Extreme Dürreperioden in Mitteleuropa werden zunehmen, wenn wir den Treibhausgasausstoß nicht drastisch senken

Für alle LeserEigentlich ist es seit über zwanzig Jahren bekannt, was die Klimaerwärmung speziell auch für Sachsen bedeutet, das neben den längeren Hitzeperioden auch besonders von zunehmenden Dürreperioden betroffen ist. Das dritte Jahr hintereinander erlebt Sachsen so ein Jahr. Und Entwarnung gibt es keine. Im Gegenteil. Das in Leipzig heimische Umweltforschungszentrum sieht noch mehr Dürren und Trockenzeiten auf uns zukommen. Denn den Treibhausgasausstoß haben wir noch immer nicht gesenkt.

Die Warnung des Umweltforschungszentrums liest sich so: Die Häufigkeit und das Ausmaß außergewöhnlicher, aufeinanderfolgender Sommer-Dürren dürften bis zum Ende des Jahrhunderts in Mitteleuropa zunehmen, wenn die Treibhausgasemissionen nicht reduziert werden. Das zeigt eine Studie unter Leitung von Wissenschaftlern des UFZ, die jetzt in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlicht wurde.

Seit dem Frühjahr 2018 befindet sich ein großer Teil Europas inmitten einer außergewöhnlichen Dürre. Ein deutsch-tschechisches Wissenschaftlerteam unter Leitung des UFZ hat nun die beiden Dürrejahre 2018/2019 in die Reihe langfristiger globaler Klimadaten der letzten 250 Jahre eingeordnet. Dabei zeigte sich, dass es seit 1766 in Mitteleuropa keine zweijährige Sommer-Dürre dieses Ausmaßes gegeben hat. Mehr als 50 Prozent des Ackerlandes war davon betroffen.

„Es ist wichtig, dass wir die Bedeutung von Dürren in aufeinanderfolgenden Jahren erkennen und einen ganzheitlichen Rahmen zur Modellierung des Risikos entwickeln“, betont Dr. Rohini Kumar, einer der Autoren, die Relevanz der Studie.

Um vorherzusagen, wie häufig solche Dürren in den kommenden Jahrzehnten auftreten könnten und welchen Einfluss Treibhausgasemissionen darauf haben, nutzten die Autoren Klimasimulationsmodelle. Die Auswirkungen zeigen sie anhand von drei Szenarien zukünftiger Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2100, den sogenannten „Repräsentativen Konzentrationspfaden“ (RCPs).

Bei der Modellierung von Klimaszenarien, die den höchsten Anstieg der Treibhausgase bis zum Jahr 2100 annehmen (RCP 8.5), prognostizieren die Autoren eine Versiebenfachung der Anzahl zweijähriger sommerlicher Dürreperioden in Mitteleuropa in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts (2051-2100). Die Projektionen legen auch nahe, dass sich die von der Dürre betroffenen Ackerflächen fast verdoppeln werden – auf mehr als 40 Millionen Hektar.

Und Tatsache ist: Bislang bewegen wir uns auf einem Pfad, der genau dieses Maximalszenario wahrscheinlich macht. „Im Fachmagazin ,Proceedings of the National Academy of Sciences‘ berichten Forscher nun allerdings, dass der Kohlendioxidausstoß der vergangenen 15 Jahre am ehesten zu dem besonders düsteren Szenario passt“, meldete der „Spiegel“ erst am 4. August.

Sachsen ist nicht ganz unschuldig daran. Was nutzen die ganzen Tränen für die betroffenen Bauern, wenn man gleichzeitig die Kohlekraftwerke noch bis 2038 befeuern will? Das ist scheinheilig. Und zeitigt katastrophale Folgen.

Die anderen Szenarien werden nämlich nur dann eintreten, wenn wir unseren CO2-Ausstoß in den nächsten Jahren – und das heißt: bis 2026 – drastisch senken und in Richtung Klimaneutralität kommen, sodass eine Erhitzung der Erdatmosphäre bei zusätzlichen 2 Grad eingehegt werden kann.

Dann tritt diese Variante zum Beispiel in den Bereich des Möglichen: Nimmt man einen moderaten Anstieg der Treibhausgaskonzentrationen (RCP4.5) an, verringert sich die Zahl der zweijährigen Sommer-Dürren im Vergleich zum RCP 8.5-Szenario um fast die Hälfte und die davon betroffene Ackerfläche um 37 Prozent, prognostizieren die Wissenschaftler.

Werden niedrige Treibhausgaskonzentrationen (RCP2.6) angenommen, dann nimmt die erwartete Häufigkeit von zweijährigen Sommerdürren sogar um über 90 Prozent ab. Die Zahl der dürregefährdeten Ackerflächen verringerte sich entsprechend um 60 Prozent.

Das heißt im Klartext: Wenn wir die maximal 2 Grad einhalten, behalten wir (bzw. unsere Kinder und Enkel) eine halbwegs lebenswerte Welt. Aber Voraussetzung dafür ist der baldige Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaftsweise. Die sächsischen Kohleausstiegspläne passen nicht dazu. Sie sind Augenwischerei und das Verbraten von Geld für die falschen Technologien.

Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass eine wirksame Minderungsstrategie für die Emission von Treibhausgasen dazu beitragen könnte, das Risiko häufigerer und ausgedehnterer aufeinanderfolgender Sommer-Dürren in Mitteleuropa zu verringern, drückt sich das Umweltforschungszentrum ganz vorsichtig aus.

Denn es besteht eben leider die Gefahr, dass einige Prozesse – etwa in der Arktis – jetzt schon aus dem Gleichgewicht geraten sind und die Klimaerwärmung weiter anheizen, selbst dann, wenn die Menschheit die Energiewende schafft.

Die Forschungsarbeit wurde im Rahmen des bilateralen Projekts XEROS (eXtreme EuRopean drOughtS: multimodel synthesis of past, present and future events) durchgeführt und durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die Czech Science Foundation gefördert. Die Ergebnisse der Studie basieren auf dem SPEI-Index als Proxy für die Schätzung landwirtschaftlicher Dürren. Weiterführende Forschungsarbeiten, die ein hydrologisches Modell auf der Grundlage von Bodenfeuchtigkeitsschätzungen (SMI-Index) verwenden, werden diese Ergebnisse weiter konkretisieren.

Publikation: Vittal Hari, Oldrich Rakovec, Yannis Markonis, Martin Hanel & Rohini Kumar: Increased future occurrences of the exceptional 2018-2019 Central European drought under global warming, Scientific Reports, https://doi.org/10.1038/s41598-020-68872-9

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