Eine ganz besondere Freude gab es am Freitag, dem 20. Februar, für die Israelitische Religionsgemeinde zu Leipzig (IRG): Sie bekam an diesem Tag eine alte hebräische Bibel (Tanach), die eng mit der Stadtgeschichte verbunden ist, als private Schenkung. Die Tanach-Ausgabe erschien 1906 im J. C. Hinrichs Verlag in Leipzig und gehörte dem Leipziger Oberkantor und Vorbeter Werner Jacob Sander (1902–1972).

Sander war 1962 Gründer des Leipziger Synagogalchors, in dem Irene Rotzsch, die Frau des damaligen Thomaskantors Hans-Joachim Rotzsch, mitgesungen hat. Nach Sanders Tod hat sie die Bibel als Erinnerung geschenkt bekommen, wie sie selbst sagt. Da Frau Rotzsch mittlerweile sehr betagt ist, wollte sie den Tanach in gute Hände abgeben und ist deshalb auf den Vorsitzenden der IRG, Küf Kaufmann, zugegangen.

Am Freitag wurde der Tanach auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in Leipzig am Grab von Werner Jacob Sander von der 87-jährigen Irene Rotzsch und ihrer Zwillingsschwester Helga Schmidt an den IRG-Vorsitzenden Küf Kaufmann und Gemeinderabbiner Zsolt Balla übergeben.

Bei der Bibel handelt es sich um die sogenannte Biblia Hebraica Stuttgartensia des Leipziger Gelehrten Rudolf Kittel, der die Textüberlieferung für eine wissenschaftlich fundierte Ausgabe aufbereitet hatte. Dazu gehören unter anderem die Hilfszeichen für Vokale, die im Original – so zum Beispiel in Torarollen – nicht verwendet werden. Traditionell basiert die hebräische Schrift auf Konsonanten.

Würdigung für einen „ganz besonderen Schatz“

Rabbiner Balla würdigte die Schenkung als „ganz besonderen Schatz“. Es gehe dabei nicht um den materiellen Wert, in Antiquariaten würden gut erhaltene alte Stuttgartensia-Exemplare zu einigen Hundert Euro gehandelt. Vielmehr zähle dabei die persönliche Verbindung zu Werner Jacob Sander und zur Israelitischen Gemeinde zu Leipzig und damit zur Stadtgeschichte.

„Der Tanach ist gemeinsames Erbe der Menschheit. Die heutige Generation hat leider ein wenig vergessen, wie wir zu den alten Texten zurückkehren können als Leitfaden für Werte, Ethik und Lebensführung“, sagte Rabbiner Balla. Wichtig sei es, den Tanach zu öffnen, zu lesen und zu schauen, wie er heute 2026 zu uns spricht. Im Gespräch ist nun, den geschenkten Tanach in der Brodyer Synagoge in einer Glasvitrine auszustellen.

Der IRG-Vorsitzende Küf Kaufmann sagte: „Wir nehmen dieses Geschenk mit großer Dankbarkeit entgegen. Als jüdische Gemeinde haben wir großes Interesse an solchen Zeugnissen der jüdischen Geschichte unserer Stadt.“

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