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Ein Offener Brief für die sächsische Schulministerin

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    Was ist eigentlich mit der Politik passiert, wenn die Bürger der zuständigen Ministerin erklären müssen, wie man ein zukunftsfähiges Bildungssystem organisiert? Denn nichts anderes tun die UnterzeichnerInnen eines Offenen Briefes, der jetzt an Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) geschickt wurde. „Der LehrerInnenmangel in Sachsen ist gravierend“, heißt es darin.

    Und: „Die von Ihrem Ministerium getroffenen Maßnahmen sind unserer Ansicht nach ein bloßer Versuch der Symptombekämpfung und bei Weitem nicht ausreichend, um dem LehrerInnenmangel nachhaltig entgegenzuwirken.“

    Der Offene Brief beinhaltet Vorschläge an die Ministerin, nicht wie bislang nur die Symptome des Lehrermangels zu bekämpfen, sondern die Ursachen. Und zwar Stück für Stück, das ganze Bildungssystem durch – von der miserabel organisierten Bildungsagentur, die völlig intransparent arbeitet, sich zwischen Schulen und Bewerber drängt und selbst in ihrem Online-Auftritt einen Ton an den Tag legt, der die BewerberInnen wie Schüler behandelt, denen man erst mal alle Ausschlussfristen unter die Nase reibt, über die Organisation des Studiums (das von der Staatsregierung wie ein UFO behandelt wird, als würden hier lauter Leute ausgebildet, die man partout nicht haben möchte), die Schulorganisation bis hin zur Ausstattung mit Personal.

    Es sind keine zufälligen Bürger, die sich hier mit einem Offenen Brief zu Wort melden. Viele sind schon seit Jahren an der Reformdiskussion für das sächsische Schulsystem beteiligt, es sind PolitikerInnen darunter, GewerkschafterInnen, HochschullehrerInnen und auch engagierte LehrerInnen aus dem Schuldienst, die das ganze Abschreckungssystem von innen heraus kennen.

    Und eigentlich zielt der ganze Teil zur Schulorganisation zur Hälfte an die Kommunen, die bei der Schulsanierung um Jahrzehnte hinterherhinken (und damit für Schüler und Lehrer unwürdige Zustände zugelassen haben) und den vertrödelten Neubau damit kaschieren, dass sie die Klassen vollstopfen. Was indirekt wieder mit einer Staatsregierung zu tun  hat, die mit den Städten tatsächlich über eine minimale Neubauförderung feilscht, als würden die Kommunen die Goldene Gans Sachsen ausnehmen wollen, die tatsächlichen Bedarfe aber einfach ignoriert.

    Es ist nicht nur die Bildungsministerin, die auf ganzer Linie versagt hat. Vielleicht versagen musste, weil sie die Mittel, die sie auch nur für eine einigermaßen auskömmliche Finanzierung des Schulwesens braucht, nicht bekommt. Weil in Sachsen ein Mann regiert, den kein Sachse für diesen Job gewählt hat: ein unflexibler und für ein Denken in Zukunftsinvestitionen unfähiger Finanzminister.

    Aber Brunhild Kurth hätte wenigstens die Bildungsagentur modernisieren und zu einer Institution machen können, die alle Chancen auch nutzt, junge Menschen für den Schuldienst in Sachsen zu gewinnen. Der Offene Brief schildert ausführlich alle Hürden, die dieser bürokratische Apparat aufgebaut hat, um junge Pädagogen von einer Bewerbung in Sachsen regelrecht abzuschrecken.

    Das wichtigste Instrument zur Lehrergewinnung wird in Wirklichkeit dazu genutzt, Lehrer vom sächsischen Schuldienst nicht nur abzuschrecken, sondern auszuschließen. Bis hinein in die völlig unterirdische Kooperation mit den Hochschulen und den Lehramtsanwärtern. Jungen Pädagogen in dem Moment, wo allen klar ist, dass über 1.500 Lehrer fehlen, kaltschnäuzig zu erklären, dass sie in Sachsen keine Chancen auf eine Anstellung haben, ist nicht nur fahrlässig, sondern mutwillige Zerstörung aller Grundlagen.

    In Ländern, in denen in der Regierungsebene auch nur das geringste Bewusstsein für Fehlerkultur herrschte, wäre der Job der Kultusministerin schon längst neu besetzt worden. Einige andere Ministerposten übrigens auch.

    Der Offene Brief liest sich wie der komplette Gegenentwurf zur aktuellen Geht-Nicht-Politik in Sachsens Bildungssystem. Brunhild Kurth kann auf keinen Fall mehr sagen, sie wüsste nicht, was sie tun könnte. Sie kann eine Menge tun.

    Offener Brief an Staatsministerin für Kultus, Brunhild Kurth

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    3 KOMMENTARE

    1. Der offene Brief ist eine Fleißarbeit und trifft viele Nägel genau auf den Kopf! Wer nicht mehr täglich mit Schule zu tun hat, sollte den Brief genau lesen und staunen. Manches wird unglaublich erscheinen, entspricht aber vollständig der Realität.

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