Wo wir gerade dabei sind festzustellen, dass völlig verquere Politik selbst das scheinbar so unaufhaltsame Wachstum der Stadt Leipzig abrupt zum Stillstand bringen kann, passt natürlich eine Ausstellung wie die Faust aufs Auge, die die Galerie ARTAe in der Gohliser Straße 3 am Freitag, 13. April, eröffnet: „Stadtluft“. Die macht eben nicht nur frei, die kann auch ganz schön teuer sein.

„Es war in jener Zeit, als ich in Kristiania umherging und hungerte, in dieser seltsamen Stadt, die keiner verlässt, ehe er von ihr gezeichnet worden ist“, zitieren die Galeristen Marian und Sabine Elsner den Schriftsteller Knut Hamsun aus seinem ersten Roman „Hunger“.

Warum sie jetzt eine Gruppenausstellung zum Thema „Stadtluft“ machen, erklären sie so: „Der mittelalterliche Ausspruch ‚Stadtluft macht frei‘ hat die Jahrhunderte überdauert, wenngleich sich seine Bedeutung dabei gewandelt hat. Flohen einst die Bauern und Leibeigenen in die Freiheit der Stadt, so versprechen die Metropolen der Neuzeit und Moderne neben der persönlichen Freiheit, wirtschaftlichen Aufstieg, Selbstverwirklichung, Erfolg oder einfach Anonymität.

Die Anziehungskraft der Ballungszentren erlebte ein permanentes Auf und Ab. Waren noch vor wenigen Jahren, auch im Kontext der Bildenden Kunst, die schrumpfenden Städte – ‚Shrinking Cities‘ – in aller Munde und Bestandteil umfangreicher Untersuchungen und Ausstellungsprojekte, wachsen nun inzwischen weltweit die Städte wieder. Neben diesem Aufblühen sind extreme Verdichtung und Wucherungen, soziale Härten und daraus resultierende Konflikte zu beobachten. Demographen gehen davon aus, dass im Jahr 2050 70 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben.

Doch wer prägt den Stadtraum, wer gestaltet ihn, wem ‚gehört‘ die Stadt? Hat der ökonomische Druck, das Diktat des Profits längst die Gestaltungshoheit übernommen oder gibt es noch die Möglichkeit der zivilgesellschaftlichen Teilhabe und Mitbestimmung aller Bürger?

Die Stadt ist Verheißung, Versprechen, Potential und doch gleichfalls auch Gefahr, Illusion und Ort des Verlustes.“

Die Ausstellung „Stadtluft“ bringt 16, in ihrer Handschrift und den jeweiligen Medien ganz unterschiedliche Künstler zusammen, die sich immer wieder mit dem Thema der Stadtarchitektur, Urbanität und der Stadt mit ihren Alltäglichkeiten beschäftigen.

An der Gruppenausstellung nehmen teil: Harald Alff, Robert Deutsch, Frank Diersch, Sebastian Gahntz, Friedemann Grieshaber, Ruth Habermehl, Claudia Hauptmann, Metulczki, Petra Ottkowski, Jirka Pfahl, Kathrin Rank, Oliver Stäudlin, Martin Kreim, Stefan Schwarzmüller, Kata Unger und Hendrik Voerkel.

Zur Eröffnung am Freitag, 13. April, von 18 bis 23 Uhr sind Kunst- und Stadtinteressierte natürlich eingeladen. Die Künstler werden anwesend sein.

Zu besichtigen ist die Ausstellung „Stadtluft“ vom 13. April bis zum 16. Juni in der Galerie ARTAe Leipzig, Gohliser Straße 3, 1. OG.

 

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