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Wieder Opfer: Die AfD erneut von Daten-Leak betroffen

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    2.269 Datensätze mit Handynummern, Mitgliedsnummern, Mailadressen und Wohnanschriften von AfD-Mitgliedern, welche beim soeben zu Ende gegangenen Parteitag in Stuttgart anwesend waren, sind am Morgen im Netz aufgetaucht. Nicht das erste Mal, dass die Partei von einem Datenleck betroffen ist. Bereits 2014 machten die ersten Listen damals mit allen Parteimitgliedern Sachsens die Runde, 2015 betraf es den Bremer Parteitag. 2014 stand die Landtagswahl im Freistaat an, die AfD holte aus dem Stand 9,7 Prozent. Geschadet hatten die Veröffentlichungen und die Diskussionen um rechte Mitglieder in den AfD-Reihen demnach kaum. Worin der Sinn solcher Adress-Aktionen besteht, bleibt derzeit eher unklar.

    Am 1. Mai machte es plopp und auf der Plattform „Indymedia Linksunten“ standen sie, mehr oder minder alle Namen der AfD-Delegierten von diesem Wochenende in Stuttgart als Texteintrag. Kurz darauf ploppte es am 1. Mai ein weiteres Mal und es gab die Daten säuberlich als PDF, Datentabelle und auf einem weiteren Server zu sehen. Später noch eine „Map“, also die kartographische Darstellung der Wohnadressen. Bereits 2014 hatte es erste Listen von Parteimitgliedern gegeben, dieses Mal scheint es ein Hack der AfD-IT beim Parteitag selbst zu sein.

    Jedes Mal wurden die Veröffentlichungen im Netz anonym auf dem Portal Indymedia publiziert, jedes Mal blieb die Herkunft unbekannt. Was den einen oder anderen derzeit noch vielleicht belustigt, könnte jedoch auch zu einem Ende einer durchaus genutzten Quelle für Journalisten und nach dem Opferstatus zu einem weiteren Sieg der AfD gereichen. Dies jedenfalls will die AfD nun letztlich erreichen, wenn AfD-Vorstandssprecher Jörg Meuthen, welcher selbst wie auch Frauke Petry auf der Liste fehlt, Strafanzeigen und eine Verfolgung des Vorganges noch auf dem Parteitag ankündigte. Und dabei wie sein Parteivize Alexander Gauland die gesamte Internetseite ins Visier nahm.

    Zumindest zeigt der Fall „Altermedia“ – das selbst ernannte einstige rechte Gegenstück im Netz zu Indymedia – dass es nicht unmöglich ist. Dieses ist trotz einst ausländischer Server und strenger Anonymität seit Jahren aus dem Netz verschwunden.

    Gauland: „Nicht ununterbrochen davon zu reden, dass es irgendwelche rechte Brandanschläge gibt.“

    Der AfD-Vizevorstand Alexander Gauland nutzte die Chance hingegen sofort noch für eine Relativierung. Und stellte der Veröffentlichung der Liste noch auf dem Parteitag „irgendwelche Brandanschläge“ gegenüber. Statt immer über diese zu reden, solle sich Bundesjustizminister Heiko Maas nun um die Linken kümmern. Indirekt brachte Alexander Gauland gegenüber Spiegel Online einen Anschlag auf seine Adresse in der Vergangenheit ebenfalls mit einer Liste auf Indymedia in Verbindung.

    Der Opferstatus und ein fragwürdiger Nutzen

    Was allerdings der Sinn solcher Listen ist, bleibt nach wie vor unklar, der Erkenntnisgewinn für die Öffentlichkeit ist eher gering. Weshalb nun eher wieder die Überlegungen ins Kraut schießen, dies sei die Vorbereitung auf Anschläge auf AfD-Mitglieder. Viele der Namen sind in den jeweiligen lokalen Medien und Umfeldern durch Berichterstattungen bereits bekannt, in Leipzig erscheinen unter anderem der Stadtrat Tobias Keller, Felix Koschkar (Patriotische Plattform Sachsen) und Landtagsabgeordneter Uwe Wurlitzer sowie Siegbert Droese (Vorsitzender der AfD Leipzig) auf der Liste. Wurlitzer gibt bei solchen Gelegenheiten offensichtlich eh nur noch ein Postfach an, immerhin gab es in Leipzig bereits einige Anschläge auf AfD-Adressen.

    Obwohl man davon ausgehen darf, dass sich jedes namhafte Medium die Liste auf lokalen Rechnern gespeichert hat, bleibt der Nutzen eher fragwürdig. Es sei denn, man wollte schon immer mal dringend mit AfD-Mitgliedern auf dem Handy telefonieren? Konsequenzen könnte es eher noch haben, dass einige Teilnehmer des Parteitages eine Firmenmailadresse angaben. Ob im Guten oder Schlechten hängt jedoch wohl auch eher von der Haltung von Kunden der Firmen oder den Chefs der Angestellten ab. Eine Kündigung nur aufgrund einer Parteimitgliedschaft selbst ist eher ausgeschlossen.

    Letztlich dient es moralisch wohl eher der AfD, schließt man Anschläge mal aus, was schwierig sein dürfte. Diese hat nur eine weitere Steilvorlage erhalten, von einem fehlenden Rechtsstaat zu fabulieren und obendrein die Möglichkeit zu sagen: seht, was uns „die Linken“ antun. Nur ein weiterer Grund nach mehr Ruhe, Ordnung und Disziplin zu rufen. Ob es angesichts der gestiegenen Möglichkeiten einer gewachsenen AfD, Druck bei bestimmten Themen aufzubauen, für Indymedia selbst eng werden könnte, wird die Zeit zeigen.

    Ein Kommentator mahnt moralisches Verhalten an

    Unterdessen hat sich dort ein Kommentator unter vielen gemeldet und die Ambivalenz der Aktion wie folgt beschrieben: „Selbstverständlich muss ich als lupenreiner Demokrat sagen, dass diese Liste illegal ist. Auf der anderen Seite erinnere ich mich an 25 Jahre Übergriffe, Morddrohungen, Ausspionieren usw. seit dem Mauerfall gegenüber kritischen Journalisten, Menschen, die sich für Flüchtlinge und deren Integration einsetzen, engagierte Loaklpolitiker jeglicher Partei und engagierte Sozialarbeiter durch den rechtsradikalen Abschaum. Und der Staat hat dort jämmerlich versagt.“

    Er bitte jedoch alle, „die diese Liste haben, diese Leute nicht zu bedrohen oder Ihnen Schaden zuzufügen. Ich bin immer der Meinung, man muss sich besser verhalten als deren Handlanger auf der Straße: „Moral highground“ eben. Sendet höfliche Briefe, ansprechende Emails ohne Schimpfworte und telefoniert auf höheren Niveau als diese Brandstifter die deutschen Bürger aufhetzen.“

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