Leipzigs SPD-Fraktion hält nichts von Tablet-Schwemme an Leipzigs Schulen, fordert aber einen IT-Planer

Für alle LeserDigitalisierung von Schulen ist in aller Munde. Die Bundesregierung fordert es, der Freistaat Sachsen auch und die Stadtratsfraktionen reagieren darauf. Nun legt auch die SPD-Fraktion einen Antrag zu diesem wichtigen Thema vor. Das Motto lautet eigentlich: Das können nicht auch noch die Lehrer leisten! Wer ständig fordert, soll das Geforderte bitteschön auch umsetzen.

Ob das alles Sinn macht, darüber denkt zurzeit sowieso niemand nach – kein Kultusminister, kein Lehrplangestalter, Lehrer schon gar nicht. Die sind nur noch Getriebene und müssen umsetzen, was sich die Narren der Technikgläubigkeit alles so ausdenken – egal, wohin das führt und was das bei der Bildung junger Menschen wirklich bringt.

Jüngst beantragte die Leipziger CDU-Fraktion die Schaffung (und Finanzierung) von „10 zusätzlichen Stellen zur Betreuung der IT in den Schulen“, außerdem die „Ausstattung aller Leipziger Schulen mit je mindestens einem Klassensatz Tablets“ und WLAN-Netzen in allen Schulen.

Auf diesem Antrag basiert jetzt der Vorstoß der SPD-Fraktion.

„Unsere Schulen in Deutschland, Sachsen und natürlich auch in Leipzig hängen bei der Digitalisierung weit hinterher. So sind in Leipzig gerade mal 55 Schulen komplett vernetzt, sieben Schulen haben ein vollfunktionierendes WLAN-Netz und an 24 Schulen gibt es partiell WLAN. Deshalb ist die Forderung der CDU- Fraktion nach einem Klassensatz Tablets für jede Schule etwas voreilig, da Tablets im Offline-Modus nicht wirklich brauchbar sind“, erklärt Ute Köhler-Siegel, schulpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion.

Andreas Geisler, Stadtrat der SPD-Fraktion und ehemaliger Vorsitzender des Stadtelternrates Leipzig, geht auf das eigentliche Problem ein, denn tatsächlich besteht das ganze Getöse zur Digitalisierung größtenteils aus heißer Luft. Die Elektronik-Verbände fordern zwar beständig, all ihre Geräte möglichst schnell in allen Schulen unterzubringen. Wer den Spaß dann aber bezahlen soll und welche wirkliche Verbindung der ganze Kram zu den Lerninhalten hat, das ist bis heute nicht geklärt.

„Der Freistaat Sachsen und das Kultusministerium haben bis heute keinen Plan zur Digitalisierung vorgelegt oder geben den Kommunen wenigstens einen Handlungsleitfaden zur Ausstattung von Schulen“, sagt Geisler. „Leipzig kann nicht noch mehr Zeit verlieren und muss jetzt endlich handeln. Die Konzeption ‚Medienbildung und Digitalisierung in der Schule‘ des Staatsministeriums für Kultus vom Oktober 2017 bietet auch keine schlüssigen Antworten und es fehlt die komplette Umsetzung in Verordnungen um Handlungssicherheit zu Netzen, Lernmitteln oder Lehrmitteln zu schaffen“.

Leipzigs SPD-Fraktion fordert deshalb in einem ersten Schritt, dass die Verlegung von leistungsstarken Netzen nicht an der Schulmauer endet, sondern dass innerhalb der nächsten vier Jahre der Netzwerkaufbau planvoll erfolgt.

„Schließlich können wir nicht warten, bis alle Schulen saniert sind. Um die Schulen in diesem Bereich kompetent zu unterstützen und zu beraten, bedarf es professioneller Beratung“, sagt Geisler. „Dafür fordert die SPD-Fraktion die Schaffung einer Stelle eines IT Gestalters/Planers, um die Querschnittsaufgaben zwischen Planung und Netzausbau in den einzelnen Schulen zu koordinieren natürlich in Zusammenarbeit mit dem medienpädagogischen Zentrum.“

Alles Baustellen, die eigentlich davon erzählen, dass die politisch Verantwortlichen nur blindlings dem permanenten Druck der IT-Wirtschaft folgen, aber nicht mal einen Plan haben, wie das alles sinnvoll umgesetzt werden soll.

Aber die IT-Branche wird es freuen. Denn all das kostet Geld und schafft – so war es ja auch schon im CDU-Antrag zu lesen – neue Arbeitsplätze für Leute, die sich alle nur noch um die ganze Technik kümmern und dafür sorgen, dass der Kram auch funktioniert.

„Diese Aufgabe kann man nicht auch noch den Schulen übertragen“, sagt Andreas Geisler. „Dort ist die primäre Aufgabe, den Unterricht abzudecken und nicht Planungsaufgaben zu übernehmen. Außerdem müssen noch weitere Stellen geschaffen werden, um die laufenden Wartungs- und Servicearbeiten an Schulen zu übernehmen und die Arbeiten der Servicedienstleister zu koordinieren. In unseren Schulen gibt es zirka 8.000 Computer, dafür gibt es vier Stellen im Medienpädagogischen Zentrum. Dies ist zu wenig, um die IT-Technik besser zu warten und betreuen zu können als bisher. Schließlich werden am Ende dieses Prozesses in unseren Schulen mehr Endgeräte genutzt werden als in der gesamten Verwaltung.“

Und natürlich holt man sich damit auch alle Probleme der schönen neuen Technikwelt ins Haus.

„Die Stadt muss sich unbedingt mit dem Sicherheitskonzept für Hardware gegen Diebstahl auseinandersetzen, aber auch mit Sicherung der Netzwerke“, sagt Ute Köhler-Siegel, die als Lehrerin nur zu gut weiß, dass jedes technische Spielzeug wichtige Zeit und Ressourcen stiehlt, die eigentlich dringend fürs Lernen gebraucht werden. „Ganz besonders wichtig ist der SPD- Fraktion, den Schulen keine IT-Ausstattung überzustülpen. Wir halten nichts von solchen Forderungen, wie Tablets für alle Schulen. Wir setzten auf Eigenverantwortung. Jede Schule soll eigenständig entscheiden, ob sie lieber mit PCs oder Laptops, Tablets oder interaktiven Tafeln arbeiten möchten. Das Konzept muss zur Schule passen. Eine sinnvolle Digitalisierung des Unterrichts wird nur funktionieren, wenn die Lehrer diese Medien nach pädagogischen und methodischen Gesichtspunkten einsetzen. Für die Ausstattung der Schulen soll nach unseren Vorstellungen ein ansparbares Medienbudget zur Verfügung stehen.“

Der SPD-Antrag.

Digitalisierung
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