleinen verwobenen Geschichten immer wieder anklingen lässt. Im Kapitel „Desaster“ stellt sie sich nämlich auch diese Fragen: „War, und ist, mein Leben ein gutes, ein erfülltes? Habe ich Wärme und Leichtigkeit geschenkt oder Hass und Trübsinn verbreitet? Habe ich inspiriert oder Träume zerredet? Haltung bewahrt oder mich opportun und feige verhalten? Habe ich gehadert oder angepackt?“

Das sind sehr aktuelle Fragen und sehr hiesige. Und sie haben sehr viel mit unserer Komfortzone zu tun und mit dem, was diese Komfortzone aus uns macht, wenn wir unser Staunen dem Sicherheitsfimmel opfern.

Claudia Hildenbrandt, Daniel Mathias Jesus liebt Radfahrer – Navid auch, Reise Know-How Verlag, Bielefeld 2020, 15 Euro.

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