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Digitale Karte macht jetzt die konspirativen Stasi-Objekte im Leipziger Stadtgebiet sichtbar

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    Am Dienstag, 3. Dezember, stellte die Gedenkstätte in der Runden Ecke ein neues Ausstellungsobjekt vor – diesmal ist es ein digitales im Internet: Im Ergebnis eines 18-monatigen Forschungsprojektes kann die Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ am Sitz der früheren Stasi-Bezirksverwaltung Leipzig nun erstmals mit einem digitalen Stadtplan alle geheimen Objekte, die die Staatssicherheit bis zu ihrem Ende im Jahr 1989 noch betrieben hat, der Öffentlichkeit zugänglich machen.

    Die Besetzung der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit am 4. Dezember 1989 gilt als das Ende der Stasi-Arbeit in Leipzig. Neben den offiziellen und der Bevölkerung bekannten Dienststellen der hiesigen Stasi am Dittrichring 24, in der „Runden Ecke“, existierten jedoch auch sogenannte Konspirative Wohnungen (KW) und Konspirativen Objekte (KO). Die Begriffe bezeichnen Zimmer in Privatwohnungen, Dienstzimmer staatlicher und gesellschaftlicher Einrichtungen, aber auch ganze Einfamilienhäuser.

    Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) nutzte diese als Trefforte mit Inoffiziellen Mitarbeitern (IM), aber auch als Beobachtungsposten, Arbeitsräume und Maskierungsstützpunkte. All diese Objekte wurden konspirativ und mithilfe einer Abdecklegende genutzt, um vor der DDR-Bevölkerung geheim zu bleiben.

    Das Interesse an den geheimen Objekten war schon während der Friedlichen Revolution groß

    Schon unmittelbar nach der Besetzung der offiziellen Dienstobjekte der Staatssicherheit am 4. Dezember 1989 und der nachfolgenden Auflösung interessierte sich die Öffentlichkeit für die Konspirativen Wohnungen (KW) und Konspirativen Objekte (KO) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Auch in der ersten Ausstellung des Leipziger Bürgerkomitees „Stasi – Macht und Banalität“ wurde im Juni 1990 ein Stadtplan mit den damals bekannten ca. 350 geheimen Stasi-Objekten gezeigt.

    Zur Vorbereitung einer künftigen Ergänzung und Erweiterung dieser Ausstellung sollte jetzt eine digitale Karte aller Objekte der Staatssicherheit entstehen, die diese bis zur Auflösung im 1989 in der Stadt Leipzig unterhielt. Da die Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ nicht über zusätzliche finanzielle Ressourcen für ein solches Forschungsprojekt verfügt, wurde ein Förderantrag bei der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gestellt und auch bewilligt.

    Übersicht der geheimen Stasi-Objekte in der Stadt Leipzig ist Ergebnis intensiver Forschung

    Im aktuellen Forschungsprojekt der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ – „Topographie der Macht“ – wurde über 18 Monate mithilfe heute zugänglicher Akten in der Bundesbehörde für die Stasi-Unterlagen über deren Anzahl und Nutzungsart recherchiert. Erstmalig können dadurch nahezu alle geheimen Objekte, die die Staatssicherheit im Jahr 1989 betrieben hat, in einer digitalen Karte öffentlich präsentiert und der Bevölkerung zugänglich gemacht werden.

    Auf dem aktuellen Stadtplan Leipzigs sind alle bisher bekannten KW und KO der Stasi markiert worden. Deutlich wird so, wo IM getroffen wurden, wie lange das geheime Objekt genutzt wurde und welche Diensteinheit der Stasi es führte. Schließlich wurde auf Basis der Aktenauswertung auch beschrieben, welche konkrete Funktion das Objekt hatte.

    Beispielsweise war die KW „Textil“ in der Gottschedstraße 42 ein ehemaliger Gewerberaum, der vom MfS angemietet und ausschließlich durch einen hauptamtlichen IM (HIM) als Arbeitsraum genutzt wurde. Im Gegensatz dazu handelte es sich bei der KW „Aster“ in der Münzgasse 18 um Räume der Volkssolidarität, in denen nur zu bestimmten Zeiten Führungsoffiziere der Staatssicherheit ihre Inoffiziellen Mitarbeiter (IM) trafen und Berichte entgegennahmen.

    Die Zahl der bekannten konspirativen Objekte hat sich durch das Forschungsprojekt mehr als verdoppelt.

    Unter Konspirative Objekte (KO) fielen einer Richtlinie von 1984 zufolge „Gebäudekomplexe, Gebäude, Gebäudeteile, Bungalow oder bungalowähnliche Gebäude“. Dazu zählten komplette Wohnungen, Einfamilienhäuser sowie Garagen. Mit knapp 60 Stück ist ihre Anzahl in der Stadt Leipzig überschaubar.

    Dafür ist die Stadtkarte regelrecht übersät mit „Konspirativen Wohnungen“ (KW): „Die wichtigste Funktion der konspirativen Wohnungen war die eines Treffzimmers, von denen im Stadtgebiet von Leipzig im Herbst 1989 mindestens 817 Stück existierten. Des Weiteren handelte es sich in circa 46 Fällen um konspirative Arbeitsräume, in denen meist hauptamtliche IM (HIM) tätig waren. Weitere Funktionen stellten beispielsweise das Übernachtungsquartier, Deckadresse und -telefon, Garagen oder Maskierungs-, Funk- und Beobachtungsstützpunkte dar.“

    Die digitale Karte ist seit Dienstag, 3. Dezember, online nutzbar.

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