Sensory friendly: Vom Verein LunA – Leipzig und Autismus e.V. angeregt

Bach-Museum Leipzig startet inklusives Pilotprojekt für Menschen aus dem autistischen Spektrum

Für alle LeserKann ich während meines Museumsbesuchs essen? Wo erwarten mich Umgebungsgeräusche? Welche Räume werden durch künstliches Licht erhellt? – Für Menschen aus dem autistischen Spektrum bedeutet ein Museumsbesuch aufgrund der vielen Unbekannten zumeist Stress. Bereits drei Maßnahmen sorgen für mehr Sicherheit: flexible Kommunikationsformen, Planbarkeit und Abmilderung von äußeren Reizen.

Mit dem Siegel „Sensory friendly“ werden daher Umgebungen gekennzeichnet, die unter dem Bewusstsein der sozialen und sensorischen Empfindungen von Menschen aus dem Autismus-Spektrum gestaltet sind. Das Bach-Museum Leipzig wurde nun mit diesem Siegel prämiert.

Die Leiterin des Bach-Museums Leipzig, Kerstin Wiese, entwickelt gemeinsam mit ihren Mitarbeiterinnen seit 2010 kontinuierlich inklusive Angebote, um Menschen mit Behinderung einen selbstbestimmten Museumsbesuch zu ermöglichen. Aktive Unterstützung leisten dabei Vertreter verschiedener Interessenverbände behinderter Menschen.

„Menschen mit Behinderungen eine gleichberechtigte Teilhabe zu ermöglichen, ist uns ein besonderes Anliegen“ sagt Kerstin Wiese. „Dass die Angebote gern angenommen werden, zeigen die hohen Downloadzahlen unserer barrierefreien Multimediaführungen, die wir kostenfrei im Internet zur Verfügung stellen. Rund 15.000 Mal wurden die Apps in Leichter Sprache, in deutscher Gebärdensprache und die Führung für blinde Menschen bislang heruntergeladen.

Die Entwicklung eines Angebots für Menschen aus dem autistischen Spektrum hat der Selbsthilfeverein „LunA – Leipzig und Autismus e. V.“ angestoßen.

„Wir freuen uns sehr, einen solch kompetenten Kooperationspartner an unserer Seite zu haben“, sagt die Museumsdirektorin.

Der 2005 gegründete Verein LunA – Leipzig und Autismus e. V. verfolgt das Ziel, bei Institutionen aus Kultur und Freizeit ein besseres Verständnis für Menschen aus dem autistischen Spektrum zu wecken.

Fünf Dokumente wurden im Kooperationsprojekt mit dem Bach-Museum entwickelt. Diese sollen Menschen aus dem autistischen Spektrum helfen, ihren Besuch im Bach-Museum vorzubereiten. Zum Beispiel werden Checklisten mit Bildkarten angeboten, mit deren Hilfe sich die Besucher vorab einen Ausstellungsrundgang zusammenstellen können. Auch werden grundlegende Fragen zum Ablauf des Besuchs beantwortet und Hinweise zu wahrnehmungsrelevanten Themen wie Licht, Klang und Raumklima gegeben, auf die Menschen aus dem autistischen Spektrum oft sensibel reagieren. Ein weiteres Dokument informiert darüber, wann das Museum voraussichtlich sehr gut besucht ist, zu welchen Zeiten oft Kindergruppen unterwegs sind und wann ein eher ungestörter Museumsbesuch zu erwarten ist.

Das Anbot ergänzt die große Palette inklusiver Angebote des Bach-Museums, zu denen unter anderem ein Rollstuhlfahrerplatz im Hörkabinett und Induktionssysteme für Hörgeräteträger gehören. Regelmäßig werden zudem barrierefreie Aktionstage veranstaltet. Für dieses Engagement wurde das Museum bereits 2015 mit dem Inklusionspreis Mosaik Mitteldeutschland und dem Sächsischen Museumspreis für Inklusion ausgezeichnet.

InklusionBach-Museum
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