In der Handball-Bundesliga zittert der SC DHfK auf dem letzten Platz noch immer um den Klassenerhalt. Doch ausgerechnet der heutige Rivale aus Gummersbach sieht Potential beim Abstiegskandidaten. Am Landgericht startet heute ein Prozess gegen drei Männer, die Wettbüros und Spielotheken überfallen haben sollen. In der „Runden Ecke“ präsentiert das Stasi-Unterlagen-Archiv ab heute eine neue Ausstellung, die ihren Blick auf die Opfer des Unterdrückungsapparates und dessen perfide Methoden richtet.

Glücksspielräuber als Pechvögel

Diese Herren haben sich verzockt, ohne selbst zu spielen. Denn statt erhofft, sitzen sie nicht am Strand, sondern auf der Anklagebank. Am Landgericht Leipzig startet heute ein Strafprozess gegen drei Männer, denen die Staatsanwaltschaft eine Serie schwerer Raubdelikte in und um Leipzig zur Last legt.

Die 1982, 1999 und 2003 geborenen Beschuldigten sollen mutmaßlich gemeinschaftlichen und besonders schweren Raub, gefährliche Körperverletzung sowie erpresserischen Menschenraub begangen haben. Laut Anklage hätten die Tatverdächtigen gemeinsam mit weiteren mutmaßlichen Mittätern geplant, gezielt Spielotheken und Filialen von Sportwettenanbietern zu überfallen. Dabei sollen sie augenscheinliche Schusswaffen eingesetzt haben, um an Geld und Wertgegenstände zu gelangen. Insbesondere sollen auch Mitarbeiter vor den Geschäften abgepasst und unter Gewaltandrohung dazu gezwungen worden sein, Zugang zu den Räumen und den dort verwahrten Einnahmen zu ermöglichen.

Konkret geht es um mehrere Taten im Juli und August 2025. Am 16.07.2025 soll die Filiale eines Sportwettenunternehmers in der Eutritzscher Straße in Leipzig überfallen worden sein, gefolgt von einer weiteren Tat am 20.07.2025 in der Friedrich-Ebert-Straße. Am 23.07.2025 soll ein Überfall auf eine Filiale in der Dresdner Straße geplant gewesen sein, der jedoch scheiterte, weil ein Mitarbeiter bemerkte, dass er verfolgt wurde und sich in Räume der Polizei flüchten konnte. Am 25.07.2025, so der Vorwurf,richtete sich die kriminelle Energie gegen eine Spielothek in Bad Dürrenberg. Schließlich soll am 01.08.2025 ein weiterer Überfall auf eine Spielothek in Bad Düben geplant worden sein, der jedoch durch den Zugriff von Polizeibeamten verhindert wurde.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die mutmaßlichen Täter bei den ausgeführten Taten insgesamt etwa 54.000 Euro erbeutet haben. Für das Verfahren sind bereits fünf Fortsetzungstermine angesetzt.

Über den Prozess berichtet ausführlich unser Gerichtsreporter Lucas Böhme.

Das Leipziger Landgericht wurde 1881 eingeweiht. So architektonisch schön werden es die Beschuldigten auf absehbare Zeit nicht mehr haben. Foto: lapping/pixabay

Ausstellung über Schicksale der Stasi-Repression

Beim Wort „Unterlagen-Archiv“ assoziiert man meist die dafür nötigen Aktenbestände. Schränke um Schränke, Kisten, Dateien, Leseräume. Eine neue Dauerausstellung im „Stasi-Unterlagen-Archiv Leipzig“ rückt ab heute jedoch die Menschen in den öffentlichen Blickpunkt, die lebende Grundlage dieser überbordenden Sammlung an Informationen, Ordnern und Mikrofilmen wurden und deren Leben durch  Überwachung und Repression in der DDR geprägt wurde.

Unter dem Titel „Bespitzeln – bearbeiten – bekämpfen – die Methoden und Unterlagen der Stasi in Leipzig“ widmet sie sich erstmals umfassend der Struktur, Funktionsweise und Wirkung des Informationssystems der Staatssicherheit in der Region. Erzählt werden unter anderem die Geschichten eines Jugendlichen, der im Jahr 1965 zur sogenannten Beat-Demo aufruft, eines Schriftstellers, der auf Reformen in der DDR hofft, sowie eines jungen Mannes, der aufgrund seines Ausreisewunsches von der Staatssicherheit „bearbeitet“ wird.

Anhand dieser Einzelschicksale wird deutlich, mit welchen Methoden die Stasi vorging, um vermeintliche Gegner zu kontrollieren und zu bekämpfen. Die Ausstellung bietet zugleich eine Einführung in die komplexe Welt der Stasi-Unterlagen. Begriffe wie Personenkartei, Operativer Vorgang oder IM-Akte werden erläutert und in ihren Zusammenhängen verständlich gemacht. Besucherinnen und Besucher erhalten so einen Einblick in die Arbeitsweise eines Apparates aus Überwachung, Drangsalierung und Zersetzung, dessen Hinterlassenschaft bis heute ein zentraler Bestandteil der Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit ist.

Das „Stasi-Unterlagen-Archiv Leipzig“ befindet sich im Gebäude der ehemaligen Bezirksverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit, von den Leipzigern der Bauart wegen „Runde Ecke“ genannt. Hier werden die Hinterlassenschaften der Bezirksverwaltung sowie der 13 Kreisdienststellen des früheren Bezirkes Leipzig verwahrt. Und die Dimensionen des Bestandes beeindrucken: Insgesamt lagern 5736,30 laufende Meter Unterlagen, ergänzt durch rund 3000 laufende Meter Schriftgut auf Sicherungs- und Arbeitsfilmen. Dazu gehören Akten ebenso wie Karteien, Fotos, Negative, Dias, Filme, Tonbänder, Rollfilme, Mikrofiches und selbst Säcke mit bereits zur Vernichtung vorgesehenen und zerrissenen Dokumenten.

Dass all diese Dokumente im Zuge der Wiedervereinigung auf dem Boden ihrer Entstehung verblieben, ist nicht zuletzt dem Engagement von Bürgerrechtlern zu verdanken, die unter anderem in Berlin und Leipzig Stasi-Zentralen besetzten, mit einem Hungerstreik den Abtransport verhinderten und auf diese Weise zur Gründung der damaligen Gauck- und heutigen Stasiunterlagenbehörde führte. Mehr als 2,8 Millionen Karteikarten in 493 verschiedenen Karteien werden sowohl manuell als auch digital ausgewertet. Allein die zentrale Personenkartei enthält über 300.000 Namen von Menschen, die für die Staatssicherheit von Interesse waren.

Die neue Dauerausstellung macht diese Zahlen und Strukturen menschlich greifbar und verknüpft sie mit individuellen Lebensgeschichten. Sie ist künftig montags bis freitags von 08:00 bis 18:00 Uhr sowie an Wochenenden und Feiertagen von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet.

Der Schriftsteller Erich Loest war ab 1957 in den UHA Leipzig und Halle sowie von 1959 bis 1964 im Zuchthaus Bautzen II inhaftiert, weil er mit anderen Intellektuellen über Reformen in der DDR diskutierte. Quelle: BArch, MfS, BV Leipzig, Abt. XIV, Gefangenenkartei 5

Heutiger Gegner macht dem SC DHfK Mut

Und wieder heißt es für die Handball-Herren vom SC DHfK: spielen ums Überleben in der Bundesliga. Leipzig steht vor einem Schlüsselspiel im Abstiegskampf und empfängt heute den VfL Gummersbach in der heimischen Arena – mit eindeutiger Ausgangslage.

Nach der jüngsten Niederlage gegen Göppingen ist Leipzig noch immer Tabellenletzter. Da die Chance, erstmals einen Nichtabstiegsplatz zu erreichen, zuletzt wieder verpasst wurde, hat die Begegnung heute um so größere Bedeutung. Die Partie ist ein Nachholspiel. Ein Sieg könnte die Lage im Tabellenkeller sofort verändern, weil die direkte Konkurrenz nicht im gleichen Rhythmus punktet.

Für Leipzig ist es damit eines der wenigen Spiele, in denen der Klub den Klassenerhalt noch aus eigener Kraft greifbarer machen kann. Schon am 7. Juni endet die aktuelle Saison. Mit seinen Gästen erwartet der SC DHfK ernstzunehmende Gegner. Die viertplatzierten Gummersbacher stehen mit einer Serie von zehn Siegen in Folge auf dem Parkett und gehören aktuell zu den formstärksten Teams der Liga.

Respekt den Leipzigern gegenüber zollt trotz der Ausgangslage VfL-Spieler Miloš Vujović. Dem Portal „Handballpapst“ gegenüber sagte der Linksaußen: „Für mich ist Leipzig eine ernstzunehmende Mannschaft …“ und blickt vorausschauend auf die Begegnung: „Ich glaube, dass sie zu viel mehr fähig ist, als es ihre aktuelle Tabellenposition vermuten lässt. Deshalb erwarte ich ein gutes und sehr hart umkämpftes Spiel.“

Anwurf für den Wettkampf in der Quarterback Immobilien Arena ist heute Abend um 19 Uhr.

Können sich die Leipziger heute erfolgreich wehren? Foto: Jan Kaefer

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