Ohne Gespräch und Diskussion einfach weggebügelt

Sachsens Sportlehrer sind über den Umgang mit ihrer Petition im Landtag richtig sauer

Für alle LeserEs geht nicht nur um Bewegung beim Schulsport, weil Sachsens Kinder viel zu oft übergewichtig sind. Der Mensch braucht Bewegung – auch um besser denken zu können. Lehrer wissen das. Aber Sachsens Kultusminister augenscheinlich nicht. Und nun hat es Sachsens Landtag auch noch fertiggebracht, die Petition „Für eine bewegte Schulzukunft unserer Kinder und Jugendlichen“ einfach ohne Anhörung und Überprüfung abzulehnen. Vielleicht schon Ergebnis von zu wenig Sport? Sachsens Sportlehrer jedenfalls sind sauer.

In der 86. Plenarsitzung des Sächsischen Landtages am 30. Januar wurde ihre Petition jedenfalls ohne weitere Anhörung oder Überprüfung abgelehnt. „Damit werden auf einen Schlag die 29.535 Stimmen unserer Unterstützer entwertet. So geht sächsisch?! Wir haben eine andere Vorstellung von demokratischer Mitbestimmung“, kritisiert das Robert Venus im Namen des Vorstands des sächsischen Sportlehrerverbandes.

Mit guten Argumenten hatte man monatelang Unterschriften gesammelt und die Petition im Frühjahr 2018 eingereicht – und als Ergebnis erntet man nur selbstgefälliges Schweigen.

In seiner Stellungnahme listet der Sportlehrerverband den peinlichen Vorgang noch einmal auf. Besonders entsetzt zeigt sich der Verband, weil dieser klammheimliche Vorgang ausgerechnet in einer Zeit passiert, in der Sachsens Regierung immerfort eine „neue Gesprächskultur“ postuliert. Aber die ist augenscheinlich gar nicht ernst gemeint. Man redet zwar mit allen möglichen Leuten, hört sich auch geduldig das Gerede wütender Bürger an.

Aber wenn Fachleute sich mit begründeten Argumenten zu Wort melden, ernten sie völlige Ignoranz. Nicht nur im Bereich Schule, wo ja auch noch die Unterschriftensammlung zu einer Volksabstimmung über längeres gemeinsames Lernen läuft.

Wenn Digitalkonzerne in den Unterricht eingreifen wollen

Aber das Schulsystem in Sachsen ist zu einem Sparmodell verkommen, in dem es sichtlich nicht mehr um die Kinder und ihren Bildungserfolg geht, sondern nur noch um Geld und Effizienz. Und Christian Piwarz, mittlerweile der dritte CDU-Kultusminister, der das durch falsches Sparen angerichtete Desaster irgendwie in Ordnung bringen will, reagiert nicht wirklich anders als seine gescheiterte Vorgängerin, nur dass er noch rücksichtsloser in die Bildungsinhalte eingreift und die Stundentafel in Fächern kürzt, die er –  so aus Juristensicht – für überflüssig hält: Sport und Deutsch.

Und er hat auch nicht wirklich das Gespräch mit den Sportlehrern gesucht.

Die Begründung zur Ablehnung der Petition zeigt aber, dass es tatsächlich um einen Machtkampf geht – in diesem Fall den der Digitalkonzerne um die Hoheit in den Schulen. Denn Deutsch und Sport hat Piwarz vor allem gekürzt, um Platz zu schaffen für neue Lehrinhalten, allen voran die mit Trommelfeuer begleitete Digitalisierung des Unterrichts.

„Grundlage für die weiteren Überlegungen zur zukünftigen Gestaltung der sächsischen Schulen ist die Festlegung 3.4 des Handlungsprogramms der Sächsischen Staatsregierung ‚Nachhaltige Sicherung der Bildungsqualität im Freistaat Sachsen‘ vom 9. März 2018“, heißt es in der Begründung der Ablehnung. „Um einerseits neue Lerninhalte wie beispielsweise Digitalisierung, Medienbildung und eine Verstärkung der politischen Bildung in den Unterricht aufzunehmen und anderseits die Belastungen der sächsischen Schülerinnen und Schüler zu senken, wurde vereinbart, die Lehrpläne und Stundentafeln bis zum 1. August 2019 so zu überarbeiten, dass die Unterrichtsbelastung unter Beachtung der Vorgaben der Kultusministerkonferenz um 4 Prozent gesenkt wird. Dabei sollen alle Fächergruppen in den Blick genommen werden. Gleichzeitig – und darauf weist das Handlungsprogramm ebenfalls hin – soll so auch zusätzliches Lehrerarbeitsvolumen zur Absicherung des Unterrichts gewonnen werden.“

Die hier genannte Medienbildung hat übrigens auch nichts mit souveränem Umgang mit Medieninhalten zu tun. Auch hier geht es ausschließlich um Technik und die hohe Kunst des Programmierens. Und dass der Kultusminister meint, politische Bildung noch extra im Lehrplan unterbringen zu müssen, sagt eine Menge über deren Nicht-Vermittlung in schon existierenden Fächern wie Ethik oder Sozialkunde.

Fakten geschaffen in Windeseile

Noch im Frühjahr nutzte das Sächsische Kultusministerium die Zeit, „um kurz vor den Sommerferien 2018 noch Tatsachen zu schaffen. Im Zuge des sogenannten ‚Handlungsprogrammes zur Sicherung der Bildungsqualität in Sachsen‘ wurde eine veränderte Stundentafel ab dem Schuljahr 2019/2020 angekündigt. Darin findet sich auch eine Kürzung des Schulsports in allen Schularten wieder“, schreibt der Sportlehrerverband jetzt in seiner Stellungnahme.

„Die bei der Petitionsübergabe von allen politischen Lagern zugesagte breite Aussprache zur Thematik im parlamentarischen Rahmen hat bis heute nicht stattgefunden. Erst durch einen telefonischen Hinweis am Dienstag, den 29.01.2019, erfuhren wir, dass der Sächsische Landtag unsere Petition am Mittwoch, den 30.01.2019 in seiner 86. Plenarsitzung ohne weitere Anhörung und Prüfungsschritte ablehnen wird. Unsere Internetrecherche am besagten Tag bestätigte dies (siehe TOP 20, zum Nachlesen hier klicken, S. 23, Stand: 31.01.2019). Eine Bestätigung von offizieller Seite steht weiterhin aus.“

Die berechtigte Frage: „So geht sächsisch?! Neben der inhaltlichen Bagatellisierung unseres Anliegens und den praxisfernen Argumentationslinien von nichtgenannter Quelle in der Drucksache 06/02184/4 ist die -en bloc- Ablehnung unseres Anliegens, im Rahmen aller anderen Petitionen an diesem Tag, zu hinterfragen. Diese Vorgehensweise spiegelt auch der 15. Platz im Ranking (S. 19, 48, Stand: 31.01.2019) des Petitions-Atlas 2018 von openPetition wider.“

Der Verband jedenfalls ruft jetzt seine Mitglieder auf, sich selbst an die gesprächsfaule Regierung zu wenden, die seit der desaströsen Bundestagswahl 2017 zwar ständig von Dialog redet, aber Petitionen nach wie vor behandelt wie Zumutungen, über die man nicht gewillt ist, mit den fachkundigen Bürgern zu reden.

Wenn auch noch Musik und Kunst auf die Kürzungsliste des Schulministers geraten

PetitionSportunterricht
Print Friendly, PDF & Email
Leserbrief

Hinweise zum Leserbrief: Bitte beachten Sie, dass wir einen Leserbrief nur veröffentlichen, wenn dieser nicht anonym bei uns eintrifft. Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass eine Teilnahme an Verlosungen des L-IZ Leserclubs mit dem Leserbrief nicht möglich ist.

Ihr Name *

Ihre E-Mail-Adresse *

Betreff

Ihre Nachricht *

Bild/Datei hochladen

Wären Sie mit der Veröffentlichung als Leserbrief einverstanden? *

 
4 Kommentare


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr





Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Der Stadtrat tagt: Aufstellung Sozialer Erhaltungssatzungen beschlossen
Mathias Weber (Linke). Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserDer Stadtrat hat die Aufstellung einer Sozialen Erhaltungssatzung für zahlreiche Untersuchungsgebiete in Leipzig beschlossen. Betroffen sind unter anderem Plagwitz, Lindenau, Kleinzschocher, Leutzsch, Gohlis-Süd und Teiles des Ostens und Südens. Im Oktober soll die Verwaltung dem Stadtrat rechtssichere Satzungsentwürfe vorlegen.
Der Stadtrat tagt: Jugendparlament setzt Impulse bei Radstation und Mülltrennung
Annegret Janssen (Jugendparlament). Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserDer Stadtrat hat am Mittwoch, den 26. Juni, zwei Anliegen des Jugendparlaments unterstützt, die das Innenstadtgebiet betreffen. Zum einen soll unter anderem mittels Bürgerbeteiligung die Eröffnung einer Radstation am oder im Hauptbahnhof angestrebt werden. Zum anderen möchte die Stadt darüber verhandeln, die Papierkörbe an LVB-Haltestellen durch Mülltrennungssysteme zu ersetzen.
Noch Karten für Sommertheater erhältlich
Logo Markkleeberg

Logo Markkleeberg

Die Stadtverwaltung Markkleeberg holt das Theatergenre in den agra-Park zurück. Ende Juni, Anfang Juli wird hier „Ein Sommernachtstraum“ von William Shakespeare gezeigt. Insgesamt fünf Vorstellungen sind vorgesehen.
Der Stadtrat tagt: 10-Punkte-Hitze-Antrag der Grünen unterliegt
Sozialdezernent Thomas Fabian. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle Leser„Heiße und trockene Sommer sind keine Ausnahme, sondern werden in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zur Regel. Schnellstmöglich braucht es Maßnahmen, mit denen sich Leipzig an sommerliche Extremwetterlagen anpassen kann. Alle Leipziger haben das Recht auf sommerliche Lebensqualität in kühlen Nachbarschaften“, schrieben die Grünen in ihrem Antrag zu einem „10-Punkte-Programm gegen Hitze im Stadtgebiet“.
Der Stadtrat tagt: Die Juni-Sitzung im Livestream
Während der Ratssaal saniert wird: Das Interim des Leipziger Stadtrates ab Juni 2019. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserBei der heutigen letzten Ratsversammlung des „alten“ Stadtrates wird es gleich mehrfach ungewohnte Bilder geben. Zum einen finden die monatlichen Beratungen ab heute für zirka ein Jahr lang im Nebensaal des eigentlichen Hauptsaales statt. In diesem wurden bereits die alten Sitze entfernt, Wandvertafelungen entfernt und so auch die alten Seitengalerien des eigentlichen Saales offengelegt.
Der Stadtrat tagt: Keine Hunde in Leipziger Amtsstuben

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserMachen Hunde im Büro zufriedener? Ja, hört man aus anderen Städten. „,Bürohunde‘ können zu einem besseren Betriebsklima sowie Zusammengehörigkeitsgefühl führen und senken die Ausfälle durch Krankheit aufgrund der stressreduzierenden Wirkung“, schrieben die Freibeuter in ihren Stadtratsantrag, auch in Leipzigs Verwaltung Bürohunde zuzulassen. Der Antrag kam zur Stadtratssitzung am Mittwoch, 26. Juni, zur Abstimmung.
Der Stadtrat tagt: Auwaldstation erhält weitere zehn Jahre Gelder
Oberbürgermeister Burkhard Jung. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserGelegen im Schlosspark Lützschena ist die Auwaldstation Ausgangspunkt von Exkursionen und bietet viele Veranstaltungen. Bis Dezember 2019 bestand ein Vertrag über jährliche Förderung mit der Stadt Leipzig, die Ratsversammlung stimmte jetzt für die Verlängerung. Bis 2029 erhält die Station weiterhin 50.000 Euro pro Jahr aus dem städtischen Haushalt. Der Antrag des Ortschaftsrates Lützschena auf Erhöhung der Mittel scheiterte dagegen.
Der Stadtrat tagt: Mehr Geld für die Bahnhofsmission
Linke-Stadträtin Juliane Nagel. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserDer Stadtrat hat am Mittwoch, den 26. Juni, mehrere Maßnahmen beschlossen, die die Situation am Hauptbahnhof verbessern sollen. Anlass war ein Antrag der Linksfraktion, die einen Verlust von Rückzugsräumen und Schlafmöglichkeiten für wohnungslose Menschen befürchtet.
Das Programm zur medizinischen Versorgung Sachsens ist auf die letzten paar Wochen gar nicht mehr umsetzbar
Rettungswagen auf der Karl-Liebknecht-Straße. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDie aktuelle Wahlperiode in Sachsen geht zu Ende. Und sie geht so zu Ende, wie es manche Landtagsabgeordnete befürchtet hatten: Wichtige Projekte, die der regierenden CDU nicht wichtig erschienen, wurden entweder völlig ausgebremst oder so lange auf die lange Bank geschoben, bis sie gar nicht mehr in Regierungshandeln umgesetzt werden konnten. Das betrifft auch das brisante Thema der medizinischen Versorgung in Sachsen.
Am 29. Mai in der Red Bull Arena: RAMMSTEIN Europa Stadion Tour 2020
RAMMSTEIN Europa Stadion Tour 2020 © Jens Koch

© Jens Koch

Wenn es noch an Beweisen fehlte, dass Rammstein zu den momentan größten Bands der Welt gehören, sollte die Sache nach der Veröffentlichung von „Rammstein“, dem 7. Album der Band, und dem ersten Teil der Stadiontour endgültig klar sein. Denn da gab es: seitenweise Feuilleton-Diskussionen, der Sprung auf Platz 1 der Albumcharts in vielen europäischen Ländern, begeistertes Fan-Feedback auf das Album und beeindruckende Kritiken zur Tour, die in Rekordzeit ausverkauft war.
Neue Ausstellung im Leipziger Stasi-Unterlagen-Archiv : „30 Jahre nach der Friedlichen Revolution und dem Mauerfall“
Einst Stasi-Sitz in Leipzig: die heutige Gedenkstätte Runde Ecke Leipzig. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Seit 1970 bis in die Gegenwart hinein malt die Künstlerin Diana Achtzig immer wieder Motive, die persönliche Schicksale und gesellschaftliche Prozesse aufgreifen. Dazu gehören szenische Bilder über die Flucht von DDR-Bürgern in den Westen, die Diktatur der DDR, die Stasi, die friedliche Revolution, den Mauerfall und die Einheit Deutschlands im Oktober 1990. „Ich interessiere mich für Brüche in Biografien von Menschen, die in diesem diktatorisch und ideologisch geprägten DDR-Staat lebten.“, so die DDR-Künstlerin.
Eine Studioausstellung im Böttchergässchen erzählt die Geschichte der Familie von Raphael Chamizer aus Leipzig
Familie Moritz Chamizer mit den Eltern Agnes und Moritz und den Geschwistern Betti, Lucie, Ephraim und Raphael, 1899. Foto: privat

Foto: privat

Für alle LeserDie Geschichte einer Stadt erzählt sich über die Menschen, die darin wohnen, ihre Schicksale und Lebenswege. Und dabei geht es nicht nur um die berühmten Bürgermeister, Handelsherren und Musiker. Es geht auch um Menschen wie den Arzt und Künstler Raphael Chamizer. Ihm und seiner Familie ist jetzt eine Ausstellung im Studio des Stadtgeschichtlichen Museums gewidmet.
Nicht alle Leipziger Teiche können mit Grundwasser befüllt werden
Der Rosentalteich am 20. Juni. Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserNoch stand in der vergangenen Woche ein bisschen Wasser im Rosentalteich. Aber er wird auch in diesem Jahr austrocknen. Fische sind eh keine mehr drin. 2018 hat das Amt für Stadtgrün und Gewässer das Thema der austrocknenden Teiche noch nicht so deutlich thematisiert. Aber nach dem viel zu trockenen Winter hat auch der Sommer 2019 viel zu wenig Wasser. Und nur wenige Teiche können mit Grundwasser befüllt werden.
Jugendtheaterpremiere beim 10. KAOS-Kultursommer EskalationWeekender – Escape!
Escape Jugendtheater. Foto: Maria Schüritz

Foto: Maria Schüritz

Mit „Romeo & Julia“ begeisterten die TheaterTeens im vergangenen Jahr das Publikum in der Kulturwerkstatt KAOS – Ein Projekt der KINDERVEREINIGUNG Leipzig e.V. in drei ausverkauften Vorstellungen. Am 27.6., 20 Uhr feiert nun ihr erstes selbst entwickeltes Theaterstück Escape! Premiere. Stück und Inszenierung entstehen gemeinsam mit der Theaterschauspielerin und Theaterpädagogin Nina Ronneburg. Der Parkplatz hinter der alten Villa in der Wasserstraße 18 verwandelt sich dafür in eine Arena.
BUND Sachsen fordert sofortiges Pestizid-Verbot in Schutzgebieten
Landschaft an der Neuen Luppe. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle Leser2016 hatte der Landtagsabgeordnete der Grünen Wolfram Günther bei der Sächsischen Staatsregierung nachgefragt, was sie über den Pestizid-Einsatz in sächsischen Naturschutzgebieten weiß. Natürlich wusste sie nichts. Es waren keine Anfragen zur Genehmigung der Ausbringung eingegangen. Was auch nicht nötig ist. Denn wenn Landwirtschaft in den Schutzgebieten stattfindet, zählt das eher zu den „zulässigen Handlungen“. Das aber müsse schleunigst beendet werden, fordert der BUND Sachsen.