Braucht Deutschland ein Institut für Politische Clownerie? Diese Frage stellten wir uns und kamen zu dem Ergebnis – ja, vielleicht keine schlechte Idee. Der Deutsche Bundestag hat sich viel Zeit genommen: Ganze neun Monate prüfte die Bundestagsverwaltung den Vorschlag zur Gründung eines Instituts für Politische Clownerie. Das Ergebnis dieser gründlichen Prüfung liegt nun vor.

Das Büro von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner leitete das Anliegen zunächst an den Petitionsausschuss des Bundestages weiter. Dieser behandelte die Eingabe unter dem Aktenzeichen Pet 2-21-02-11016-007232. In seiner Antwort wird die grundsätzliche Relevanz des Themas ausdrücklich anerkannt:

„Ihr Anliegen […] verweist schlussendlich auf reale Herausforderungen im Spannungsfeld von Politik, Öffentlichkeit und Medien – eine Thematik, die sowohl den politischen Betrieb als auch die breite Öffentlichkeit weiterhin beschäftigen wird.“ Gleichwohl sei „kein konkretes […] parlamentarisch prüfbares Anliegen zu entnehmen.“

Ein Institut für politische Clownerie

Der Natur- & Umweltzirkus NAUMZI hatte dem Bundestagspräsidium im Sommer 2025 angeboten, die Parlamentarier mit der Gründung eines Instituts für Politische Clownerie zur Analyse von politischen Kommunikationsstilen zu unterstützen. Ziel war es, besser zu verstehen, wie performative Irritationsstrategien und gezielte Zuspitzungen politische und parlamentarische Prozesse beeinflussen können.

Anlass der Initiative war des Kanzlers Friedrich Merz bekannter Vergleich: „Der Bundestag ist ja nun kein Zirkuszelt.“ Alsbald legte der CDU-Fraktionsvorsitzende Jens Spahn in der Stadtbild-Debatte nach und beklagte den „linken Empörungszirkus“. Und auch in der Vergangenheit gab Merz zu verstehen: „Dieser Zirkus mit Rot und Grün und Gelb muss beendet werden.“

Das haben schon ganz andere versucht: „Wir machen dem Zirkus ein Ende.“ – „Verstehe. Und das da sind die Clowns?“ – Foaly steckte seinen Kopf durch die Tür. „Entschuldigen Sie, wenn ich Ihre kunstvolle Zirkusmetapher unterbreche, aber was zum Teufel ist das?“ – so simpel returniert das Jugendbuch „Artemis Fowl“ von Eoin Colfer.

Aber immerhin – Merz schenkt uns hierbei interessante Vergleiche aus der Politik mit der Zirkuswelt. Diese Beobachtungen könnte man als Chance verstehen – zumal im Zirkus seit Jahrhunderten hohe professionelle Standards für Timing, Präzision und Rollenverständnis gelten.

„Sollten sich Elemente politischer Kommunikation unbeabsichtigt dem Genre des Zirkus annähern, stünde die Fachwelt selbstverständlich beratend zur Verfügung“, heißt es aus der Initiative.

Ein Weiterbildungsprogramm der besonderen Art

Das vorgeschlagene Forschungs- und Weiterbildungsprogramm sah unter anderem einen internationalen Forschungsschwerpunkt „Politische Clownerie und Pseudo-Clownerie – Chancen und Risiken“ vor. Dabei wollte die Initiative in Kooperation mit dem Bundestag untersuchen, unter welchen Bedingungen inszenatorische oder humoristische Mittel zur Verständlichkeit politischer Inhalte beitragen – und wann sie sich verselbstständigen.

In diesem Zusammenhang erschien es aus Sicht der Initiative naheliegend, vorhandene kommunikative Talente gezielt zu fördern. Die Clownerie bietet hierfür seit jeher bewährte Methoden, um Regelbruch, Irritation und Zuspitzung in geordnete Bahnen zu lenken. Am Ende zielt Clownerie auf einen versöhnlichen Ausgang, bei dem alle Beteiligten – Akteure wie Publikum – mit heiterem Gewinn aus der Aufführung gehen.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Zurückhaltung des Deutschen Bundestages sieht sich die Gründungsinitiative des Instituts für Politische Clownerie jedoch veranlasst, in die Zuschauerloge zurückzukehren. Vorhang auf, Bühne frei – die Aufführung läuft schon weiter.

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