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Galerie Kontrapost zeigt ab dem 20. Januar Fotos aus einer der abgeschiedensten Landschaften Rumäniens

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    Man kann sie lieben, diese Landschaften am Rande Europas, wo das Leben noch genauso abzulaufen scheint wie vor 100 Jahren. Man kann dort auch noch auf die Suche gehen nach einer Intensität, die die bunten beschleunigten Landschaften des Westens nicht mehr haben. Axel Heller ist mit der Kamera auf diese Suche gegangen. Seit 2005 hat er Maramureş im rumänischen Norden immer wieder besucht.

    Im Frühjahr 2015 erschien im Lehmstedt Verlag ein Bildband mit seinen Schwarz-Weiß-Fotografien aus Maramureş. Ein Band, der sich fast nahtlos einfügte in die Fotoreihe bekannter DDR-Fotografen. Denn viele Aufnahmen, die dem 1962 in Rostock Geborenen in Maramureş gelangen, erinnern an den Eindruck, den die späte DDR jenseits der offiziellen Staffage bot, dort, wo das Geld für Tünche nicht mehr reichte und die Menschen gezwungen waren, sich mit dem Elementaren einzurichten, das ihre direkte Umgebung bot. Teilweise blieben uralte Produktionsweisen, Märkte und Lebensweisen intakt, abseits aller Staatsdoktrin. Und der kluge Blick der Fotografen machte den Stolz der Menschen sichtbar, die selbst unter primitivsten Umständen noch ihrer Arbeit nachgingen und die Dinge am Leben erhielten.

    Das ist seit 1989 fast alles verschwunden. Man ahnt schon, warum Heller nach sechs Jahren Indien seine Kamera schnappte und in eine der rauesten Gegenden Rumäniens aufbrach, Kontakt aufnahm mit Menschen, für die die Feste und Rituale des Alltags noch wichtig und identitätsstiftend sind. Was ihn überhaupt nicht interessierte, das war das (von außen betrachtet) Romantische und Idyllische dieser Region. Denn davon bleibt nichts übrig, wenn man hinter die Hofzäune und in den Alltag der Menschen in Maramureş schaut. Da wird die Kargheit dieses Lebens sichtbar, die Schwere der Arbeit, die Reduziertheit eines Lebens, dem die bunten Verführungen des Wohlstands nicht zur Verfügung stehen. Und es wird sichtbar, was mit diesen europäischen Regionen passiert, die sich nicht einfach anbieten als Bauplatz für ein kleines (von der EU gefördertes) Wirtschaftswunder oder eines jener touristischen UFOs, die der über Jahrhunderte bewahrten Kultur in der Berglandschaft eine Art Sensationsbonus verschaffen. Dazu sind wohl auch die Reisewege in diese Berge zu beschwerlich.

    Und indem Heller auf Farben verzichtet, werden seine Bilder zu eindringlichen Skizzen einer Welt auf Abruf. Denn all das wird über kurz oder lang verschwinden – es sei denn, Europa zerreißt jetzt tatsächlich wieder und die Länder „da hinten im Osten“ verschwinden wieder jenseits eines Vorhangs, der die vom Konsum besessene Welt des Westens trennt von einer, in der die Zeit eingefroren scheint, das Leben auf Elementares reduziert, schattenrisshaft.

    Das weiß ja niemand. Axel Heller hat eine Welt festgehalten, wie man sie im Norden und Westen nicht mehr findet, die manchmal vertraut wirkt und oft genug wie ein Standbild aus einem uralten Schwarz-Weiß-Film.

    Und da der Lehmstedt Verlag in Leipzig zu Hause ist, war auch der Weg nicht weit zur Galerie Kontrapost im Gartenhaus der Stallbaumstraße 14a in Gohlis.

    Als gemeinsames Projekt mit dem Lehmstedt Verlag Leipzig werden Axel Hellers mit sensiblem Gespür für den Menschen und dessen Umfeld eingefangene Ansichten präsentiert, die auf seinen Reisen in die Maramureş zwischen 2005 und 2014 entstanden sind.

    Zur Eröffnung der dritten „Schaufenster“-Ausstellung (Fotografie) lädt die Galerie am Mittwoch, 20. Januar, um 20:00 Uhr ein.

    Zu sehen sein wird die Ausstellung „Maramureş. Fotografien 2005-2014“ mit den Fotos von Axel Heller vom 20. Januar bis zum 4. März 2016

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