Zum 200. Geburtstag von Louise Otto-Peters am 26. März 2019

Gedenktafel-Enthüllung in Meißen und Geburtstagsständchen im Rosental

Für alle LeserLeipzig hat nicht nur eine berühmte Bürgerin, die in diesem Jahr ihren 200. Geburtstag hat. Neben Clara Schumann gehört auch Louise Otto-Peters, die 1819 in Meißen geborene Begründerin der deutschen Frauenbewegung, zu diesen Berühmten. Sie lebte und arbeitete 35 Jahre lang, bis zu ihrem Tod im Jahr 1895, in Leipzig. Ihre Gedenktafel in Meißen bekommt sie am 26. März, genau an ihrem Geburtstag.

Ihren Lebensunterhalt verdiente Louise Otto als Schriftstellerin und Journalistin. Die umfangreiche Frauenvereinsarbeit leistete sie ehrenamtlich. Ein stabiles Netzwerk gleichgesinnter Frauen und unterstützender Männer, von ihr geknüpft, war die Grundlage ihres erfolgreichen wie folgenreichen Wirkens für Frauenrechte und machte Leipzig zur Wiege der deutschen Frauenbewegung

Nach ersten Gedichten erschienen ab 1843 sozialkritische Romane und Artikel von ihr. Ihr bekanntester Roman ist der 1846 erschienene Roman „Schloß und Fabrik“. Dabei betonte sie, dass die politische Partizipation der Frauen nicht nur ein Recht, sondern eine Pflicht sei. In der Revolutionszeit 1848/49 forderte sie in ihrer „Adresse eines Mädchens“ die bürgerliche sächsische Regierung auf, bei der Organisation der Arbeit die Frauen nicht zu vergessen. Ihre von 1849 bis 1853 erscheinende „Frauen-Zeitung“ hatte das Motto „Dem Reich der Freiheit werb’ ich Bürgerinnen“.

Ihr Mann, August Peters, ist in Sachen Revolution in Sachsen auch kein unbeschriebenes Blatt. Die Tochter eines Meißener Gerichtsdirektors lernte ihn 1848 in Meißen kennen, wo er das demokratische Wochenblatt „Barrikade“ herausgab. In der 1848er Revolution war er aktiv, wurde in Baden nach dem missglückten Aufstand verhaftet und verbrachte mehrere Jahre im Zuchthaus, was wohl der Hauptgrund für seinen frühen Tod 1864 war. Er gehörte in Leipzig zu den Mitautoren der „Gartenlaube“ und saß mit anderen bekannten 1848ern am „Verbrechertisch“, der heute im Alten Rathaus zu besichtigen ist.

Warum der Ausflug? Weil er zeigt, dass Demokratie und Emanzipationsbewegung in Deutschland von Anfang an zusammengehören. Und in diesem Fall auch der Feuereifer für journalistisches Engagement. 1849 gründete Louise Otto die erste „Frauen-Zeitung“ Deutschlands.

Nach dem frühen Tod ihres Mannes gründete Louise Otto-Peters dann im März 1865 in Leipzig mit Auguste Schmidt, Ottilie von Steyber, Henriette Goldschmidt und anderen nach dem Vorbild des Arbeiterbildungsvereins den ersten Frauenbildungsverein. Im Oktober 1865 folgte hier die Gründung des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins (ADF), der erstmalig deutschlandweit agierte. Prinzip war die Selbstorganisation der Frauen; Männer waren nur als Ehrenmitglieder zugelassen. Ziel war nicht Wohltätigkeit, sondern Hilfe zur Selbsthilfe, das Recht der Frauen auf Bildung, auf Erwerbsarbeit und auf Zugang zum Universitätsstudium. Bereits fünf Jahre später hatte der ADF 10.000 Mitglieder. Louise Otto-Peters war Vorsitzende beider Vereine. Mit Auguste Schmidt gab sie zudem die Zweiwochenzeitschrift des ADF „Neue Bahnen“ heraus.

„Frauen-Zeitung“mit dem Bildnis von Louise Otto-Peters auf dem Titel. Foto: Louise-Otto-Peters-Gesellschaft

„Frauen-Zeitung“ mit dem Bildnis von Louise Otto-Peters auf dem Titel. Foto: Louise-Otto-Peters-Gesellschaft

In der Geburtsstadt Meißen gibt es anlässlich des 200. Geburtstages eine Festwoche mit dem 25. LOP-Tag der LOP-Gesellschaft als Höhepunkt. Den Tag nutzt der Landesfrauenrat Sachsen e.V. im Rahmen seines Projektes „frauenorte sachsen“, um in Meißen die Gedenktafel für Louise Otto-Peters einzuweihen. Die Einweihung findet 16 Uhr in der Roten Schule statt.

Weitere Einweihungen zu Clara Schumann, Elfriede Lohse-Wächtler, Marianne Brandt, Dr. med. Christa Mannfeld-Hartung und Angelika Hartmann sollen ab August an verschiedenen Orten in Sachsen folgen.

In Leipzig lädt die Louise-Otto-Peters-Gesellschaft e.V. zu folgenden Veranstaltungen ein:

Am Dienstag, 26. März, gibt es um 16 Uhr Blumenniederlegung am Louise-Otto-Peters-Denkmal im Rosental und ein Geburtstagsständchen des Frauenchors Leipzig-Süd unter Leitung von Helmut Werler. Nach der anschließenden Führung „Auf Louises Spuren durchs Rosental“ beginnt um 17:00 Uhr das Louise-Picknick der Gohliserinnen auf dem Anger Menckestraße.

Am Mittwoch, 27. März, gibt es um 19 Uhr Lesung & Musik in der Richard-Wagner-Aula Alte Nikolaischule: „Ich habe Licht gebracht“. Anja Zimmer liest aus ihrer Romanbiografie über Louise Otto (Sax Verlag 2019), musikalisch begleitet von Frank Glabian (Gitarre/Tenor) und Erika Drogi-Haas (Sopran). Eintritt: 6,00/erm. 4,00 Euro. In Kooperation mit der Kulturstiftung Leipzig. Gefördert vom Kulturamt Leipzig.

Am Sonntag, 31. März, beginnt um 13 Uhr die Stadtführung „Alle für Eine und Eine für Alle!“ zum 200. Geburtstag Louise Otto-Peters’ vom Grassimuseum durch das Graphische Viertel zum Nikolaikirchhof mit Gerlinde Kämmerer. Teilnahmegebühr: 7,00 €. Anmeldung über die Volkshochschule Leipzig, Kursnummer T13518Z

Die Stadt Leipzig schließlich wird im Oktober zum bereits fünften Mal den Louise-Otto-Peters-Preis an eine Person oder Organisation vergeben, die sich für die Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern in besonderem Maße engagiert.

JubiläumLouise Otto Peters
Print Friendly, PDF & Email
Leserbrief

Hinweise zum Leserbrief: Bitte beachten Sie, dass wir einen Leserbrief nur veröffentlichen, wenn dieser nicht anonym bei uns eintrifft. Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass eine Teilnahme an Verlosungen des L-IZ Leserclubs mit dem Leserbrief nicht möglich ist.

Ihr Name *

Ihre E-Mail-Adresse *

Betreff

Ihre Nachricht *

Bild/Datei hochladen

Wären Sie mit der Veröffentlichung als Leserbrief einverstanden? *

 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr





Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Die größten Probleme Leipzigs aus Sicht der befragten Bürger
Die größten Probleme aus Bürgersicht. Grafik: Stadt Leipzig, Bürgerumfrage 2018

Grafik: Stadt Leipzig, Bürgerumfrage 2018

Für alle LeserDie Leipziger Bürgerumfragen fragen auch jedes Jahr aufs Neue die Problemsicht der Leipziger ab. Welches sind – aus Sicht der Bewohner – die größten Probleme der Stadt? Das könnte eine sehr gute Orientierung für die Verwaltung sein, wo sie in den nächsten Jahren ihre Schwerpunkte setzen sollte. Aber die Tabellen verraten dann auch sehr deutlich, dass es 1. darauf ankommt, wen man fragt, und 2. was für einen Medienkonsum die Befragten haben.
Bürgerinitiativen aus dem Leipziger Osten laden zum Informationspaziergang am 3. Mai ein
Straße An der Tabaksmühle mit Wilhelm-Külz-Park (rechts). Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle Leser250 Demonstranten zählte die LVZ am 3. April bei einer Demonstration über Paunsdorfer, Engelsdorfer und Sommerfelder Straße. Zwei Bürgerinitiativen demonstrierten dort gegen den überhand nehmenden Durchgangsverkehr durch Mölkau und für den Bau des Mittleren Rings. Zum Entsetzen jener Bürgerinitiativen, die nun seit Jahren gegen den Ausbau des östlichen Mittleren Rings kämpfen.
Leipzigs Umweltdezernat hat eigentlich keine Lust auf ein regionales Biosiegel
Ein paar Äpfel aus der Region, noch ohne Siegel. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDas Biosiegel des Märkischen Wirtschaftsverbunds e. V. „Fair regional“ könnte ein Vorbild sein, fand die Grünen-Fraktion im März. Da reichte sie einen entsprechenden Antrag ein: Leipzig soll ein „Siegel für regionale Bioprodukte entwickeln“.
Jugendparlament beantragt, dass die Stadt das Black Triangle kaufen oder pachten soll
Graffiti zum Black Triangle. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserAm Dienstag, 15. Januar, rückte Leipzigs Polizei mit Großaufgebot an und durchsuchte das zuvor zwei Jahre lang besetzte Gelände des Black Triangle. Eine Riesenshow. Obwohl kein Mensch das Gelände wirklich erwerben möchte. Selbst die Stadt Leipzig winkte im Februar ab: Allein die Kosten der Altlastenbeseitigung und des Denkmalsschutzes würde die Sache aus ihrer Sicht völlig unbezahlbar machen.
Stadt Land Volk: Der Versuch, sich über Nation, Migration und Demokratie zu streiten
Michael Bröning, Michael Wolffsohn: Stadt Land Volk. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserWas passiert, wenn man zwei streitbare Leute zu einem Streitgespräch über Demokratie, Migration, Volk und Nation einlädt? Immerhin alles fette Brocken, an denen man sich richtig Beulen holen kann. In diesem Fall hat es der F.A.Z.-Redakteur Reinhard Bingener versucht und Michael Bröning und Michael Wolffsohn zum Streitgespräch gebeten.
Leipzigs Mietpreisansteig macht gerade jungen Leipzigern und Familien mit Kindern immer größere Sorgen
Die größten Probleme der Leipziger. Grafik: Stadt Leipzig, Bürgerumfrage 2018

Grafik: Stadt Leipzig, Bürgerumfrage 2018

Für alle LeserLeipzigs Bürgerumfragen erfassen die Leipziger Mietpreisentwicklung im Grunde wie ein Seismograph. Sie beschränken sich bei der Befragung der Bürger eben nicht auf die reinen Angebotsmieten, also das, was gerade auf dem Leipziger Wohnungsmarkt angeboten wird. Sie erfassen das, was die Leipziger wirklich zahlen. Und das hat sich seit 2013 doch spürbar verändert.
Braucht Leipzig ein eigenes Lobbyregister?
Eingang zum Neuen Rathaus: Wer geht hier alles aus und ein? Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserAls der Stadtrat 1995 die Beteiligung von Bürgervereinen bei Bauplanungen beschloss, war das ein echter Fortschritt. Fortan wurden die Initiativen der Betroffenen zumindest um ihre Stellungnahme gebeten. Auch wenn die Planer dann doch haufenweise Gründe fanden, sie trotzdem zu ignorieren. Nun haben die Freibeuter einen Antrag vorgelegt, der die Beteiligungsmöglichkeiten deutlich erweitern soll. Nur mit dem Begriff „Lobbyregister“ griffen sie augenscheinlich in ein Regalfach zu hoch.
Am 16., 17. und 18. Mai im Westflügel: Spleen – Charles Baudelaire. Gedichte in Prosa

Foto: Helmut Pogerth

Die manchmal düster-bestialische, manchmal heiter-melancholische Atmosphare des Baudelaireschen Kosmos spielt mit dem Menschen an der Schwelle zur Moderne: zwischen apathischer Lebensgier und erotisierter Todessehnsucht, zwischen Sehnsucht nach Unendlichkeit und brutaler Belanglosigkeit, im Tragischen meist lapidar, im Komischen immer subtil.
Jetzt fällt der Stadt die zehn Jahre dauernde Verweigerungspolitik im Nahverkehr auf die Füße
Straßenbahnstau in Connewitz. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserAm Donnerstag, 18. April, diskutierte der Stadtrat zum ersten Mal über das von der Linksfraktion beantragte 365-Euro-Ticket für Leipzig. Nicht über den Antrag selbst, sondern über den Fragenkatalog, den die Freibeuter-Fraktion dazu am 5. April gestellt hatte. Am selben Tag hatten Sven Morlok, René Hobusch und Naomi-Pia Witte auch den Antrag gestellt, den Antrag der Linken abzulehnen und sich ganz auf das Nachhaltigkeits-Szenario zu konzentrieren.
Jugendparlament beantragt, die KarLi zur Fahrradstraße zu machen
Peterssteinweg. Foto: Martin Schöler

Foto: Martin Schöler

Für alle LeserKennen Sie auch dieses Gefühl, wie in Watte gewickelt zu sein, schön bemuttert von allen Seiten und daran gewöhnt, dass Sie dies nicht dürfen und jenes leider, leider verboten ist? Und auch in 100 Jahren nicht möglich sein wird, weil dies und das nicht geht? Also quasi den eingebauten Bedenkenträger immer eingeschaltet als Denksperre? Und dann kommen diese jungen Leute aus dem Jugendparlament und beantragen einfach mal, die ganze KarLi zur Fahrradstraße zu machen. Im Jahr 2019. Im Jahr von „Fridays for Future“.
Premiere am 23. Mai: Schön ist es auch anderswo und hier bin ich sowieso
Schön ist es auch anderswo. Foto: Mim Schneider

Foto: Mim Schneider

„Wir leben und wissen nicht wozu. Wir sterben und wissen nicht wohin. Leicht ist zu sagen, was man jetzt und nachher will. Aber niemand kann angeben, was er überhaupt will in diesem doch so zweckhaften Dasein. Mich wundert, dass ich fröhlich bin – sagt ein alter Türspruch.“ (Ernst Bloch)
Am 25. Mai im Kupfersaal: Wigald Boning – Wie ich Weltmeister im Langsamschwimmen wurde
Wiegald Boning. Kupfersaal GmbH

Quelle: Kupfersaal GmbH

Wigald Boning ist zurück mit einem neuen Live-Programm! Nach seinem Einkaufszettel-Vortrag in dem er schon einem seiner liebsten Hobbys frönte, gibt er jetzt bei "Wie ich Weltmeister im Langsamschwimmen wurde" erneut Einblicke in eine seiner großen Leidenschaften: Sport!
Leben: Die acht Kindheitsgeschichten von Oleg Senzow jetzt bei Voland & Quist
Oleg Senzow: Leben. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEs ist ein berührendes Buch. Es ist ein aufrüttelndes Buch, eines, das nicht nur daran erinnert, dass der ukrainische Filmemacher Oleg Senzow seit fünf Jahren nach einer falschen Anklage und einem Schauprozess ganz in alter stalinistischer Manier in einem russischen Straflager eingesperrt ist. Als Faustpfand oder als Symbol für Putins Politik gegenüber der Ukraine, das ist eigentlich egal. Zerstört werden soll damit auch ein Mensch, der nicht ins Raster des eingeschüchterten Untertanen passt.
Gastkommentar von Christian Wolff: Osterfeuer
Das leuchtend goldene Kreuz in der Notre-Dame. Foto: Kurt Muehmel, Wikipedia

Foto: Kurt Muehmel, Wikipedia

Für alle LeserWenn Gotteshäuser wie Synagogen, Kirchen, Moscheen aus welchen Gründen auch immer geschändet, beschädigt, zerstört werden, fühlen sich Menschen im Innersten getroffen – unabhängig davon, ob sie selbst religiös gebunden sind oder nicht. Denn mit Gotteshäusern verbinden viele Menschen das, was ihrem Leben Fundament, Halt und Identität jenseits aller materiellen Absicherungen, Zugehörigkeit zu Religionsgemeinschaften und Nationalismen verleiht: Gott, die ganz andere, unverfügbare Macht, der ich mich in aller Hilflosigkeit anvertrauen kann, ohne dass sich irgendjemand dazwischenschaltet.
Entscheidet der Stadtrat tatsächlich schon im Mai zur Einführung des Wiener Modells in Leipzig?
Straßenbahntunnel an der Jahnallee. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserDie SPD hat es im Wahlkampfprogramm, die Grünen haben Unterstützung signalisiert, der Ökolöwe sammelt Unterschriften, die Linksfraktion hat es im Stadtrat gleich mal beantragt: die Einführung eines 365-Euro-Jahrestickets ab 2021 in Leipzig. Doch sicher, dass der Stadtrat dem Antrag noch in seiner Mai-Sitzung zustimmt, ist man sich auch beim Ökolöwen nicht. Denn so ein Tempo ist in der Leipziger Stadtpolitik seit über 20 Jahren nicht mehr üblich. Die Bedenkenträger regieren.